Robert, Carl [Hrsg.]; Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,2): Einzelmythen: Hippolytos - Meleagros — Berlin, 1904

Seite: 211
Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/asr3_2/0057
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
TAFEL LIV. LV RÖMISCHE SARKOPHAGE 168—170

ersten römischen Classe 161—163. Phaedra erscheint in
derselben Gewandung und Haltung wie auf 167. 169, die
rechte Schulter ist etwas entblösst (vgl. 167), der Kopf mit
leidendem Gesichtsausdruck kaum merklich gesenkt; auch
wendet sie sich hier nicht der Dienerin zu, sondern ist ganz
mit sich selbst beschäftigt. Der Amor vor ihr, der mit einer
Chlamys bekleidet ist, entfernt sich nach rechts, indem er,
nach Phaedra zurückblickend, den rechten Arm hoch empor-
hebt und den linken senkt; vgl. den Amor an der rechten
Ecke von 155. In die rechte Hand wird man ihm nach
Analogie von 160 eine brennende Fackel zu geben haben;
die linke fasste vermuthlich die über die Oberschenkel lau-
fende Chlamys. Rechts neben ihm liegt ein kleiner Wollkorb
umgestürzt am Boden, vgl. 166. 169; der sehr zerstörte
Gegenstand zwischen seinen Füssen scheint ein Spiegel zu
sein, vgl. 163. 169. Neben dem Stuhl der Phaedra steht ein
zweiter Amor, der die linke Hand und den rechten Ellen-
bogen auf eine umgekehrte brennende Fackel stützt und
das Gesicht in die rechte Hand schmiegt. Die beiden
Dienerinnen bringen diesmal ihr Mitgefühl besonders deut-
lich zum Ausdruck. Die erste stemmt sich hinter dem Sessel
stehend mit der rechten Hand fest auf dessen Seitenlehne
und blickt theilnehmend auf die Königin herab; die zweite
rechts befindliche stützt die linke Hand und den rechten
Ellenbogen auf die Rücklehne des Stuhles, über der sich noch
ein durchbrochener Bogen als Abschluss erhob, und lehnt den
Kopf auf die rechte Hand. Beide tragen einen gegürteten
Chiton, der von der äusseren Schulter abgeglitten ist, und
haben das Haar hinten zu einem Schopf aufgebunden. Im
Hintergrund das Parapetasma wie auf 165. 166. 169. Die
Amme, der der Ergänzer fälschlich einen Mädchenkopf
gegeben hat, entspricht in Stellung, Armhaltung und Ge-
wandung ziemlich genau der Amme auf 169, nur trägt sie
n°ch einen schurzartig um den Unterkörper geschlungenen
Mantel. Ihr rechter Arm ist gleichfalls ergänzt. Hippo-
lytus wie auf 167—169; seine rechte Hand ist modern;
von seinem Speer sind ausser den Resten in seiner Linken
und an seinem linken Oberarm Puntelli am oberen Rande,
am Speer des bärtigen Mannes im Hintergrund und am
linken Vorderbein des Pferdes erhalten. Das hier, wie auf
169, grösser als sonst dargestellte Diana-Heiligthum im
Hintergrund hat korinthische Säulen und als Schmuck des
Giebelfeldes einen Kranz mit einer Schleife. In ihm wird
das Bild der Göttin sichtbar, im geschürzten die rechte
Brust freilassenden Chiton, in der gesenkten Linken den
Bogen tragend und mit der Rechten in den Köcher greifend,
also in demselben Typus wie auf 167 a, nur natürlich in
Vorderansicht gestellt. Ueber dem Ross des Hippolytus,
dessen Rücken wie gewöhnlich mit einem Pantherfell be-
deckt ist, werden drei mit Chlamys und Jagdstiefeln be-
kleidete Jäger sichtbar. Ihre Köpfe haben ausgesprochen
barbarischen Typus, der an den der Dacier auf der Traians-

säule erinnert. Deutlich ist auch, dass sie drei Alterstufen
vertreten. Der älteste, der am weitesten links im Profil
dargestellt ist, erinnert an den auf 167 (vgl. auch 165. 166)
an derselben Stelle erscheinenden alten Diener des Hippo-
lytus, eine Deutung, die durch den Speer in seiner Hand
wohl kaum ausgeschlossen wird. Der mittlere hat kürzeres
Haupt- und Barthaar und trägt, wie es scheint, keine
Waffe. Der dritte rechts endlich ist jugendlich und bartlos
und hält in der Linken einen Speer, dessen unterer Theil
vor seinem Leib sichtbar wird, während von dem oberen
der Ansatz links von dem Thorbogen herrührt. Vor dem
Pferd des Hippolytus steht der Hundewärter in der-
selben Stellung und Gewandung wie auf 167—169, aber
gleichfalls mit langem Haupt- und Barthaar und dacischem
Kopftypus. Sein rechter Arm ist, was auf der Abbildung
aus Versehen nicht angegeben ist, ergänzt. Seine beiden
Hunde, deren Köpfe modern sind, wird man sich nach 167
zu ergänzen haben, den hinteren mit erhobenem Kopf,
den vorderen sich mit dem rechten Hinterbein den Kopf
kratzend. Unter Hippolytus und seinem Gefolge ist Terrain
angegeben.

Der Thorbogen weist keine Decoration auf. In der
Jagdscene ist Hippolytus in demselben Typus dar-
gestellt wie auf 164—16g. Sein rechter Arm ist unrichtig
ergänzt; der Unterarm ging ursprünglich senkrecht in die
Höhe; die Stelle, wo die Hand sass, wird durch den An-
satz neben den Kinnbacken des Pferdes im Hintergrund
bezeichnet. Von seinem Speer sind Reste am oberen Rand
über dem Kopf des bärtigen Reiters und am Hals seines
eigenen Pferdes erhalten. Ergänzt sind ein Stück an der
Brust und der rechte Fuss. Wie in der ersten Scene ist
Hippolytus auch hier auf der Jagd von vier Begleitern um-
geben, von denen wenigstens zwei dieselben sind wie dort;
auch in dieser Hinsicht lässt sich der Adonis-Sarkophag 20
vergleichen. Von den beiden identischen Figuren ist die eine
der Hundewärter, der hier an dem sonst von Virtus einge-
nommenen Platz erscheint und zwar ungefähr in der Stellung,
die diese auf 166 hat; mit ausgestrecktem rechtem Arm
und erhobenem Kopf dem Hippolytus nachblickend, hält er
mit der gesenkten Rechten, wie in der ersten Scene, seinen
einen Hund an der Leine, während der andere zwischen
seinen Füssen am Boden schnuppert. Zweitens ist der
hinter Hippolytus herreitende bärtige Jäger, der mit einer
Chlamys bekleidet ist und in der Linken einen Speer hält,
augenscheinlich mit dem ältesten der drei Männer mit
Daciertypus aus- der ersten Scene identisch. Hingegen
haben die beiden noch übrigen Begleiter des Hippolytus
verschiedenen Gesichtstypus. Der eine mit langem Bart,
auf dem Kopf einen runden Hut, in der Linken eine Lanze,
von der ein Stück auf seiner Brust und die Spitze auf der
Chlamys des jugendlichen Reiters weiter rechts erhalten ist,
wird gerade über Hippolytus sichtbar und blickt spähend

54
loading ...