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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 21.1958

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https://doi.org/10.11588/diglit.43788#0167
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Die Menschenreste aus den Gräbern von Gerlachsheim, Ilvesheim, Zeutern

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Anhang I
Die Menschenreste aus den Gräbern von Gerlachsheim, Ilvesheim und Zeutern
Von Kurt Gerhardt, Freiburg i. Br.
1. Die Doppelbestattung 3/4 aus Gerlachsheim
Skelett aus Grab 4:
Erhaltung: a) Hirn- und Gesichtsschädel.
Als zusammenhängendes Stück ist nur die Kalotte (bestehend aus beiden Scheitelbeinen
und dem Stirnbein) erhalten, sie ist leider nicht nur von links hinten postmortal ein-
gedrückt und verformt (entsprechend ist das rechte untere Parietale seitlich verzogen),
sondern die linke hintere Parietalpartie ist auch stärker zersetzt und morscher als die
übrige Kalotte, was in noch fortgeschrittenerem Grade auf das ursprünglich anschlie-
ßende, jetzt nur aus wellig verformten Scherben bestehende Hinterhauptsbein zutrifft.
Beide Schläfenbeine sind zwar vorhanden (das linke sehr fragmenthaft), ihre Ansetzung
ist aber für eine Formerfassung wertlos, da sich wegen der Verziehungen ein völlig
schiefer Sitz ergäbe.
Vom Gesicht ist nur der Unterkiefer gut erhalten. Ein Oberkieferfragment (ohne Stirn-
fortsätze) ist im Bereich der Molarenalveolen beiderseits zerstört. Weiterhin liegen beide
Jochbeine mit anhaftenden Partien der OK-Jochbeinfortsätze als nicht anfügbar vor,
ferner der linke Große Keilbeinflügel.
b) Vom Körperskelett erhalten sind:
Beide Oberarmbeine (Humeri), beide Ellen (Ulnae), rechts ohne distale Epiphyse, links
nur als Schaft; beide Speichen (Radii), links ohne distales Ende, rechts fehlt die distale
Epiphyse; beide stark beschädigten Schulterblätter (Scapulae), beide Schlüsselbeine
(Claviculae), beide Oberschenkelbeine (Femora), ohne distale Enden (vom linken liegt
noch ein isoliertes Fragment des Gelenkendes vor); beide Schienbeine (Tibiae) mit be-
stoßenen bzw. abgebrochenen distalen Enden; die Schäfte beider Wadenbeine (Fibulae),
der größte Teil der Wirbelsäule, zahlreiche Rippenbruchstücke, eine Anzahl Finger- und
Zehen- (auch Fußwurzel-) knochen, vom Becken größere Teile der beiden Hälften und
des Kreuzbeines.
Geschlecht:
Der zartknochige Hirnschädel hat eine fast glatte Glabella-Superciliarregion, auf den
Hinterhauptresten ist keine Leisten- oder Höckerbildung erkennbar, die Orbitaränder
sind scharf, Ober- und Unterkiefer sind fast zart modelliert, der UK hat kaum Muskel-
markierungen, der erhaltene rechte Warzenfortsatz ist klein. Die Skelettknochen sind
dünnschäftig, sie haben kleine Gelenkenden, kaum Andeutungen von Muskelansätzen.
Das Becken ist klein dimensioniert, fast zierlich gewachsen: danach ist weibliches
Geschlecht mit Sicherheit anzunehmen.
Alter:
Am Hirnschädel sind sämtliche Hauptnähte offen. Im Unterkiefer ist das Dauergebiß
von M2 bis M2 vorhanden: Nur Mr beiderseits zeigt mäßige Abkauung, die übrigen

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