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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 16.1940

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https://doi.org/10.11588/diglit.42537#0109

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Zur Topographie des Münsterberges von Breisach

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Schwaben) auch längs der Steilseiten befestigt sind, wird man eine Befestigung auf
den drei andern Seiten des Münfterbergs von Breisach annehmen dürfen^.
Die Kastellanlage muh eine Veränderung in den Oberflächenverhältnissen auf
dem Berge mit sich gebracht haben, die wir uns infolge der erneuten Umgestaltun-
gen bei der Gründung der mittelalterlichen Stadt im Iahre 1185 kaum vorzustellen
vermögen. Nach den Feststellungen in der Radbrunnenstraße wurde im Innern des
Kastells eine Schuttschicht von noch 1 nr Höhe abgelagert, die zur Erhöhung des
Wohn- und Verteidigungsniveaus der Kastellbesatzung gegenüber dem Angreifer
außerhalb des Kastells diente (vgl. oben S. 98 und Abb. 4, k und g). Wie hoch die
Auffüllung ursprünglich war, ließ sich nicht mehr feststellen; einen Schätzungsver-
such s. unten S. 108. Ebenso haben die Römer an der Auffüllung der Senke in der
Radbrunnenstraße nördlich der Kastelltorwange mitgewirkt und dort Schutt in
Höhe von rd. 1,50 ra angetragen (S. 99 und Abb. 4, e). Viel mehr Schutt als der
noch erhaltene kann im Bereich der Senke außerhalb des Kastells von den Römern
schon deshalb nicht abgelagert worden sein, weil der Niveauunterschied zwischen
den Angreifern und Verteidigern nicht allzu sehr verringert werden durfte. An-
dererseits war eine teilweise Auffüllung und Ausplanierung der Senke mit der
Schuttschicht e notwendig, da die Senke sonst für die Geschosse der in spätrömischer
Zeit bereits gut ausgebildeten Artillerie einen toten Winkel gebildet hätte. Wie
hoch der ursprüngliche Niveauunterschied zwischen der aufgefüllten Fläche im Ka-
ftellinnern und derjenigen vor dem Kastell war, ließ sich infolge der Zerstörungen
anläßlich der mittelalterlichen Stadtgründung nicht mehr ermitteln. Entsprechend
dem Befund bei ähnlichen Anlagen wird man den Niveauunterschied auf reichlich
1,50 na veranschlagen dürfen. Offenbar hat sich dieser Unterschied noch erhalten im
Gefälle der Anterkante der mittelalterlichen Straßenlagen Abb. 4, a—c, da dieses
Gefälle im Bereich der Torwange und nördlich von ihr auf 21,73 na rd. 1,70 na be-
trug (s. oben S. 100).
In der Kettengasse (Abb. 2 und 3) und in der Schloßplatzstraße (Abb. 5) war von
den Schutthinterfüllungen im Kastellinnern nichts mehr vorhanden. So mächtig,
wie in der Radbrunnenstraße, können die Schuttlagen wenigstens in der Ketten-
gasse nicht gewesen sein, da dort auf 1,40—1,50 na erhaltener Fundamenthöhe
innerhalb (südlich) der Mauer keine Schuttmassen vorhanden waren, sondern nur
die von mittelalterlichen Eingriffen unberührten vorgeschichtlichen Kulturschichten.


Abb. 8. Breisach-Münsterberg. Schnitt längs der spätrömischen Kastellmauer.
Am sich von den Niveauverhältnissen in der spätrömischen Befestigung eine
Vorstellung machen zu können, muh man von den durch die mittelalterliche Sied-
lung bedingten Veränderungen der Straßenoberflächen absehen und die Tiefen der
Fundamentunterkanten miteinander vergleichen. Ein genaues Nivellement zeigte
(vgl. Abb. 8), daß die Anterkante des Fundaments in der Schlohplatzstraße nur
25 Dementsprechend mein schematischer und vorläufig noch unverbindlicher Rekonstruk-
tionsversuch oben Abb. 1; für die Einzelbelege vgl. auch Germania a.a.O. 44.
 
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