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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 16.1940

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https://doi.org/10.11588/diglit.42537#0032

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30

Funöschau

Alamannisch-fränkische Zeit.
Aus der Zeit vor 450 liegt diesmal kein Fund vor", um so zahlreicher sind die
Gräber der merowingischen Zeit; im Zug anderweitiger Erdbewegungen wurden
236 genau untersucht, weitere wenigstens festgestellt. Fast ausschließlich Steinkisten-
gräber lieferten Grimmelshvfen und Freiburg-St. Georgen, beide mit datierenden
Beigaben; aus die historische Bedeutung dieses Vorkommens weist der Aufsatz von
Dr. H. Stoll hin. Möglicherweise sind die unten aufgeführten geosteten „Gräber
ohne Beigaben", besonders die Friedhöfe Blansingen und Munzingen, Ausläufer
von Reihenfriedhöfen und können eines Tages auch noch Gräber mit Beigaben
liefern. Für die Besiedlung der Niederterrasse geben Feldkirch und Breisach-Hoch-
stetten Aufschlüsse; bei letzterem ist der karolingische Friedhof heranzuziehen.
Erstmalig erscheinen Teile von merowingerzeitlichen Siedlungen; die Gruben
von Sasbach sind zwar spät und für den Hausbau wenig ergiebig, geben aber einen
Anhaltspunkt, wo künftige Forschung einfetzen kann (vgl. auch Breisach-Kinkelrain,
III, 1936, 389)".
Am so bedeutsamer sind auch für unser Gebiet die früHgermanischen Siedlungen, die
in der Rheinprovinz entdeckt und z. T. auch schon untersucht sind, besonders Glad-
bach Kr. Neuwied (Nachrichtenbl. f. dtsche Vorzeit 13, 1937, 119ts.; 15, 1939, 233;
Bonn. Jb. 143/144, 1938/39, Taf. 82, S. 442; Germania 22, 1938, 180ff.): kleine ein-
getiefte Hütten, z. T. um ein größeres oberirdisches Haus gruppiert, dazu Wohl noch
Speicher. — Ebenfalls westgermanisch, aber mit völlig anderen Grundrissen ist die Sied-
lung auf dem Bärhorst bei Nauen (Mark), die von der ausgegraben wurde und von
O. Doppelfeld und G. Behm in der Prähist. Ztschr. 28/29, 1937/38, 284 ff. veröffent-
licht wurde: Langobarden, um 300 n. Ehr.; etwa 50 Langhäuser (Einheitshaus für
Mensch und Vieh, quergeteilt), die einen freien Platz aussparen, dazu Grubenhäuser.
Das Ganze bildet ein Quadrat von 200 m Seitenlänge, mit doppelter Pfostenreihe als
Umzäunung, die von einem 5 m breiten Tor unterbrochen wird.
Das Schrifttum ist umfangreich, die Meinungen z. T. sehr abweichend. Die
Arbeiten von H. Zeih über die Burgunder! und H. Büttner über die Geschichte
des Elsaß sind am Schluß ausführlich besprochen.
N. Laur-Velart hat Runöfunkvorträge unter dem Titel „Urgeschichte und Schwei-
zertum" (1939) veröffentlicht. Das Schlußwort „Urgeschichte schafft Schweizertum!" läßt
die Jahrtausende seit der Jungsteinzeit unter einheitlichen, anregenden Gesichtspunkten
betrachten; daneben stehen ausgezeichnete Bemerkungen zur keltischen, römischen und ala-
mannischen Kultur und zur alamannischen Eigenart. Greifen wir heraus, daß das Schwei-
zer Bergland Zufluchtsgebiet ist, während das fruchtbare Mittelland zur Eroberung ge-
radezu lockt. Im Kulturellen wirkt das Römische und Germanische zusammen, — an die
hinter die spütrömischen Kastellmauern geflüchtete romantische Bevölkerung knüpfen die
wichtigsten Städte an wie Zürich, Basel, Lausanne, Genf —, im Aufbau des Volkstums
Kelten und Germanen: „wir Nordschweizer find zur Hauptsache Alamannen"; die Kriegs-
züge der Eidgenossen im 15. und 16. Jahrhundert sind nichts anderes als ein Wieder-
aufleben der kriegerischen Gesinnung der Alamannen des 3. und 4. Jahrhunderts.

" Nachbildungen der beiden Gefäße von Edingen (Mannheim), 14, 1938, 26 abge-
bildet: Mainzer Ztschr. 34, 1939, S. 6 Abb. 9, 3 m 6: S. 9.
" Zu den karolingischen Grundrissen von Breisach-Hochstetten (I!I, 1935, 285 ff.) vgl.
den gleichartigen, aber durch Stakenlöchcr ergänzten Grundriß von Oberbillig a. d. Ober-
mosel, Nachr.bl. f. dtsch. Vorzt. 15, 1939, 261 f., Taf. 69,2.
 
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