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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 16.1940

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https://doi.org/10.11588/diglit.42537#0054

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P. H. Stemmermann und C. Koch

zwei ältere Schichten liegen, von denen die untere ältere, die obere jüngere Hall-
stattscherben enthalten soll. Doch hat schon Wahle bei seiner Durcharbeitung des
Scherbenmaterials vom Heiligen Berg im Jahre 1920 festgestellt, daß eigentliche
Hallstattscherben überhaupt nicht vorhanden sind, sondern daß aus der fraglichen
Zeit nur Arnenfeldermaterial gefunden wurdet, eine Beobachtung, die durch un-
sere Sichtung des Scherbenmaterials bestätigt wurde. Schmidt muß also hier ein
Irrtum unterlaufen sein. Ein interessantes Ergebnis der Grabung versprach von
vornherein die Stelle 6 (Abb. 3), d. h. der Schnitt durch die beiden sogenannten
„Querwälle". Das Gelände erhebt sich in dieser Gegend, in der heute die oberen
Sitzreihen der Feierstätte eingeschnitten sind, ziemlich steil zur oberen Kuppe. Am
Ende dieser Halde bezeichnet eine größere und noch etwas steilere Geröllhalöe
die Lage des oberen Walles. Der sogenannte untere Wall, auch Vorwall genannt,
ist hingegen nur durch ein plötzliches Steilerwerden des Geländes und- einen an-
schließenden „Graben" gekennzeichnet. Man setzte die Grabung in dem flachen Stück
zwischen den beiden Wällen an und stieß von hier zugleich nach oben und unten
vor. Nachdem man unerwarteterweise schon kurz nach dem Einstich etwas oberhalb
einen Hausen scheinbar regelmäßig gesetzter Steine gefunden hatte, glaubte man
hier die Mauer zu haben. Eine Verfolgung dieser Stelle nach rechts und links je-
doch erwies dies als Irrtum. Die Mauer sand man, wie vermutet, in der oberen
Geröllhalde, obwohl gerade hier viel der Steinräuberei zum Opfer gefallen war.
Die Mauer lag, genau wie bei E, nicht genau an der Kante des Plateaus, sondern
etwas unterhalb. (Eine Maßangabe ließ sich diesmal nicht finden.) Anter dem
Mauerfundament stieß man auf eine Schicht, die bis in drei Meter Tiefe hinab-
reicht. Diese, durch ihre dunklere Färbung sich deutlich abzeichnende Kulturschicht
zieht sich nach dem Bericht bis auf die Ebene auf der Geröllhalde hin. Eine ge-
nauere Antersuchung der ziemlich viel Scherben liefernden Schicht ergab, daß diese
sich in eine Reihe ziemlich deutlich trennbarer Teilschichten auflösen ließ. Direkt
unter der Mauer lieferte die Schicht, die hier eine dunkelgraue Färbung aufweift,
„bronzezeitliche" (Arnenfelder-)Scherben.
Nach den Zeichnungen von Schmidt muh die Mauer in diese Kulturschichten
eingeschnitten gewesen sein, denn die Rückwand des Suchgrabens (die Mauer
wurde nicht durchstoßen) zeigt die Mauer in der als „dunkelgrau" bezeichneten
Schicht sitzen, über welcher an den Seitenwänden des Grabens noch eine „Lehm-
schicht" und eine „graue Schicht" zu sehen sind. Die unter der „dunkelgrauen" Schicht
liegende „schwarze Schicht" soll neolithische Scherben geliefert haben. Leider
läßt sich der ganze ziemlich unklare Befund nicht mehr nachprüsen, da eine ent-
sprechende Schichtenbezeichnung bei den vorhandenen Scherben fast ganz fehlt.
Neolithisches Material war aus diesem ganzen Grabungsstück überhaupt nicht zu
finden. Eine Kiste, die der Bezeichnung nach Funde aus der „dunkelgrauen Schicht"
enthält, lieferte Arnenfelderscherben, so daß sich hier aus jeden Fall ein
Anhaltspunkt für die Datierung des sog. „oberen Querwalles" ergibt, der später
sein muß, da er in diese Schicht einschneidet.
In der Mauer selbst glaubt Schmidt an dieser Stelle zwei Pfosten-
löcher gefunden zu haben, die mit einem Durchmesser von je zwanzig Zentimeter
senkrecht in der Mauer verliefen. Bei ihrer Auffindung war Schmidt der Ansicht,
daß sie in die Front der Mauer gehörten und zeichnete eine entsprechende SkiM
in sein Ausgrabungsprotokoll. Später aber kam er zu der Äberzeugung, daß die
Löcher im Innern der Mauer lagen. Er schreibt am 21. Sept. 1907 im Heidelberger
Tageblatt bezüglich der Stelle 6: „Ansere Mauer zeigt eine glatte Front,

IS E. Wahle, Die Dor- und Frühgeschichte des unteren Neckarlandes, 1925 S. 62.
 
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