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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 21.1958

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https://doi.org/10.11588/diglit.43788#0202
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196

Robert Lais f

Die Temperatur, bei der sie vor sich geht, beträgt etwa 900° C. Ein schwaches Abdun-
sten des Kohlendioxyds findet schon bei etwas tieferen Temperaturen statt. Da dieser
Vorgang eine gewisse Zeit braucht, verändert eine kurz dauernde Einwirkung von
Temperaturen von etwa 900° nur die äußersten Teile der Kalkspate, bringt also nur die
weißen Höfe hervor, von denen oben die Rede war. Die völlige Umwandlung des
Kalkkarbonats in Calciumoxyd führt zur Zerstörung des Scherbens bald nach dem
Brand.
Für uns stellt also der Kalkspat als Magerungsmittel keramischer Massen einen höchst
willkommenen Indikator für die beim Brennen erzielte Höchsttemperatur dar.
Für die mittelalterliche Keramik von Merdingen, soweit sie mit Kalkspat gemagert ist,
läßt sich demnach feststellen, daß sie bei Temperaturen gebrannt worden
ist, die in der weit überwiegenden Mehrzahl der Fälle unter-
halb von 900° C lagen. Bei einigen wenigen Scherben hat die
Brenntemperatur, wenn auch nur für kurze Zeit, bei 900° C
gelegen.
Daß Temperaturen von mehr als 900° C nie erreicht worden wären, ist damit nicht
gesagt. Denn die Gefäße, die solchen Temperaturen für längere Zeit ausgesetzt waren,
sind bald nach dem Brand zerfallen, also nicht überliefert worden. Man darf aber dar-
aus, daß nur ganz wenige Scherben auf Brenntemperaturen von nahezu 900° C
hinweisen, den Schluß ziehen, daß höhere Temperaturen, also Fehlbrände, nur selten
vorgekommen sein können. Hätte der mittelalterliche Töpfer von
Merdingen das Brennen nicht durchaus beherrscht, so hätte
er seinen Ton nicht mit Kalkspat, sondern mit dem sonst
üblichen Quarz gemagert.
Der Merdinger Hafner, der die mit Kalk gemagerten Gefäße brannte, wußte sehr wohl,
daß er das Feuer seines Ofens nicht zu höchster Glut entfachen durfte. Daher drosselte
er die Luftzufuhr rechtzeitig ab. Dies hatte aber zur Folge, daß die Flammengase nun
nicht mehr oxydierend, sondern reduzierend wirkten, rote Brennfarben also nicht oder
nur ausnahmsweise auftreten konnten. Wurden kalkfreie Scherben gebrannt, so war
diese Vorsicht unnötig. Darum ist bei diesen die Menge der ziegelrot gebrannten erheb-
lich größer.
C. Die Bruchfestigkeit der Gefäße
Beim Abkneifen kleiner Stücke der Merdinger Scherben, das zur Herstellung einer
frischen Bruchfläche diente, war leicht zu erkennen, wie verschieden bruchfest diese
Scherben waren. Sehr viele ließen sich mit der Hand leicht zerbrechen. Im ganzen darf
diese Tonware als weich bis mittelhart bezeichnet werden. Hinsichtlich der verschiede-
nen Magerungsmittel waren keine Unterschiede erkennbar. Es gab unter den mit Kalk
wie mit Quarz gemagerten Scherben weiche und härtere.
Auffallend hart waren jedoch die feintonigen hellgelb und ziegelrot gebrannten Stücke,
die an verschiedenen Merkmalen als römisch erkannt werden konnten.
Leider steht uns einstweilen kein einfaches und sicheres Mittel zur Verfügung, die Härte
und Bruchfestigkeit des gebrannten Tons zu bestimmen.
 
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