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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 21.1958

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https://doi.org/10.11588/diglit.43788#0188
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182

Robert Lais f

Schon das Zahlenbild lehrt, daß hier keine normale Häufigkeitskurve vorliegt (siehe
auch Diagr. II). Die mathematische Auswertung bestätigt dies; sie liefert als Mittelwert
x0 = 6,08, als Streuungsmaß s = 1,44. Zwischen x0 + s — 7,52 und x0 — s = 4,64 mm
Dicke liegen 177 Scherben, das sind weniger als zwei Drittel der Gesamtzahl (289).
Unter den mit Quarz gemagerten sind also dünnwandige, mittel- und starkwandige
oder, was dasselbe ist, kleine bis große Gefäße in nicht sehr abweichenden Mengen
vorhanden gewesen.
Wir schließen daraus, daß diese Gefäße entweder in einer Werkstatt angefertigt worden
sind, die eine größere Anzahl von Gefäßtypen hergestellt hat, oder daß sie aus ver-
schiedenen Werkstätten stammen.
Die zweite Annahme würde auch die Unstetigkeit erklären können, die im Zahlenbild 2
auftritt. Es wäre also ein erheblicher Teil der Gefäße mit 7 — 8 mm Wandstärke in
einer Werkstatt hergestellt worden, die eine weniger bruchfeste Ware lieferte als andere.
B. Mineralogische und technische Untersuchung
Die mineralogische Untersuchung der Scherben wurde in der Hauptsache an frischen
Bruchflächen vorgenommen, die durch Abkneifen kleiner Stücke mit einer Beißzange
hergestellt wurden. Die Prüfung erfolgte unter dem Binokularmikroskop bei zehn- bis
hundertfacher Vergrößerung. Auf diese Weise lassen sich in verhältnismäßig kurzer
Zeit große Mengen von Scherben durcharbeiten. Damit ist eine gewisse Wahrscheinlich-
keit gesichert, in dem einen oder anderen Scherben eine zufällige Beimengung zu finden,
die auf die Herkunft des Tons und der Magerungsmittel hinweist. Viele Mineralien
lassen sich auf diese Art an ihrer Kristallform, der Spaltbreite, der Farbe und dem Glanz
einfach und sicher erkennen. Von einigen Scherben wurden für besondere Zwecke auch
Dünnschliffe angefertigt.2)
1. Zusammensetzung und Herkunft des verarbeiteten Tons und des Magergutes
Ton ist das letzte Verwitterungsprodukt der Gesteine, die zersetzbare Silikatmineralien,
vor allem Feldspat enthalten. Er findet sich entweder an den Orten, an denen er ent-
standen ist, oder als feinste Flußtrübe auf dem Grund in Gewässern abgelagert. Alle im
Breisgau vorkommenden Tone enthalten so viel Eisen, daß sie sich beim Brennen im
oxydierenden Feuer rot brennen. In abbauwürdiger Mächtigkeit finden sich hier die aus
der Verwitterung des Gneises, des Lösses und feinsandiger fluviatiler Ablagerungen,
z. B. der des Rheinschlicks, hervorgegangenen mehr oder weniger stark sandigen Tone
und, auf den Bereich der Vorbergzone beschränkt, die reinen Tone der Trias, des Jura
und Tertiärs.

2) Die magernden Mineralien sind nur dann gut sichtbar, wenn der Glattstrich abgewittert oder
durch Abbürsten mit einer harten, aus Borsten — nicht aus Draht — gefertigten Bürste ent-
fernt worden ist. Ist der Ton nicht sehr hart gebrannt, so läßt sich mit der angefeuchteten
Bürste über einer flachen Schüssel in kurzer Zeit so viel Material abbürsten, wie für eine
eingehende mineralogische Untersuchung erforderlich ist. Man kann die feinen Tonteilchen
durch Abschlämmen leicht entfernen, den Rest trocknen und die schweren Mineralien von
den leichten mit einer schweren Flüssigkeit (etwa Bromoform) mühelos trennen. Der Ma-
gnetit und Magnoferrit läßt sich mit dem Magneten herausziehen. Während das Zerkleinern
des Scherbens in der Reibschale die Mineralkörner zertrümmert, bleibt beim Zerbürsten ihre
ursprüngliche Form unversehrt.
 
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