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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 16.1940

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https://doi.org/10.11588/diglit.42537#0034

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Fundschau

Aus dem Gräberfeld Mengen sind 400 Schädel bzw. Schädelreste geborgen worden
— darunter besonders auch jugendliche, die von Dr. Schaeuble und seinen Schülern be-
arbeitet werden. Erschienen ist die Dissertation F. Eich über „Pathologische Befunde an
Zähnen und Kiefern . . Danach sind 5,47 o/g der Zähne bzw. 40,15 o/y der Gebisse
kariös, ähnlich bei andern alamannischen und fränkischen Gräberfeldern, während heute
98 °/o der Zähne kariös sind. Bon anderen pathologischen Erscheinungen seien zahlreiche
apikale Herde erwähnt. Da die Abkauung und damit die Selbstreinigung sehr stark ist,
ist die Fissurenkaries (Billen auf der Zahnkrone) gering; die Abkauung des Schmelzes
und Zahnbeines wird durch Bildung von Ersatzöentin ausgeglichen. Da die Karieswider-
standsfähigkeit sich vererbt, wird die niedrigere Karieshäufigkeit der Frühzeit auf natür-
liche Auslese zurückgeführt.
Anter den alamannischen Skeletten von Herten (Lörrach) hatte Bud. Schwarz einen
hohen Anteil von Prognathie, d. h. Borkiefrigkeit erkannt. Er veranlasste die Antersuchung
von Kurt Kromer, Zur Prognathie einiger Alamannen von Herten. 1938. Danach
findet sich in den alamannischen Gräberfeldern bei Basel kein Gegenstück dazu, anderer-
seits ist Prognathie kein besonderes Merkmal des urzeitlichen Menschen, ist also kein Ata-
vismus, sondern eine „normale Bariante des Schädelskeletts".
Aus dem Anthropologischen Institut der Aniversität Zürich (Prof. Dr. O. Schlagin-
haufen) liegen die von Trudel, Schneiter und Hug vor. —
W. Trudel, Die Alamannen von Elgg (Kanton Zürich). 1938. Die Alamannen
von Elgg variieren in ihren anthropologischen Merkmalen stark zwischen dem dolicho-
kranen nordischen und dem brachhkranen alpinen Typus; „dolicho- und mesokrane
Formen dominieren jedoch deutlich". „Meine Erzeugnisse bestätigen also einer-
seits die herrschende Ansicht von der nordischen Abstammung der Alamannen;
andererseits bekräftigen sie jedoch auch die Annahme, daß die Alamannen tatsächlich
die Borfahren der rezenten Deutschschweizer sind, wenngleich inzwischen verschiedene Merk-
male noch mannigfache Veränderungen erfahren haben und vor allem die Breitköpfigkeit
noch beträchtlich zugenommen hat. Schon zur Alamannenzeit muh eine Einmischung frem-
der Elemente erfolgt sein ..
C. Schneiter, Die Skelette aus den Alamanncngräbern des Zürichsee-, Limmat-
und Glattales (inklusive Greifensee- und Pfäffikersee). 1939. Das Material war nicht so
ausgiebig; er schließt: „Es hat sich damit aus den Antersuchungen mit aller Deutlichkeit
ergeben:
1. daß die Alamannen, wie sie im Gebiet des Zürichsee- Limmat- und Glattales Vor-
kommen, nicht stark von den Alamannen der übrigen Schweiz verschieden sind.
2. daß die beigabenlosen Gräber dieses Gebietes, die als alamannisch angesprochen
werden, ohne daß dafür Beweise vorhanden sind, in ihrer Gesamtheit von den Alamannen
des Gebietes nicht unterschieden werden können."
Zu Beginn der Drucklegung erschien als dritte Züricher Arbeit die umfassende Anter-
suchung:
Erik Hug, Die Schädel der frühmittelalterlichen Gräber aus dem solothurnischen
Aaregebiet in ihrer Stellung zur Reihengräbcrbevölkerung Mitteleuropas (Ein Beitrag
zum Problem der europäischen „Brachykephalie". Ztschr. f. Morphol. und Antrop. 38,
1939, 359—528). Die Solothurner Reihengräberschädel sind relativ zu den mitteleuropäi-
schen kurzköpfiger, und zwar besonders die der beiden benachbarten Juraorte Pietcrlen
und Grenchen. Im merowingerzeitlichen Friedhof Pieterlen liegen auf der einen Seite des
sog. „Totenwegs" hochgewachsene, langschädlige, auf der andern kleingewachsene, kurz-
schädlige Leute; die Grabbeigaben sind gleichförmig. Während der Ausgräber, D. Andrist
(Jahrbuch Bern. Histor. Museum 12, 1932, 54 ff.) verschiedenartige Abstammung annahm,
verneint Hug, daß diese Hochbrachykephalen als Vertreter einer andern, etwa „alpinen"
Rasse, angesprochen werden dürfen, vielmehr sieht er in ihnen eine Bevölkerungsgruppe,

is Wenn aus der starken Abkauung auf einfachere rauhere Ernährung geschlossen
wird, so ist das sicherlich richtig, doch nicht zu vergessen, daß schon die Kelten von Breisach-
Hochstetten Weihbrötchen kannten (s. o. Latene).
 
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