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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 16.1940

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https://doi.org/10.11588/diglit.42537#0058

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P. H. Stemmermann und C. Koch

ben zutage brachte, soll Schumacher erklärt haben, das genüge ihm. Eine Zigar-
renkiste mit Scherben, die nach der Bezeichnung von dieser Stelle stammen, enthält
neben mittelalterlichen Scherben solche römischen Charakters. Ob wir es aber mit
dem Fundament einer 8pecula, die man hier in der Nähe des heutigen Nus-
sichtsturms auf der vorderen Kuppe des Berges vermutete, zu tun haben, oder
mit dem quadratischen Fundament eines kleinen Tempels keltischer Bauweise, läßt
sich heute ohne Nachgrabung nicht mehr ermitteln. Nach einer von Wahle ange-
fertigten Skizze der Lage dieses Fundaments wurde es in den Plan als Stelle F
eingetragen, doch ist zu betonen, daß dem Eintrag nur annähernde Genauigkeit
zukommt.
Leider fehlen von Wippermann jegliche Aufzeichnungen über die Grabungen
zwischen 1927 und 1913. Sie wurden offenbar auch von der damaligen Fachwelt
als nicht genügend betrachtet, denn sonst wäre die 1912 ausgesprochene Forderung
der Geschichtsvereine nach wissenschaftlicher Untersuchung der Wohngruben nicht
verständlich.
Der Ausbruch des Weltkrieges brachte hier wie überall die Grabungen end-
gültig zum Stillstand. Erst 1922 machte der Heilige Berg wieder von sich reden,
als nämlich anläßlich eines Wegbaues am Tor Ä. des unteren Ringwalles, bei
Stelle X etwa 12 na nördlich des Durchlasses, der schöne „Cimbrianus-Stein" auf-
gesunden wurde (hierüber später). Anfang Juli 1925 wurde von einem Hand-
schuhsheimer Schüler beim Spielen ein schöner Bronzering der frühen Latenezeit
(Bgl. Badische Fundberichte l, S. 180) (Abb. 9, b) gefunden und im Kurpfälzischen
Museum eingeliefert. Die Fundstelle liegt an der Westseite des Berges im äußeren
Ringwall (Stelle Ich zwischen dessen Steinen der Ring zum Vorschein kam.
1929 legte eine Grabung unter Leitung von Regierungsbaumeister Koch auf
der Westseite der Ruine die großen Fundamentblöcke, von denen 1912 die Rede
war, endgültig frei. Im selben Iahr beobachtete Wahle anläßlich des Neubaus
der Wirtschaft „Schieß" zwei durch die Unterkellerung angeschnittene Wohn-
gruben mit- Latenescherben. Wahle fand damals an drei Stellen Siedlungs-
reste. Bei Ick 1 in der Westwand des Kelleraushubs zur Wirtschaft Schieß zeigten
sich zwei schwarze Gruben von zirka 2 m Länge und 1,12 na Tiefe. Zwei weitere
Gruben kamen im Graben einer Wasserleitung unmittelbar südlich des Hauses zum
Vorschein, und zwar die eine ganz an deren unterem Ende (FI 2) schon außerhalb
des äußeren Ringwalls und die andere (XI 3) 5 m vom Wasserbehälter der Wirt-
schaft entfernt. FI 2 und 3 waren nicht im Profil zu sehen, sondern zeichneten sich
nur durch schwarzes Erdreich, das mit Scherben der Latenezeit untermischt war,
ab. Schließlich zeigte sich beim „Pflanzgärtchen" eine weitere Fundstelle, FI 4, in
der neben Latenescherben ein Mahlstein, dessen eines Ende abgebrochen ist, her-
auskam. Der Mahlstein zeigt die in der Latenezeit bei uns übliche Form des sog.
„Napoleonshutes" und hat heute noch eine Länge von 52 cm bei einer Breite von
25,5 cm. Die Wohngruben sind insofern von Bedeutung, als sie die einzigen, in
ihrer Lage genau beobachteten Wohngruben auf dem Heiligen Berg sind. Der
Befund zeigt, daß die Besiedlung — zum mindesten in dem Sattel zwischen den
beiden Kuppen — in jener Periode außerordentlich dicht gewesen sein muß. Beim
Zuschütten des Wasserleitungsgrabens fand man noch zwischen den Steinen des
inneren Ringwalles das Bruchstück einer Säulentrommel von 25 cm Höhe und
einem Durchmesser von 23 cm, in welchem wir den Rest eines Tempels der römi-
schen Periode sehen dürfen, ohne jedoch sagen zu können, ob das Bauwerk einst in
der Nähe gestanden hat, oder ob der Stein als Baustück von anderswoher — etwa
der Höhe des Berges — herabgeschafst worden ist.
1932 wurde durch freiwilligen Arbeitsdienst unter Leitung von C. Koch die
 
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