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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 21.1958

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https://doi.org/10.11588/diglit.43788#0157
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Neue Funde der Völkerwanderungszeit aus Baden (Gerlachsheim, Ilvesheim, Zeutern)

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Sie gleichen in Form und Größe den in Osterburken gefundenen, die Schumacher87)
den germanischen Eroberern zuzuschreiben geneigt ist. Auf weitere vergleichbare Stücke
hat J. Werner67 68) hingewiesen.
Weniger Vergleichsmaterial bietet sich für die Spatha (Taf. 49, 1). Aus mitteldeutschen
Gräbern der Zeit kennen wir die Spatha überhaupt nicht, dort verschwindet das bis
dahin gebräuchliche keltische Langschwert ganz unvermittelt zu Beginn der römischen
Kaiserzeit.69) Seit der gleichen Zeit kommt das zweischneidige Langschwert im römi-
schen Heer in Gebrauch, wie H. Schönberger, von den Stockstadter Gräbern ausgehend,
mit Hinweis auf zahlreiche Belege dargetan hat.70) Das Schwert von Gerlachsheim geht
in den Hauptmaßen (L. 92 und mehr cm, Griffangel 12 cm, Klingen-Br. 6—7 cm) gut
zusammen mit den beiden Schwertern von Osterburken.71) Die Schwerter von Stock-
stadt und Vrasselt sowie das eine der beiden Schwerter aus dem Verwahrfund vom
Herzberg72) stehen ihm als Gruppe mit deutlich geringerer Länge (83—87 cm) gegen-
über. Mit Stockstadt verbindet das Gerlachsheimer Schwert der Schräganlauf der Klinge
an die Griffangel, während für das Einziehen der Klinge im Oberteil offenbar keine
Vergleichsmöglichkeit sich findet. Durch dieses erhält das Gerlachsheimer Schwert den
schlanken Umriß, der es von den spätrömischen Schwertern der Osterburkener Art
unterscheidet.
Unter den südwestdeutschen Germanenfunden des 4. Jhdts. dürfen die Gerlachsheimer
Gräber eine bevorzugte Stellung beanspruchen. Ihr Beigabenreichtum weist sie nicht
nur eindeutig als Gräber einer sozialen Oberschicht aus, sondern eröffnet gleichzeitig
die Möglichkeit, den Fundstoff nach vielen Seiten hin zu verfolgen und ihn eng mit
anderen gut datierten Funden zu verknüpfen. So kann die Datierung — um 300 n. Chr.
— an einer Mehrzahl von Typen sicher gewonnen werden. Damit zeichnet sich in dem
chronologisch so schwierigen Fundmaterial des 4. Jhdts. deutlicher als bisher ein sehr
früher Horizont ab, der durch die Funde von Gerlachsheim, Böckingen, Laisacker und
Stockstadt umschrieben werden kann.73) Er ist gekennzeichnet durch enge Beziehungen
67) ORL. B IV, 40, 36 u. Taf. VII, 21.
68) Germania 22, 1938, 114 ff. Anm. 9.
60) M. Jahn, Die Bewaffnung der Germanen in der älteren Eisenzeit. Mannus-Bibl. 16,
1916, 125 f.
70) Bayer. Vorgeschichtsbl. 20, 1954, 118 ff., Anm. 8.
71) Osterburken: E. Wagner, Fundstätten u. Funde 2 (1911) 437. — Gute Abb. Germania 22,
1938, 248 (H. Stoll). — Frankfurt-Praunheim vgl. Anm. 7. — Dazu Köln, Mainzer Zeitschr.
14, 1919, 1 ff. u. Taf. I, 1 (G. Behrens).
72) Stockstadt: A. u. h. V. 5, Taf. 4, 69. — Vrasselt: Germania 22, 1938, 248 (H. Stoll). — Herz-
berg: Saalburg-Jahrb. 1, 1910, 59.
73) In Abwandlung der von Schoppa (vgl. Anm. 2) gegebenen Aufgliederung möchten wir die-
sem Frühhorizont etwa zuschreiben: Ilbenstadt (Saalburg-Jahrbuch 11, 1952, 5 ff.). — Rei-
chelsheim (Germania 15, 1931, 255 ff.). — Trebur (Germania 22, 1938, 175 ff.). — Frank-
furt-Niederursel (A. u. h. V. 5, Taf. 4, 74—82). — Rendel (Germania 33, 1955 Taf. 11). —
Salem (A. u. h. V. 5, Taf. 5, 83—91). — Alle Funde mit Kerbschnittgarnituren scheinen aus
diesem Horizont auszuscheiden, fallen aber damit selbstverständlich nicht samt und sonders
Schoppas Späthorizont zu (a. a. O. 6 ff.). Dieser bleibt historisch wohl begründet bestehen,
doch werden seine Grenzen sidi archäologisch mit der Zeit enger ziehen lassen, so daß Teile
seiner Frühperiode und Teile seiner Spätperiode das Vakuum um die Jahrhundertmitte
besser füllen werden.
 
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