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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 21.1958

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https://doi.org/10.11588/diglit.43788#0227
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Fundschau 1954—1956: Jüngere Steinzeit

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Endingen (Emmendingen), am Kenzinger Weg, 0,7 km NNO. — Siedlung.
1954: Zu den neuen Wilhelmhöfen wurde von Endingen her eine Wasserleitung gelegt.
Dabei wurden auf eine Strecke von etwa 1 km mehrfach prähistorische Fundstellen
angeschnitten. In unmittelbarer Nähe des Kenzinger Weges konnten u. a. einige ver-
zierte Rössener Scherben geborgen werden (Em 54/14).
Mtbl. 97/7812 Endingen. — Verbleib: MfU. Freiburg. (Unser)
Feldberg (Müllheim) „Letten“ gegen Gewann „Steinacker“, 0,5 km SO. — Einzelfund.
Als Oberflächenfund fand sich ein Walzenbeil aus serpentinartigem Gestein mit stark
abgenutzter Schneide, Oberfläche ganz gepickt; Schneidenbahn nur 1,5 cm tief geschlif-
fen (Mü 54/23) (Taf. 58, 26).
Mtbl. 139/8211 Kandern. — Verbleib: MfU. Freiburg. (Helbing, Schmid)
Gündlingen (Freiburg) „Härtle“, 1,65 km NNW. — Grab.
1955: Beim Anlegen eines Grabens wurde durch den Bagger ein gut erhaltenes Skelett
gehoben. Nur Schädel und Füße blieben in situ. Es handelt sich um ein von Nord
(Schädel) nach Süd orientiertes Hockergrab; Gesicht nach Ost, erwachsene Person.
Beigaben: 1. Unverzierter, rötlicher Glockenbecher, außen geglättet; H. 11,2 cm,
Randdm. erg. 15 cm (Fr 55/51) (Taf. 59,3). — 2. Scherben eines zweiten, nicht völlig
ergänzbaren, ebenfalls unverzierten, bräunlichen Glockenbechers (Fr 55/52) (Taf. 59, 4).
Lage der Beigaben unsicher.
Nach Grabform und Beigabenart der bayerisch-böhmischen Gruppe zuzuweisen, zu
der auch die übrigen Funde des Oberrheins zu rechnen sind.
(Knausenberger, Sangmeister)
Anthropologischer Befund:
Ein stark zerscherbter und lückenhafter Schädel ohne Unterkiefer und eine Anzahl
Bruchstücke des übrigen Skelettes. Glücklicherweise sind vom Schädel gerade so viele
Stücke erhalten und zusammenfügbar, daß ausreichend genug Formmerkmale zur
typologischen Einordnung festgestellt werden konnten.
Es handelt sich um ein matures, wahrscheinlich weibliches Individuum mittlerer Kräf-
tigkeit. Über die Körpergröße ist nichts zu ermitteln.
Der Hirnschädel ist ein typischer taurider „planoccipitaler Steilkopf“ (das offensicht-
lich tragende Rassenelement der Glockenbecherkulturen in Mitteleuropa). Mit hohem,
brachykranem, hinten abgeflachtem, in Oberansicht breit trapezförmigem Hirnschädel
über einem hager modellierten, schmalnasigen Gesicht zeigt der Schädel größte rassische
und individuelle Ähnlichkeit mit den weiblichen Schädeln der Tafel 7 (Gerhardt 1953),
insbesondere mit dem Schädel Ludwigshafen-Mundenheim.
Mit den wesentlich alpinid bestimmten drei Glockenbecherschädeln von Efringen (Ger-
hardt 1953) besteht somit keine nähere typologische Verwandtschaft, ebensowenig zum
Schädel von Wahlwies findet sich nur eine problematische Beziehung: d. h. unter den
wenigen bisher aufgefundenen und bearbeiteten Glockenbecherschädeln Südbadens ist
das Calvarium von Gündlingen der erste eindeutige Vertreter des tauriden Typus.
Mtbl. 105/7911 Breisach. — Verbleib: MfU. Freiburg. (Gerhardt)
 
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