Robert, Carl [Hrsg.]; Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,2): Einzelmythen: Hippolytos - Meleagros — Berlin, 1904

Seite: 201
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TAFEL LI RÖMISCHE SARKOPHAGE 161—163.

20I

163) S. Spalato, J. R. Museo Archeologico Salonitano. ihrer übrigen durchaus ihrem Stande entsprechenden Klei-
F*g- 163 Zeichnung von Schenck nach Photographie; dung ein niedriges Diadem und hat eine beinahe maje-

Fig-i63a. Fig. 163b (im Text S. 202) nach Conze Römische
Bildwerke einheimischen Fundorts in Oesterreich (Denk-
schriften der Philosophisch-historischen Classe der Kaiserl.

statische Haltung. Conze scheint dies richtig daraus er-
klärt zu haben, dass sowohl ihr als Hippolytus die Porträt-
züge des in dem Sarkophag beigesetzten Paares gegeben

Akademie der Wissenschaften XXII 1873) Taf. I. L. 2,40. sind, wobei nur auffallend und ungewöhnlich ist, dass beide
H- !,5o (des Kastens 0,95, des Deckels 0,55). T. 0,94. nicht in der Modefrisur ihrer Zeit erscheinen, sondern die

Gefunden 1859 in Salona auf dem altchristlichen Kirchhof von
Manastirine, und zwar im Narthex der kleinen Basilica S. Anastasio,
<n einer dem fünften Jahrhundert zugewiesenen Gräberschicht1), neben
einem kolossalen christlichen Sarkophag mit Darstellung des guten
Hirten (abgeb. bei Conze a. a. O. Taf. II. III und Jelic, BULIC e Rutar
Guida di Spalato e Salona 189 \ Taf. XXIII 2). Vgl. den Plan bei jelic,
Bulic e Rutar a.a.O. Taf. III bei tv 23 dazu p. 141 und /. 242 und
dle Skizze bei Conze a. a. O. S. 3. Mithin haben Christen hier einen

ideale Haartracht der Vorlage beibehalten ist. fWenn die
Amme mit ihrer Rechten den rechten Ellenbogen des
Hippolytus berührt, so haben wir ein ähnliches Motiv
auch schon auf 160a gefunden; vgl. auch Pitture cfErco-
lano III 15.

In der linken Seitengruppe musste nun die Amme durch
eine andere Figur ersetzt werden. Zu diesem Zweck wurde
die Fisrur der rechts von Phaedra befindlichen Dienerin

^.dnischen Sarkophag zum zweiten Male verwandt. Auf CONZE's nQch ejnma] wiederholt mit unweSentlich modificirter Arm

mlassung wurde der noch tief im Boden steckende^Sarkophag im aber ^ nach j.^ g.ewandtem Kopf; so dass die

beiden Dienerinnen mit einander zu plaudern scheinen, wie
auf 152b, selbstverständlich ein rein zufälliges Zusammen-

jahre 1871 völlig ausgegraben und von seinem Besitzer Dr. ROSSIGNOLI
fur ^as Museum in Spalato erworben, wo er 1872 Aufstellung fand.

Abbildungen: Conze a.a.O. Taf. I. Danach die Vorderseite

WiVn» \t 1 v treffen. Von Abweichungen im Detail mögen folgende her-

Wener Vorlegeblätter Ser. V Taf. 12, 1. — Jelic, Bulic e Rutar . 7

a a n t c . , , , „ „ vorgehoben werden, wobei solche, die lediglich auf der

«•a-U. Iaf.23, 1. (Die Vorderseite nach Photographie.) — A. Riegl s . .

Spätromic^v,» v >•-«,. » oot- /j , . , grösseren Rohheit der Arbeit beruhen, selbstverständlich

furomische Kunstindustrie I 1901 S.So Fig. 17 (desgleichen;. ö '

t ,-ff„ TT unberücksichtigt bleiben. Unter den Sesseln der Phaedra

■l-nteratur: heydemann Archaeologische Zeitung XXIX 1871 ö

S-^of.; Conze Zeitschrift für bildende Kunst VII 1872 S.65f. S.259t; "nd deS TheSGUS sind die Stufen we§gelassen- Bedras

Glavinic Archaeologische Zeitung XXX 1872 S.42; DüMONT Revue Haltung ist stolzer und aufrechter. Unter ihrem Sitz ist

arckeologique, Nouv. Ser., XXIII 1872 p.nSs.; Conze Römische Bild- ein SPiegel angebracht, der Stuhl selbst hat eine Rücken-

werke in Oesterreich S. 1 ff.; Kalkmann De Hippolytis Euripideis lehne und gedrechselte Beine. Das Ross des Hippolytus

Iß82 p.7fiss.\ Ders. Archaeologische Zeitung XLI 1883 S.65ff. (G); ist mit einem Pantherfell bedeckt und auch am Hintertheil

Puntoni a.a.O. p. 40 w. 10; Lechat Bulletin de correspondance mit Riemenwerk versehen; die Kopfriemen sind mit Nägeln

hellenique XIII 1889 /.331 n. 1; Jelic, BüLIC e rutar a.a.O. p. 140s.
,/r-29; Sauer a.a.O. S. 22; Robert Hermes XXIX 1894 S. 430;
A- Riegl a. a. O. S. 80; Altmann a. a. O. S. 111 f.

Der Sarkophag ist eine späte Replik von 161. 162. Auf
dem als Kline gestalteten Deckel sehr zerstört das übliche
"epaar; der Mann, in Tunica'und Toga, hält eine ge-
öffnete Buchrolle in der Linken, die Frau, in gegürteter
Tunica, einen Kranz in der Rechten. Vor der Kopflehne
steht mit gekreuzten Beinen ein Amor, in den Händen eine
umgekehrte Fackel; am Fussende ein zweiter wohl nicht
nach links bewegt, sondern sitzend zu denkender Amor
(vgl- III 126) mit einem Mäntelchen, der wohl, wie auf 151,
in beiden Händen eine Traube gehalten haben wird.

Die Vorderseite Fig. 163 ist eine fast genaue Wieder-
noiung von 161 und unterscheidet sich im Wesentlichen nur
durch eine andere Gruppeneintheilung. Die Amme ist näm-
ich zur Mittelgruppe gezogen, so dass diese hier aus drei
Figuren besteht. Auch trägt sie im Widerspruch mit

) ..ÄTel secondo strato di sepolcri del quinto secolo circa, sotto il selciato
anttco> ricoperto da uno strato di calcinaccio. Dacchl risulfa, csser csso
s(ato adoperato nel eimitcrio christiano appena ncl quinto secolo e le rap-
Presentazioni mitiche, su csso scolpite, per che non tollerate da* cristiani,
e"er state a hello studio occultate." Jelic, Bulic e Rutar a. a.O. p. 141.

beschlagen. Der das Pferd führende Begleiter legt die
linke Hand um den Schwertgriff, während auf 161 sein
linker Arm hinter dem Rücken des alten Dieners ver-
schwindet. Zwischen seinen Beinen ist ein zweiter Hund
mit emporgewandtem Kopf und mit einem Halsband an-
gebracht, der ihn am linken Oberschenkel zu lecken scheint.
Der alte Diener hat volleres Haupt- und Barthaar und eine
kleinere Glatze; statt des Mantels trägt er eine tiefgegürtete
Tunica; mit der Rechten gesticulirt er nicht, sondern legt
sie nachdenklich ans Kinn. Die Dienerin mit dem Kinde
trägt eine Tunica mit langen Aermeln, die ihren Ober-
körper völlig verhüllt, und derbe Schuhe statt der Sandalen.
Das Knäbchen der Phaedra ist völlig nackt; der Gegen-
stand in seiner Linken sieht hier einem kleinen Ball ähn-
licher als einem Apfel. Der Bote ist als bärtiger Mann
gebildet; die Spitze seiner Lanze ist, wenn auch sehr
verscheuert, am oberen Rande zu erkennen. Die linke
Hand des Theseus liegt weiter zurück, sein Gesichtsaus-
druck zeigt mehr Ingrimm als Entsetzen.

Auf der linken Schmalseite Fig. 163a (s. S. 202) ein
bärtiger Mann in Tunica und Toga, auf einem Stuhl mit
Löwenfüssen; die Rechte stützt er auf seinen Sitz; in der

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