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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 21.1958

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https://doi.org/10.11588/diglit.43788#0170
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164

Kurt Gerhardt

gebildet sind. Es besteht hier also eine Spina bifida: die Spaltbildungen in der Hals-
wirbelsäule und im Kreuzbein dürfen ohne weiteres miteinander in Beziehung gesetzt
werden.
b) Möglicherweise zeigt folgender Befund eine schwere Verletzung an: Im linken
Scheitelhöcker, d. h. auf der Schädelseite, auf der nach Färbung und Erhaltung der Sub-
stanz das Individuum im Grabe lag, befindet sich ein etwa 5X8 mm großes, annähernd
rechteckiges Loch; eine der Kanten — die vordere — ist etwas nach hinten abgeschrägt.
Von den Ecken dieses Loches aus verlaufen nach allen Seiten vier lange Sprunglinien.
An der Innenseite des Schädels ist rings um das Loch die Lamina interna, teilweise auch
die Diploe unregelmäßig abgeplatzt. Die Bruchränder wirken alt: es sieht so aus, als wäre
mit einem spitzen kantigen Gegenstand der Schädel absichtlich durchschlagen worden.
Da irgendwelche Spuren eines Heilprozesses fehlen, dürfte auf tödliche Wirkung des
etwaigen Schlages geschlossen werden. Leider muß aber betont werden, daß bei der
Gesamterhaltung des Schädels diese Deutung des Loches nicht mit völliger Sicherheit
gelten kann.
Skelett aus Grab 3:
Erhaltung: a) Hirn- und Gesichtsschädel.
Der Hirnteil ist leider nur in einigen größeren und kleineren Fragmenten erhalten: Als
zusammenhängendes Stück (aus zahlreichen Scherben zusammengesetzt) liegt vor: die
obere Stirnbeinhälfte (die gesamte Unterstirn fehlt also) mit drei Vierteln des anschlie-
ßenden linken und mit einem kleineren Scherben des rechten Scheitelbeins; weiterhin
bilden eine zusammenhängende Partie: der linke große Keilbeinflügel, das linke Schlä-
fenbein, das anschließende Drittel des Hinterhauptsbeins. Diese beiden großen Teile
lassen sich aber nicht ohne weiteres zusammenfügen, obwohl sie im Margo squamosus
des linken Parietale aneinander gehören, weil sowohl der linke Parietalrest als auch das
Stück des Occipitale in sich verpreßt sind. Als nicht ansetzbares Stück liegt noch das
stark beschädigte rechte Schläfenbein vor.
Vom Gesicht ist der Unterkiefer ohne den rechten Ast vorhanden, weiterhin ein größe-
rer Teil der linken Maxillahälfte mit dem daransitzenden linken Jochbein. Der Mittel-
gesichtsrest ist nicht an den Hirnschädel anschließbar.
b) Skelett. Es sind vorhanden:
Beide Humeri, die linke Ulna, der linke Radius ganz, der rechte in zwei Fragmenten;
beide Claviculae, ein Teil des Corpus sterni; die linke (stark beschädigte) Scapula; beide
Femora, beide Tibiae, beide Patellae; von beiden Fibulae je zwei Fragmente; eine Anzahl
Hand- und Fußknochen; viel Rippenbruch; das Becken mit dem Kreuzbein ist fast voll-
ständig, ebenso ist die Mehrzahl der Wirbel vorhanden, zum großen Teil allerdings
stark zerbrochen. — Der Hirnschädel ist also schlechter, das Körperskelett dagegen
besser und vollständiger erhalten als beim Individuum aus Grab 4.
Alter:
Im Unterkiefer sind alle Zähne des Dauergebisses von M2 rechts bis M2 links vorhanden.
M3 fehlt beiderseits: ein tiefes schmales Trigonum retromolare schließt beiderseits dicht
 
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