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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 16.1940

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https://doi.org/10.11588/diglit.42537#0120

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118

H. Stoll

schlagen und Riemenzungen kommt auch sonst in Frauengräbern der späteren Me-
rowingerzeit vor, so z. B. in Hailfingen, Rosengarten Grab 9 und Hailfingen Ost-
sriedhof Grab 1b«. Die versierten quadratischen Beschläge mit dicken Rieten in
den Eckrundeln wie Las. VI, b erscheinen ebenso in dem letztgenannten Frauen-
grab 1b von Hailfingen OstZ sie gehören nicht wie die gleichzeitigen rechteckigen
Beschläge zum Gürtelbesatz neben der Schnalle, sondern als Verzierung auf dem
Riemenende zur Riemenzunge (aus Lienheim Grab 8 fehlt 1 Stück zu Riemenzunge
Taf. VI, e). Beschläge und Riemenzungen aus Grab 8 sind in dem seit B. Salin's
grundlegender Veröffentlichung über den germanischen Tierstil (Stockholm 1924)
gut bekannten Stil II verziert. Die weitgehende Auflösung der Tierkörper verweisen
den Schmuck aus Grab 8 nach der allgemein anerkannten Datierung" in das spätere
7. Jahrhundert. Die Zierstücke sind ein weiterer Beitrag zu der von mir heraus-
gestellten alamannischen Sonderentwicklung von Tierstil II (Hailfingen S. 39) und
entsprechen Stücken aus den alamannischen Gräberfeldern von Hailfingen, Gräber
32 u. 139".
Der übrige Schmuck aus den Frauengräbern bei Lienheim besteht aus einigen
bunten Glasperlen und unverzierten Bronzeringen und Riemenzungen (Gräber 11
und 13, Taf.VlZ, b). Die unverzierten trapezförmigen Schnallenbeschläge aus Grab 13
(Taf. VI, Z) fallen durch ihre Form etwas aus dem Rahmen des am Oberrhein üb-
lichen Gräberinventares heraus, kommen aber anderswo nicht allzu selten vor. Aus
Männergrab 12 und Kinöergrab 17 wurden silbertauschierte eiserne Schnallen-
beschläge geborgen (Taf. VII, n, c); deren Verzierung zeigt wie bei den Bronze-
beschlägen aus Grab 8 den späten Tierstil II nach B. Salin".
In den Männergräbern bei Lienheim muß die verhältnismäßig häufige Beigabe
von Klapprasiermessern auffallen; solche wurden in den Gräbern 15 und 16 nach-
gewiesen (Taf. VII, lr, b), also in 2 von den 3 sicher festgestellten Männergräöern.
Dazu ist wieder Hailfingen Ostfriedhof Grab lack« heranzuziehen, das nach seinen
übrigen Beigaben ans Ende des 7. Jahrhunderts zu stellen sein dürste. Roch deut-
licher zeigt sich das Auskommen des Rasiernressers gegen Ende des 7. Iahrhunderts
und seine rasche Verbreitung im 8. Jahrhundert im Gräberfeld von Reichen-.'
hall". Dieser Moderichtung der späten Merowingerzeit geht das Auftreten des
eisernen Sporns in Lienheim Grab 15 parallel (Taf. VII, 1); auch er kommt in Hail-
fingen in den späten Gräberfeldern Rosengarten und Ostfriedhos häufiger vor
als in dem großen Gräberfeld des 6.—7. Jahrhunderts in Flur „Vordere Breite'"'.
Gewöhnliche Messer wurden fast in jedem Grab gefunden; ihre Formen sind wenig
bezeichnend. Gut mit Waffen ausgestattet war nur der Mann in Grab 16. Seine
Spatha (Taf. VII, Ir) hat denselben unterlegten Eisenknauf und eiserne Parierstange
wie die aus Hailfingen Ostfriedhof Grab la oder Hailfingen Grab 81a". Das
letztere Grab enthielt zudem einen Schildbuckel derselben hochgezogenen Form gleich
dem aus Lienheim Grab 16 (Taf. VII, nr—o). Eigenartig sind dagegen die hütchen-

« a. a. O. Taf. 25, 22, 26n-27b, .30 u. 33 bzw. Taf. 16.
« a. a. O. Taf. 16, 15—16.
" Dgl. R. Aberg, Die Goten und Langobarden in Italien (1923), S. 40 ff. u. 146 ff.
" a.a.O. Taf. 12,5; 24,6 a-ä.
" Zur Entwicklung der burgundischen und alamannischen Silb-ertauschierung in der
Schweiz vgl. H. Zeiß, Die Grabfunde aus dem Durgunderreich an der Rhone, 1939. Dazu
Besprechung desselben am Schluß dieses Heftes.
" a. a. O. Laf. 11, 14.
" M. v. Chlingensperg-Derg, Das Gräberfeld von Reichenhall, 1890.
" a.a.O. Plan 3 I u. 8. Dgl. vor allem Ostsriedhof Grab In, Taf. 11, 15.
" a. a. O.Taf. 11,1 bzw. Taf. 30,6.
 
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