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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 16.1940

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https://doi.org/10.11588/diglit.42537#0142

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138

Besprechungen

Studien" 1938, 68 s. zu verweisen. Beim Durchlesen des Buches zeigt sich deutlich, wie not-
wendig es war, daß die Fundberichte E. Wagners von W. Kimmig und W. Rest nach den
Akten aufgearbeitet wurden. Doch sind nicht wenige Angaben Kellers schon vor Veröffent-
lichung dieser neuen Quellen zu beanstanden, z. B.: bei der Literatur zu Ihringen C fehlt
E. Fischer 1908; auf dem Michelsberg bei Riegel vermutete und fand K. Schumacher laut
angegebener Literatur ein Refugium, und das ist nicht ohne weiteres identisch mit Ring-
wall; die Funde von Feldkirch waren immer in der Sammlung des Museums für Urge-
schichte, nie in der des Geologischen Instituts.
Während ich in der Präh. Ztschr. 21,1930 versuchte, den Frühstil der Nlbkeramik zeitlich
in HaB zu setzen, lehnt K. es ab, da er unter einer „Stufe" nicht einfach einen Zeitraum, son-
dern eine „ausgeprägte, immer wieder gleichmäßig auftretende" Kulturform versteht (97);
er folgt darin Reinecke, während ich immer wieder versucht habe, geschichtliche Beziehungen
zu sehen und — wo Anzeichen vorhanden — verschiedenartige Gruppen nebeneinander und
ihre Wechselbeziehungen zueinander zu erfassen, „Stufe" und „Gruppe" auseinander zu
halten. (Meine Auszählung Präh.Ztschr. 21, 1930, 68 oben ist durch Liptingen, E. Wagner I,
56 zu ergänzen.) Leider dringt K. nicht zu einer anschaulichen oder kunstwissenschaftlich-
begrifflichen oder anderweitigen Erfassung des von ihm so bewunderten Stiles vor, von
Unzulänglichkeiten der Formulierung (z. B. S. 52 „der geometrische Stil") ganz ab-
gesehen. Ebenso ungeschichtlich scheinen die Vorstellungen des Verfassers bezüglich der Her-
kunft von Ha D zu sein, wo zudem die Arbeiten v. Merharts (1915) und Kerstens (1933)
unberücksichtigt sind. Hand in Hand mit Stil- und Struktursorschung muß die Unter-
suchung der Volksgeschichte gehen, ja, für Zeiten ohne geschriebene Rachrichten ist sie das
vordringliche Ziel. Bedenklich ist es auch, Arnenselder und Pfahlbauten zu trennen, da die
nordschweizerischen Pfahlbauten nur ein besonders! fundreiches Vorkommnis der rheinisch-
schweizerischen Arnenfelder sind (und Entsprechendes gilt für die Westschweiz). Eine an-
schauliche Äbersicht der kulturellen Zeitlage fehlt; Villanova, Este, Diphlon sind — trotz
Q. Tischler und M. Hoernes — nicht einmal erwähnt, auch nicht bei Nennung der Ton-
situlen; die unmittelbar benachbarten süddeutschen Gruppen sind nur angedeutet. Die Ost-
alb — ohne Stempel und Kerbschnitt — wird schlichtweg zur Mittleren Alb hinzugenommen,
während K. Schumacher in Ebert, Reallexikon Vlll, 262, den Kerbschnitt als Kennzeichen
seiner Alb-Salem-Gruppe angibt und nördlich Alm den Koberstadter Typus beginnen
läßt, wenn er auch die Ostalb nicht ausdrücklich erörtert. Daß Feinkeramik in Siedlungen
vorkommt, habe ich auf der Haid durch Ausgrabung bewiesen (Präh.Ztschr. 17, 1926,
217ff.; von K. in der Fundliste und sonst nicht erwähnt), und in der Wasserburg Buchau
ist der Boden höchst labiler birnförmiger Kegelhalsgefüße durch Gebrauch abgescheuert.
Die Arbeit Kellers verdeutlicht die Bedeutung des Stoffes; ein weiterer Anstoß zu
seiner Verarbeitung ist von der Veröffentlichung der Sammlung v. Wunderlich, von der
K. Proben bringt, zu erhoffen. Die Größe der Aufgabe verpflichtet unsere württember-
gtschen Kollegen, den ganzen Stoff katalogmäßig vorzulegen und durch Siedlungsgrabun-
gen und Geländebegehungen (vgl. meine Bemerkungen in dieser Zeitschrift 15, 1939,
137 f.) die Antersuchungsbasis zu erweitern, wie ich es vor 16 Fahren begonnen habe.
Kraft.
Markgräfler Jahrbuch. Herausgegeben im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft zur Pflege
dec Geschichte des Markgräflerlandes von K. Seith.
Eine besondere Sache! Kein auswendiger Prachtband, keine langen Abhandlungen,
sondern eine herzerfreuende Sammlung kurzer frischer Beiträge, wo nicht irur Burte
und Seith und Sutter, Glattes, GreHer, Reinacker, Schäfer u. a., sondern auch der Bauer,
der Schreiner, der Bergmann, der Schüler „frisch von der Leber weg" in Prosa und Poesie
und Darstellung zu Worte kommen! Möge diesem Selbstzeugnis des Volkes Wirkung und
Nachfolge beschieden sein! Die Frühgeschichte ist mit einem beredten Lobpreis des Lörracher
Alamannenbartes, des „Ewigen Bartes", von Burte vertreten (leider ohne Abbildungen).
G. K.
H. Ohlhaver, Der germanische Schmied und sein Werkzeug. Hamburger Schriften zur
Vorgeschichte und germanischen Frühgeschichte, Bd. 2, 1939. Herausgegeben von W. Mat-
thes. Verlag C. Kabitzsch, Leipzig.
Die vorliegende Veröffentlichung ist eine äußerst verdienstvolle Zusammenstellung
einer bestimmten Gruppe von Altsachen aus Grab- und Siedlungsfunden. Außer einer
gründlichen Klärung bis jetzt kaum angeschnittener Fragen der germanischen Vorgeschichte
im beschreibenden Text enthält die Veröffentlichung einen ausführlichen Katalogteil, 58
Textabbildungen und 50 Tafeln. Die Ausstattung des Buches ist gut, der Text klar ge-
schrieben. Mancher wird es bedauern, daß der Verfasser sich auf die Hinterlassenschaft der
germanischen Grobschmiede beschränkt und die Werkzeuge feinerer Technik wie etwa die
 
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