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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 21.1958

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https://doi.org/10.11588/diglit.43788#0026
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Rudolf Albert Maier

Bevölkerungsteile der Glockenbecherleute zu fassen. Der Ton der im übrigen sehr ver-
schiedenartig behandelten Munzinger Grabgefäße weicht zwar (oder besser: wie zu
erwarten) von der gewöhnlichen Ware der Höhensiedlung ab. Doch könnte wenigstens
ein mit Kalkspat gemagertes Gefäß, das auch Randkerbung zeigt, zu keramischen
Besonderheiten der Höhensiedlung passen.
Ein weiteres gestrecktes Körpergrab, das nirgendwo richtig unterzubringen ist,
wurde 1938 in Wolfenweiler, Ortsteil Leutersberg, aufgedeckt. „Auf dem Niveau“ des
60 cm eingetieften, gewesteten Skeletts lagen die Bruchstücke des auf (Taf. 15, 4) wieder-
gegebenen Gefäßes von lederbraunem Brand.68) An die geläufigen, im Breisgau ver-
tretenen neolithischen Erscheinungen ist dieser Grabfund nicht anzuschließen. Ebenso-
wenig können Urnenfelderzeit oder noch jüngere Perioden in Frage kommen. Bliebe
also nur die Möglichkeit, ihn der Bronzezeit einzugliedern bzw. mit Munzingen zu
liieren. Durch seine gestreckte Lage erinnert das Leutersberger Grab an die Munzinger
Bestattungen; eine nach Autopsie dem Leutersberger Beigefäß überraschend gleichende
Form liegt aus der Munzinger Siedlungsgrube 32 vor (Taf. 16, 2) — amüsanterweise
wieder aus dem von der üblichen Siedlungsware abweichenden, eisenschüssigen Ton.
Daß sich das Leutersberger Grab eben durch seine Rückenlage auch von einem „Michels-
berg“ zuweisbaren Hockergrab aus Jechtingen69) unterscheidet, könnte die soeben an-
gedeuteten Zusammenhänge unterstreichen. Doch ist die einzig auswertbare Beigabe des
Jechtinger Grabs eine sog. Schöpfkelle — und Schöpfkellen kommen ja auch noch in
Munzingen vor!
Nachdem so eine ganze Reihe von Fundstellen aus dem Michelsberger Formenkreis
ausgeschieden wurde, sollten wir sehen, was im Breisgau noch an „echtem“ Michelsberg
verbleibt. Großenteils sind es nur Einzelfunde oder Stationen mit spärlichem (und
daher indifferentem) Material, wie Istein70), Kenzingen71), Kirchhofen-„Beilenhöhe“
(Taf. 15, 2)72), Kleinkems73), Königschaffhausen74), Krozingen75) und Norsingen.78) Die
von Kimmig (Fundschau 1944—1948, 209) erwähnten „Michelsberger“ Funde von
Ihringen-„Oberbrunnental“ sind als unsicher beiseitegelassen. Alle diese Materialien
bieten natürlich keine rechte Vergleichsmöglichkeit und können daher kaum mit unserer
Munzinger Siedlung in Beziehung gebracht werden. Denn wenn beispielsweise das zum
Eingraben in den Erdboden bestimmte Unterteil eines Krozinger Vorratsgefäßes dem-
entsprechend von der oberen Gefäßhälfte abgesetzt und das große Munzinger Vorrats-

88) MfU. Freiburg (38:15); vgl. Kraft, Bad. Fundber. 15, 1939, 12.
60) Kimmig, Fundschau 1944—1948, 209 f. u. Taf. 34, A. — Über die von ihm (Midieisberg
112 ff.) mit verfehlter Pietät referierten Michelsberger Skelettgruben vgl. die Freiburger
Diss. d. Verf. Ferner H.-E. Mandera, Nass. Heimatbl. 47, 1957, 4 Anm. 15 u. 16.
70) Lais, Die Höhle a. d. Kachelfluh b. Kleinkems i. bad. Oberland (1948) 64 f.
71) Wagner, Fundstätten 201 f. u. Abb. 134 a. b (LM. Karlsruhe C 7978).
72) Von Prof. E. Fischer 1908 aufgesammelte Scherben. Mehrere zusammengehörige, weit-
gebauchte W'andscherben und das abgebildete Randstück, vielleicht vom selben Gefäß. Stark
gemagerter blaugrauer Ton. MfU. Freiburg (38:131).
73) Kimmig, Michelsberg 106 f. u. Abb. 7.
74) Ders., Fundschau 1944—1948, 211 f. u. Taf. 35, D.
75) S. Unser, Bad. Fundber. 20, 1956, 186 f. u. Taf. 32.
70) Kimmig, Michelsberg 106 u. Taf. 64, B.
 
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