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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 16.1940

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https://doi.org/10.11588/diglit.42537#0141

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Besprechungen

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reicht, nicht mehr als 400—500 Jahre zur Verfügung stehen (Holste erörtert die absolute
Chronologie überhaupt nicht) und wird ferner Ostfrankreich hereinziehen, das möglicher-
weife die Heimat der „eleganten" gezackten Nadeln und damit eine Parallelerscheinung
oder ein Vorbild für die kräftig gerippten Formen der Alb ist (vgl. Kraft, Anz. f. Schweiz.
Altkde. Och F. 30, 1928, 14 — SA 67). Erst dadurch würde eine genügend breite Grund-
lage geschaffen, eine endgültige Chronologie zu errichten. Ebenso wichtig wird die Unter-
suchung der sich dank neuzeitlicher Denkmalpflege allmählich einstellenden Siedlungen und
Flachgräber sein. Georg Kraft.
K. H. Jacob-Friesen, Einführung in Niedersachsens Argeschichte. 3. bedeutend er-
gänzte Auflage. 1939. 108 S., 377 Abb. im Text, 32 Tafeln. Preis: geb. NM. 8.30, kart.
RM. 6.80.
Nachdem die ersten Auflagen (1931, 1934) vor allem als Führer durch die urgeschicht-
lichen Sammlungen des Hannoverschen Landesmuseums gedacht waren, hat die neue Auf-
lage ihr Gesicht geändert. Am sie für die Hand des Lehrers unmittelbar brauchbar zu
machen, wurde die Volks- und kulturgeschichtliche Seite stärker ausgebaut, indem an die
Behandlung der größeren Zeitabschnitte eine Gesamtschau angehängt wurde. Eine über-
aus große Zahl ausgezeichneter Abbildungen — zu solchen im Text bringt die neue Auflage
auch 32 Tafeln — veranschaulicht den Inhalt. Dieser ist in zahlreiche Einzelabschnitte ge-
gliedert, und das neueste Schrifttum jeweils berücksichtigt und genannt. Bei dem raschen
Fortschreiten der Forschung ist eine solche Zusammenfassung immer erwünscht; sie erhält
hier ihre besondere Bedeutung, weil Niedersachsen ein germanisches Kernland ist. Für
unsere oberrheinischen Leser ist es vor allem wichtig, weil die Heimat der Alamannen im
Kreis der Elbgermanen liegt, die hier (S. 162) in ihrem Verhältnis zu den benachbarten
großen germanischen Gruppen erscheinen. Auch die Entwicklung ihrer kulturellen und
völkischen Verhältnisse in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung wird ebenso an-
schaulich geschildert, wie die Stammesverhältnisse vorsichtig beurteilt werden. Alles in
allem: ein wohlfeiles, überaus zuverlässiges, reichhaltiges, anschauliches, mit einem Wort:
ein ausgezeichnetes Hilfsmittel, das auch für die füdwestöeutsche Germanenforschung un-
entbehrlich ist. G. Kraft.
-b
I. Keller, Die Alb-Hegau-Keramik der älteren Eisenzeit. (^ Tübinger Forschungen
zur Archäologie und Kunstgeschichte. XVlII). Reutlingen. Ohne Jahreszahl sausgefolgt
Ende 1939 st 120 S., 16 Taf., 44 Abb. Geb. RM. 15.-.
Anter den archäologischen Fundbeständen Südwestdeutschlands steht die Keramik
der Hallstattzeit der Schwäbischen Alb nach Masse und Güte neben den alamannischen Fun-
den an erster Stelle; während aber alle urgeschichtlichen Perioden Württembergs eine
mehr oder weniger ausführliche Behandlung erführen, blieb eine solche der Hallstatbzeit
versagt. Am so dankenswerter ist das Bemühen Kellers, die Keramik stilistisch und chrono-
logisch zu erfassen (eine Antersuchung über Gürtelbleche wird angekündigt). Auf Anre-
gung des Tübinger klassischen Archäologen beschäftigte er sich seit 1927 (S. 11) mit dem
Stoff und war 1931, beim Erscheinen der Arbeiten Paret's und des Rezensenten über das-
selbe Thema, schon weit gediehen. Seine Literaturangaben schließen mit Aberg, Hallstatt
(1931) bezw. Henry (1933) ab, so daß die Antersuchungen von Rieth (Alb; Töpferei), Rest
(Schlatt; Mägdeberg), Kersten, Gläser, die Funde von Burkheim u. a. fehlen, ohne daß im
Vorwort öder in einem Nachtrag darauf hingewiefen wurde. Nach einer Fundliste werden
die Gefäßformen und -Verzierungen übersichtlich dargestellt; Keller hat den ungeheueren
Stoff mit großem Fleiß zeichnerisch durchgearbeitet, so daß nun erstmals eine Äbersicht der
zahlreichen, wenn auch begrenzten Ornamentformen und ihrer Kombinationen möglich ist.
Auf der Alb werden verschiedene Antergruppen ausgesondert, im Zentrum die von Zai-
ningen und die vom Sterüberg; Töpferwerkstätten festzulegen, sei aber noch eine „Auf-
gabe der Zukunft". K. unterscheidet drei Stuten: eine Frühzeit („Döttingen"), eine Blüte-
zeit und — dies ist neu — eine Spätstufe (— Ha D). Besonders bei den Tellern werden Ent-
wicklungsreihen nach Form und Verzierung aufgestellt. Die Entstehung der Keramik wird
in Südwestdeutschland gesucht (bronzezeitlicher Kerbschnitt und Arnenfelder- bezw. Pfahl-
baukeramik, kein ostalpiner Einfluß. — vgl. Kraft, Wien. Pr. Ztschr. 12, 1925, 39 ff.). Dazu
kommen zahlreiche treffliche Einzelbemerkungen, Karten, Zeichnungen und ausgezeichnete
Fotografien.
Ansere Leser wird die häufige und öfters grundlegende Anführung badischer Funde
freuen, so des Kegelhalsgefäßes von Buchheim (Freiburg), der Grabhügel von Wahlwies
u. a. Wenn K. statt Alb-Salem-Gruppe sagt: „Alb-Hegau", und darin eine Einheit sieht,
so ist heute auf die Dissertation von W. Rest und dessen Vorbemerkungen in „Marburger
 
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