Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 1977-1981(1977)

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versitäten, vor allem in Bologna, Paris, Oxford
und Neapel, bereits im 13. Jahrhundert ein Stand
vom Berufsschreibern, die von der Universität
benötigte Texte verfertigten. Die Beziehungen
von Ungarn und der Slowakei zu Bologna sind
durch das Rektorat des Domherrn und Erzdechan-
ten Jacobus Nógrád aus Esztergom in den 20er
Jahren des 14. Jahrhunderts belegt. Im 15.—16.
Jahrhundert waren Studenten aus der Slowakei
an mehreren europäischen Universitäten. Insofern
ist anzunehmen, dass Einflüsse der Universitäts-
schreibstuben (Stationariate) in slowakische Kanz-
leien eindrangen. Dagegen ist nicht bekannt, in
welchen Schreibschulen die Berufsschreiber und
Laien des slowakischen Raumes ihre Ausbildung
erhielten. Die Stadtbücher waren mehrsprachig;
z. B. in Zilina (Sillein) wurden im 15. Jahrhun-
dert Slowakisch, Latein und Deutsch von einer
Schreiberhand aufgezeichnet (Abbildung 1). Dies
lässt darauf schliessen, dass die Slowakei eigene
Schreiberschulen besass.3
2. Archivalien
Das Kanzleiwesen in der Slowakei wurde
nach dem Muster anderer mitteleuropäischer
Länder entwickelt. Dieser Tatsache ist zu verdan-
ken, dass die Slowakei heute in ihren Archiven
eine grosse Menge mittelalterlicher Schriftstücke
besitzt, die neben zahlreichen Bau- und Kunst-
denkmälern von einem materiellen und kulturellen
Reichtum dieses Landes zeugen. Einige Archive,
u. a. Kremnica (Kremnitz) und Banská Štiavnica
(Schemnitz) gehören sowohl in der Breite der
verschiedenen Dokumententypen als auch in der
Zahl der spätmittelalterlichen Texte zu den reich-
sten in Mitteleuropa.4
Die älteste Urkunde, die sich direkt -auf das
Gebiet der Slowakei bezieht, stammt aus dem
Jahr 805. Im Urkundenbuch der Slowakei hat
R. Marsina aus der Zeit bis zum Jahre 1235 über
500 Schriftstücke herausgegeben, die der Entste-
hungszeit gemäss auf Latein verfasst worden
sind. Mit der streng diplomatischen Edition der
ältesten slowakischen Dokumente wird ein
Wunsch mehrerer Wissenschaftszweige erfüllt,
denn bis zum Erscheinen dieses Urkundenbuches
lagen slowakische Urkunden nur in lückenhaf-

ten und editorisch unvollkommenen Drucken des
Ungarischen Urkundenbuches von G. Fejér und
verschiedenen Rechtssammlungen älteren Datums
vor.5
Angesichts der fast unüberschaubaren Menge
mittelalterlicher Schriftstücke aus der Slowakei
ist damit zu rechnen, dass in absehbarer Zeit nur
die ältesten und historisch wertvollsten Dokumen-
te ediert werden können. Darüber hinaus enthal-
ten die Originalhandschriften, im Gegensatz zu
auch der getreuesten Edition im Druck, zusätz-
liche Informationen, die von der Paläographie,
Schriftgeschichte und Kunstgeschichte verwertet
werden können. Daher werden in diesem Beitrag
Stadtbücher aus der Mittelslowakei beschrieben,
die in jenem Gebiet sowohl vom Inhalt als auch
von der Gestaltung her eine recht einheitliche
Gattung bilden.6


2. Stadt- und Bergrecht von Banská Štiavnica (Schemnitz)-
Siegel des Königs Vladislaus aus dem Jahre 1513
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