Instytut Historii Sztuki <Posen> [Editor]
Artium Quaestiones — 3.1986

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SERBISCHE KIRCHLICHE MALEREI

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österreichischen Milieus, gebildet. Für seltene Reisende nach Italien, nach
Rom, war es schwer, Kontaktaufnahme mit den Werken der Overbeck-
gruppe in Casa Massimo oder Casa Bartholdy zu erstellen, außer denen
konnten bestimmt die Malerei der italienischen Quatrocentisten und Raf-
fael an der Quelle kennenlernen. Wahrscheinlich blieb ihnen die isolierte
Bewegung der italienischen Puristen unbekannt, die unter Einfluß der
Nazarenen bemüht waren, die Kunst „zu reinigen” und zu den romantiT
sehen Idealen der Schönheit und Wahrheit zurückzukehren 12. Der größe-
re Teil der serbischen Maler dieser Periode gelang nur bis Wien und bil-
dete sich ausschließlich an der Ästhetik der österreichischen Kunst aus.
Diese hatte jedoch ihre Charakteristiken vor allem in der ständig anwesen-
den Zuneigung der Schönheit und Idealisierung der Natur. Es scheint, die
Wiener Künstler, sogar Führich, welcher mit Overbeck im Casa Massimo
arbeitete, pflegten niemals die „Nonmalermalerei” sowie es die römische
Nazaren aufgebaut hatten. Die koloristischen Feinigkeiten und Reize
der Lazur herrschten in der Wiener Malerei der Biedermeierepoche. In
dieser Hinsicht waren die serbischen Maler zur Gänze Nachfolger einer
solchen Wiener Schule. Wenn sie aus bekannten Gründen nicht sofort
alle Wege des Naturalismus und der Genres erzweigten, akzeptierten sie
die Art und Weise der Malerei der Wiener Schule und damit wesentlL
che Neuigkeiten in die bisherige Erfahrung einbrachten. Wenn laut
Bachleitner eines der Programmbilder der römischen Nazarenen das Bild
von Pffor „Georg im Kampf mit dem Drachen” ist, könnten wir als
Programmbild der serbischen Nazarenergruppe und Meister dieser Rich-
tung die Ikone von Simić „St. Georg auf dem Pferd” um 1850 anneh-
men 13 (Abb. 3). Sie hat keinen kupelvieserischen oder führichischen Por-
zellanglanz der finalisierten Arbeiten, ist aber ebenso durchgerechne't,
statisch kalt im Kolorit wie es auch seine religiösen Bilder sind. Wenn et-
was aus ihr mit täuschbarer Wärme strahlt, so ist dann die sentimentale
Stimmung erfolgreich verwirklicht, was eines der Hauptausdrucksmittel
die Wiener Nazarenen war. Das Majestätische der religiösen Gemälde von
Kupelvieser war nie ohne solche Molintonierung und diejenige waren
die Hauptquelle für Simić. Unumleitbar ist die Erinnerung an die Ver-
wunderung von Veljko Petrovic vor den Gemälden von Simić, vor der
Lebhaftigkeit und Härte seiner Porträts und anderseits vor „den träu-
merischen, hilflosen, im süßen Rosenöl und himmlischen Bläue badenden
Heiligen, wie sich ihn Teenager vorstellen” u. Ist in dem etwas aus-
-- j I.K '■
12 R. Bachleitner, op. cit., S. 183. ;
13 O. Mikić, L. Selmie, Delo Pavla Simića (Pavle Simić, 1818 - 1876), Novi Sad,.
1979.
14 V. Petrovic, M. Kaśanin, Srpska umotnost u Vojvodini (Die serbische Küriät:
in Vojvodina), Novi Sad, 1927, S. 107.

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