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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 21.1958

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https://doi.org/10.11588/diglit.43788#0039
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Neufunde aus der „Michelsberger“ Höhensiedlung bei Munzingen, Ldkrs. Freiburg i.Br.

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Ähnlichkeit mit Munzingen aufweist.171) Wenn man einen „befestigten Viehkraal-
Charakter“ der mittelrheinischen und niedersächsischen Erdwerke unterstellt, könnte
zudem noch eine weitere Gemeinsamkeit mit Munzingen resultieren — die ausgespro-
chene Haustierhaltung, die im wirtschaftsgeschichtlichen Abschnitt eingehend zur
Sprache kommt. (Dort wird sich auch die mit Hilfe des keramischen Materials gefundene
Verbindung der Breisgauer Höhensiedlungen zur frühbronzezeitlichen Bodensee-Station
Arbon-„Bleiche“ viehwirtschaftlich bestätigt finden.)
So vage sie sein mögen, haben diese Ergebnisse doch sehr verschiedenartige Aspekte.
Eine negative Seite zeigt sich im Fehlen einer eigentlichen Vergleichsbasis. Wenn die
Munzinger Siedlung nicht zur Michelsberger Trichterbechergruppe gehört, kann sie
auch nicht mit anderen Michelsberger Siedlungen verglichen werden. Oder nur insofern,
um die von Michelsberg unterscheidenden Merkmale Munzingens zu gewinnen. In dieser
Hinsicht könnten also z. B. das Fehlen richtiger Tulpenbecher (vgl. Taf. 8, 28 — Rand
nicht sicher zugehörig), fehlende Rundbodigkeit und die Seltenheit der Arkadentupfen-
leiste bedeutsam werden. Doch abgesehen von dieser Schwierigkeit — es gibt auch keine
Materialvorlagen gewöhnlicher Michelsberger Siedlungen, geschweige denn eine befrie-
digende Darstellung der Michelsberger Trichterbechergruppe überhaupt. Soweit es sich
nach diesen Einschränkungen überblicken läßt, fassen wir meist nur Sondergruppen
eines weit über das engere Michelsberger Verbreitungsgebiet hinausgreifenden kulturel-
len Horizonts, der im Großen von der Ägäis und von Anatolien her chronologisch
einigermaßen zu fixieren ist. Wieweit aber im Kleinen räumliche oder zeitliche Unter-
schiede entscheidend werden, ist vorerst ganz unsicher. Daß angesichts dieser Umstände
eine Siedlung wie Munzingen erst recht nicht zuverlässig einzugliedern ist, liegt auf
der Hand.
Gerade die dem Breisgau benachbarten Michelsberg-Gruppen um Straßburg, am Hoch-
rhein und Bodensee zeichnen sich immer mehr als ausgeprägte Sonderbildungen ab. Im
Straßburger Raum handelt es sich um eine wohl sehr späte „Bischoffinger“ Michelsberg-
Fazies; im Bodenseegebiet, am Hochrhein und in der Ostschweiz um eine offenbar
besonders stark von der Badener Kultur beeinflußte Gruppe, die eng mit der jüngeren
Cortaillodkultur zusammengewachsen ist. Wie intensiv diese Badener Einwirkungen
sind, zeigen nicht nur Keramikfunde und Obsidianhandel. Möglicherweise gehören auch
die im Hochrheingebiet als Grabschmuck beliebten Kalksteinröhrenperlen wie Alten-
burg/Dachsenbühl hierher.1'2) Die gleichen Perlen gibt es in Bodman, wo sie Michelsberg
zuweisbar sind, und in Wangen. Ein Halbzeug kommt aus der Michelsberger Schicht
von Eschenz - „Insel Werd“. Soweit feststellbar, wurden allein aus Bodman etwa 1000
Perlen bzw. Perlenbruchstücke und zahlreiche Halbzeuge geborgen, die erstaunlich
gleichmäßig fabriziert sind.173) Größenmäßig entsprechende Perlenfunde sind innerhalb
des neolithischen Europa äußerst selten. In großen Sätzen aus Marmor und Muschel gibt
171) Tackenberg, Die Beusterburg ein jungsteinzeitl. Erdwerk i. Niedersachsen. Veröff. d. Urgesch.
Slg. d. Landesmus. Hannover 13 (1951) 6 ff. u. 31 ff. u. bes. Abb. 1, 11; Taf. 2 Abb. 1, 3
(„Bischoffinger“ Leiste). — Taf. 3 Abb. 1, 4 (Randknubbe).
172) Kraft, Bad. Fundber. II, 1929—1932, 132 ff. u. Abb. 50; W. U. Guyan, Jahrb. d. Schweiz.
Ges. f. Urgesch. 40, 1949—1950, 171 ff. u. Abb. 3, 1. 2. 6. 7; 4, 8 a.
17S) Veröff. in Vorbereitung.
 
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