Instytut Historii Sztuki <Posen> [Hrsg.]
Artium Quaestiones — 3.1986

Seite: 81
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SERBISCHE KIRCHLICHE MALEREI

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Akademie im Zeichen der biedermeierischen und nazarenischen Kon-
zeptionen stammte. Es bedeutet also, auf dem Gebiet desselben Staates,
wo sich der konfessionell differenzierte, protestantische und katholische
Weg der künstlerischen Entwicklung bezeichneten, leben die orthodoxe
Serben, die ebenfalls ihre spezifische national und religiös gebildete Kri-
terien haben konnten. Es ist die Frage nun, welche ästhetische und kon-
fessionelle Komponenten den nationalen Filtern der Serben entsprechen
konnten, für welche das Schicksaal des Glaubens immer noch von ernst-
licher Bedeutung, auch die Frage der ethnischen Integrität war.
Es sieht so aus, daß weitent’scheidendere konfessionelle Unterschiede,
die nationale Kulturen des großen Kaiserreiches im 18. Jahrhundert
berzogen, als sich die im wesentlichen ideologisch-religiösen Unterschie-
de vor der vollkommenen Annahme der Barockprogramme, wenn es
sich um die Serben handelt, querstellten. Das nazarenische Programm
war wesentlich minder proselytisch ohne Rücksicht darauf, daß es sich
verstand, daß die Mitglieder der „St. Lucas Bruderschaft” katholisch
sein mußten. Jedoch die Gedanken über die Erinnerung der nationalen
deutschen religiösen Kunst waren suggestiv und vornehmlich eben bei
den Serben, als einem Volk, das immer noch durch den Glauben und
die Kirchenorganisation die Kräfte sammelte, um die nationale Freiheit zu
gewinnen. Auf dieser allgemeinen Ebene konnte sich der Faden des
Einflusses Overbecks Kreises finden, doch der erste Schluß war, daß
die Generation der serbischen nazarenisch orientierten Maler nicht im
Stande war, ernsthafter diesen wichtigen Faktor über die historisch be-
wußte Kunst, anzunehmen. Die Forschung der Antiquen bei den Serben
wurde erst begonnen. Einer der Bahnbrecher war Dirnitrije Avramovic, der
wandernde Forscher, der sogar bis zum Heiligen Berg gelangte, Student
der Wiener Akademie zur Zeit, als sich dort auch andere Vertreter der
Generation befinden 10. Er setzte sich für das Forschen der alten serbi-
schen Malerei ein, in der sich laut Avramovic „das nötige Material, ohne
welches es nicht möglich wäre, die serbische Geschichte zu malen” finden
konnte. Die Wandbilder und Ikonosthas in der Belgrader Hauptkirche
(1841 - 1845) in Öl bemalend, übernahm er sogar nicht die technologische
Seite der nazarenischen Erinnerung der mittelalterlichen und frühre-
naissancen Fresken als ursprüngliche und charakteristische Form des
kirchlichen Gemäldes. Das Wesen, die Technik und den Stil der mittel-
alterlichen Kunst wird erst die Generation von Dorde Krstić am Ende
des 19. Jahrhunderts zu verstehen versuchen und in der wortwörtlichen
Wiederholung der Thematik, Ikonographie und Malerart der mittelal-
terlichen Wand- und Ikonenmaler — in jener Art wie die Overbecks

10 P. V a s i Ć, Dirnitrije Avramovic, Beograd 1970.

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