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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 16.1940

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https://doi.org/10.11588/diglit.42537#0137

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Besprechungen

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Amarintal (Thurtal) im 7. Jahrhundert bereits den halbgermanischen Mischnamen Doro-
angus (Doro, vorgermanisch, Thur; angus — ingen) führte. Dis dahin waren die Ala-
mannen also damals schon vorgedrungen.
Bon Interesse ist endlich auch die Bildung der Sprachgrenze in der Burgundischen
Pforte. Südlich Altkirch, besonders im oberen Jlltal, häufen sich nicht ganz bis zur Sprach-
grenze die -ingen-Namen. Amgekehrt häufen sich im romanischen Gebiet bis zur Linie
Mandeure-Belfort die Namen auf -ans, deren Herkunft strittig ist. Zwischen beiden Linien,
in dem noch heute dünn besiedelten und unfruchtbaren wasserreichen Hügelland, das die
Wasserscheide zwischen dem Rhein und der Saone-Mhone bildet, verläuft die Sprachgrenze.
Die wenigen dort liegenden Ortschaften sind sowohl auf deutscher als auch auf französischer
Seite ausweislich ihrer Ramen späte Ausbausiedlungen. Indessen sind die Alamannen
auch südlich dieser Zone in der Burgundischen Pforte und in der nördlichen Franche-Comte
zahlreich nachgewiesen. Die Gaunamen des pagus Barascorum (Pahs de Barais) um Be-
saneon und des pagus Scodingorum südlich davon weisen auf germanische Stämme hin,
von denen die Barasker so gut wie sicher Alamannen waren-
Auffallend ist endlich die Tatsache, daß verhältnismäßig viel Orte mit voralamanni-
schen Ortsnamen wie Rufach, Kembs, Sierenz u. a. Mittelpunkte des merovingischen
Staatsgutes bildeten, sei es in der Form des Königsgutes, sei es in der des bischöflichen
Besitzes von Straßburg. Die Merowinger scheinen an denjenigen Stellen zuerst organisa-
torisch festen Fuß gefaßt zu haben, wo noch Resw der Romanen und damit Reste der
christlichen Kirchenorganisation vorhanden waren.
Infolge der Niederlage von 496 durch Chlodwig wurden die linksrheinischen Alaman-
nen und damit das gesamte Elsaß der Herrschaft der Franken fest unterworfen, während
die rechte Rheinebene und erst recht das Land östlich des Schwarzwalds nur in lockerer
Abhängigkeit vom Merovingerreich standen. Aber die Geschichte des Elsaß im 6. Jahrhun-
dert wissen wir praktisch nichts; es lag außerhalb des Brennpunktes der großen Gescheh-
nisse, die sich südlich von ihm in den Kämpfen zwischen den Franken und Burgunden ab-
spielten. Erst Ende des 6. und Anfang des 7.Jahrhunderts beginnt die intensivere Durch-
dringung des Landes von Seiten der merovingischen Könige, die sich zu diesem Zwecke der
Klostergründungen bedienen. B. erweist sich in der Darstellung der Geschichte der einzelnen
Klöster, die mühsam aus den Heiligenviten und aus zum Teil im hohen Mittelalter ge-
fälschten Arkunden rekonstruiert werden mußte, als ein ausgezeichneter Kenner der früh-
mittelalterlichen Geschichte.
Die erste Reihe von Klostergründungen beginnt um 590 mit der Anlage des Klosters
Luxeuil (Dep. Hte. Saone) durch den hl. Columban.
Von dort sowie von Metz aus folgen eine Reihe von Gründungen im oberen Mosel-
und Meurthetal sowie im Jura; die Gründungen dienen alle demselben Zweck, die spät-
römische Straße, die von Metz das Moseltal aufwärts über Besaneon und durch den Jura
auf den Großen St. Bernhard zu führte, zu sichern und fest in die Hände der fränkischen
Könige zu bringen. Auf diese Weise werden die westlichen Vogesen bereits im 7. Jahr-
hundert in festen Besitz vergeben In das Elsaß, also durch die Burgundische Pforte, drin-
gen diese Klöster bezeichnenderweise nicht vor. Das Elsaß wird vielmehr im Lause des 7.
Jahrhunderts durch Klostergründungen des Herzogshauses der Glichonen erfaßt. Je mehr
die Macht der Könige schwand, desto mehr dehnte sich diejenige des Herzogshauses aus.
An herzoglichen Klöstern seien Münster im Gregoriental, St. Amarin, Hohenburg und vor
allem Murbach genannt. Vereinzelt griffen die Herzöge auch schon auf das rechte Rhein-
ufer über, so durch die Gründungen der Klöster Säckingen und St. Trudpert. Besonders
konzentrierte sich die erste Tätigkeit der Herzöge rechts des Rheins in der Ortenau, wo
die Klöster Schwarzach, Gengenbach, Schuttern und Ettenheimmünster zu nennen sind.
Von besonderer Wichtigkeit war dabei der Besitz der drei zuerst genannten Klöster im un-
teren Kinzigtal, durch den die Herzöge und noch mehr der Bischof von Straßburg die
alte römische Kinzigtalstraße wieder in ihre Hand zu bekommen suchten.
Am die Wende vom 7. zum 8. Jahrhundert griffen die karolingischen Hausmaier ent-
scheidend in die Verhältnisse am Oberrhein ein. Am 740 verschwindet das elsässische Herzog-
tum, freilich nicht gewaltsam; die Mitglieder der herzoglichen Familie dienen dem frän-
kischen Reich fürderhin als Grafen im Rahmen der Grafschaftsverfassung. In denselben
Jahren wird die rechtsrheinische Ebene und das Land östlich des Schwarzwalds dem frän-
kischen Reiche eingegliedert, endgültig durch die Vorgänge des Jahres 746 bei Cannstatt.
Das Gebiet rechts des Rheins wurde der Diözese Konstanz unterstellt, während Straß-
burg seinen durch die oben gestreiften Klostergründungen erworbenen Sprengelanteil in
der Ortenau bis zur Bleiche behielt. Im Breisgau und auch in Per Ortenau wurde zahl-
reiches Gut der alamannischen Großen als Reichsgut konfisziert und an die von den Karo-
lingern geförderten Klöster St. Gallen, Reichenau und vereinzelt auch St. Denis verliehen.
 
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