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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 21.1958

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https://doi.org/10.11588/diglit.43788#0292
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286

Fundschau 1954—1956: Grabhügel

Krautheim/Jagst (Buchen), nördl. Stadtrand.
1955: Eine von Norden her bei Tal-Krautheim in das Jagsttal einmündende steile
Klinge spaltet aus der hohen nördlichen Talwand des Jagsttales einen spitzen, nach
Süden vorspringenden Bergsporn ab. Auf seiner Spitze liegt die Burg Krautheim, hinter
ihr auf der sich verbreiternden Fläche das im Mittelalter befestigte Städtchen Berg-
krautheim. O. Paret entdeckte, daß die im 14. Jhdt. errichtete Stadtmauer auf einem
älteren Wall steht. Sondierende Schnitte kleinen Umfangs, die O. Paret mit Korvetten-
kapitän a. D. Leistikow ausführte, ergaben, daß der Wall durchweg aus rotgebranntem
Steinschutt besteht, zwischen dem sich Holzkohlenester finden. Damit kann eine durch
Brand zerstörte Holz-Erdemauer und eine Fluchtburg vorgeschichtlicher Zeit (wohl
Hallstattzeit) als nachgewiesen gelten. Der Wall zieht sich 300 m nördlich der Bergspitze
in einer Länge von 220 m vom südöstlichen zum nordwestlichen Plateaurand. Ein Tor
ist nahe des Nordwestendes zu suchen, wo auch das noch stehende Tor den mittelalter-
lichen Zugang zur Stadt bezeugt. Im Jahre 1928/29 erst wurde in der Osthälfte der
Befestigung ein zweiter Zugang zur Stadt geschaffen. Der damals durchgeführte Durch-
bruch durch Stadtmauer und älteren Wall muß nach Augenzeugenberichten ein ein-
drucksvolles Schnittbild des Walles gezeigt haben. Leider kam dieser Umstand s. Zt.
nicht zur Kenntnis der Denkmalpflege. Der ehemals nordwärts vorgelegte Graben ist
sicher im Mittelalter als solcher wieder benutzt, vielleicht vertieft worden. Ob seine alte
Sohle heute noch nachweisbar ist, erscheint fraglich, da von den Plateaurändern her, wo
der Graben ausläuft, sich junge Erosionsrinnen gebildet haben. Eine Untersuchung der
Anlage ist vorgesehen (vgl. O. Paret, Eine neuentdeckte vorgeschichtliche Fliehburg an
der Jagst, Bl. d. Schwäb. Albvereins 7, (61. Jhg.) Nr. 5, September/Oktober 1955, 93 f.)
(5529).
Mtbl. 37/6623 Ingelfingen. (Dauber)
Grabhügel
Königsbach (Pforzheim) „Großer Wald“, 2,5 km N. —
1955/56: Im Zug der seit einigen Jahren betriebenen planmäßigen Aufnahme der ober-
irdisch sichtbaren Denkmäler im Landkreis Pforzheim wurde die von Bonnet 1899 ent-
deckte, von Wagner (II [1911] 91 f.) flüchtig erwähnte Grabhügelgruppe eingehend
erkundet und die Zahl der Hügel mit 25 ermittelt. Im Sommer 1956 wurde die Gruppe
vermessen (Taf. 73, 15).
Die Hügelgruppe zieht sich auf einem stellenweise recht schmalen Kamm kettenartig
über eine Länge von etwa 600 m hin. Von den 25 Hügeln zeigen 5 sichere Spuren eines
früheren Eingriffs. Als solche sind bekannt die Durchgrabung eines Hügels (wahrschein-
lich Hügel 11) durch Oberförster Metzger in den 1840er Jahren. Dabei sollen Dolche,
Schwerter, Arm- und Halsringe sowie Blechstücke aus „Messing“ gefunden worden sein.
An zwei weiteren Hügeln hat sich Bonnet 1899 versucht. Er traf bei dem einen auf
einen Steinsatz und scheint dann aufgegeben zu haben. In dem anderen fand er eine
Bestattung der Früh-Latenezeit. Bei einem von NO nach SW liegenden Skelett lagen
zwei Drahtarmringe und zwei Fibeln. Welches die von Bonnet ausgegrabenen Hügel
sind, ist unbekannt. Nach dem Stil des Eingriffs könnte Hügel 19 der von Bonnet
untersuchte Früh-Latene-Hügel sein.
 
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