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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 21.1958

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https://doi.org/10.11588/diglit.43788#0027
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Neufunde aus der „Michelsberger“ Höhensiedlung bei Munzingen, Ldkrs. Freiburg i.Br.

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gefäß (Taf. 18, 13) aus Grube 43 an der entsprechenden Stelle ebenso eingeschnürt ist77),
ist das nur eine rein praktische Gemeinsamkeit. Auch die Glockenform des einen Klein-
kemser Topfs besagt nicht viel.
Ob ein kugeliges Gefäß mit eingezogenem Hals und zwei gegenständigen Paaren
waagrechter Schulterösen aus Malterdingen78) durch ein schlankeres Bodmaner Gegen-
stück79) schon zu Michelsberg gestempelt wird, muß offen bleiben. Ein ähnliches Gefäß
mit senkrecht durchstochenen Ösen gibt es nämlich auch in der allerdings stark von
Michelsberg durchdrungenen jüngeren Cortaillodstation Hitzkirch-„Seematte“ am Bal-
deggersee (Kt. Luzern).80) Es wird zusammen mit einem mehr bauchigen und nur mit
zwei gegenständigen, senkrechten Schulterösen versehenen Gefäß abgebildet, das Kim-
mig schon mit einem entsprechenden Kleinkemser Fund verglich.81) Im Zusammenhang
mit den sehr zahlreichen Hirschhornbechern aus der Seematte-Station und dem Bal-
deggersee überhaupt82) gewinnt natürlich der Kleinkemser Hirschhornbecher83) erneut
an Interesse (vgl. auch unsere vielleicht als Halbzeug eines solchen Bechers beabsichtigte
Inv.-Nr. Fr 54/95). Das alles zeigt nur, wie unsicher die Beurteilung unseres oberrheini-
schen „Michelsberg“ zwangsläufig sein muß.
Selbst das in der Michelsberger Grube von Riegel-„Linsenbühl“ gefundene Scherb-
chen mit nach dem Brand geritztem Kreuzschraffenansatz84) hilft nicht viel, so wichtig
es auch ist. Es bezeugt zwar einen unzweifelhaften Chassey-Einfluß im Breisgauer
Michelsberg, doch über die Art dieses Michelsberg schweigen sich die Begleitfunde aus.
Die durch ein Hirschhornzwischenfutter85) zu Munzingen (Taf. 6,9; 15, 6)86) gegebene
Verbindung genügt in dieser Hinsicht nicht — auf dem Hagschutz läßt sich eine ähn-
liche Fassung der unteren, also jungrössener Besiedlungsphase zuteilen.87)
Dagegen könnte die so auffällig regelmäßig verstrichene Gefäßwand eines Eichstettener
Töpfchens88) gut nach Munzingen passen, besonders wenn man „Altheimer“ Paral-
lelen aus dem Nördlinger Ries hinzuzieht89), mit dem der Breisgau manches gemeinsam
77) Ein ähnlich abgestuftes dünnwandiges Bodenstück unter den alten Munzinger Funden aus
Grube Moll III/4.
78) Wagner, Fundstätten 203 Abb. 135 k. — Entgegen der Zeichnung ist der leicht ausladende
Rand in einem anpassenden Bruchstück erhalten. Unmerklich abgeflachter Rundboden. Sehr
grob gemagert. LM. Karlsruhe (C 2831).
79) Verzeichnet bei Reinerth, Die Chronologie d. jüng. Steinzeit i. Süddeutschi. (1923) Taf. 4, 5
(RM. Konstanz).
80) Keller-Tarnuzzer, Jahrb. d. Schweiz. Ges. f. Urgesch. 30, 1938, 56 ff.; 31, 1939 Taf. 11 oben
rechts.
81) Kimmig, Michelsberg 117; vgl. ferner H. Messikommer, Die Pfahlbauten v. Robenhausen
(1913) Taf. 20, 6; 21, 11.
82) Nach M.-R. Sauter 13 Becher ohne Halbzeuge! (Jahrb. d. Schweiz. Ges. f. Urgesch. 34,
1943, 161).
83) Lais, Kachelfluh 64 u. Abb. 43.
84) Ders., Bad. Fundber. III, 1933—1936, 184 f. u. Abb. 80 c.
85) Nicht bei Lais a. a. O.; Inst.-Slg. Freiburg (1323).
8e) Vgl. den Munzinger Streufund (?) eines Einsatzbeilchens bei Kimmig, Michelsberg Taf. 37, 5.
Fundstelle unbekannt.
87) Kimmig, Rössen Taf. 10, 14; dazu Kraft, Prähist. Zeitschr. 20, 1929, 186.
88) Kimmig, Fundschau 1944—1948, 207 u. Taf. 35, C 2.
80) Dehn u. Sangmeister, Ries Taf. 20, 11. 13.
 
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