Aufdermauer, Jörg; Baden-Württemberg / Amt für Ur- und Frühgeschichte [Editor]
Badische Fundberichte / Sonderheft: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens: Ein Grabhügelfeld der Hallstattzeit bei Mauenheim: Ldkrs. Donaueschingen — Freiburg i. Br., 3.1963

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Unter der Lehmschicht folgte der gewachsene Boden. Eine Schichtung in der Hügelschüttung ließ sich nicht
erkennen.

Unter dem Hügel kamen bei abschließenden Arbeiten Spuren der urnenfelderzeitlichen Siedlung zum Vorschein,
die aus Arbeiter- und Zeitmangel nicht näher untersucht werden konnten.

Untersuchte Gräber:

Grab 1 = Brandgrab (Taf. 12, 3—12; Plan 12)

Grab 2 = Skelettgrab ( — Plan 12)

Grab 3 = Skelettgrab (Taf. 12,1. 2; Plan 12)

Profil (Plan 16)

Grab 1:

Der Tote war auf der beschriebenen feuchten Lehmschicht verbrannt und auf dem Verbrennungsplatz beigesetzt
worden. Die Mitte der Grabanlage lag nicht genau im Zentrum des Hügels, sondern etwa 2 m östlich des
angenommenen Hügelmittelpunkts.

Durch das Feuer war die oberste Schicht des nassen Lehms auf einer etwa kreisförmigen Fläche von 1,80 m Dm.
ziegelrot verbrannt worden. An diese intensiv rote Fläche schloß sich eine durchschnittlich 0,60 m breite,
schwächer gebrannte Zone ringförmig an, die sich durch ihre violette Färbung von der stark verbrannten Erde
abhob und stellenweise von unverbranntem, grauem Lehm durchbrochen war. Weiter außen erschien sie nur
noch in kleinen Flecken.

Auf der inneren, ziegelroten Fläche lagen die zu einem Haufen zusammengefegten Reste des Scheiterhaufens.
Er bestand aus kleinen Holzkohlebröckchen und zu Mehl zerriebener Holzkohle. In der Mitte war er 2 bis 3 cm
dick und dünnte nach den Seiten bis auf wenige Millimeter aus. Er nahm einen etwas kleineren Raum ein als die
verziegelte Brandtenne, so daß diese beim Freilegen zuerst als roter Ring um die Holzkohle erschienen war.

Die eigentliche Bestattung befand sich dicht südlich des Holzkohlehaufens: Als Unterlage hatte man eine Art
Holzrost aus 6 bis 7 eng beieinanderliegenden Längsbalken in Ost-West-Richtung und einem auf ihren west-
lichen Enden aufliegenden Querbalken geschaffen. Zwei der Längsbalken lagen schräg über einem Teil der
anderen, etwa Nordost-Südwest orientiert. Ein Stück des Querbalkens und die nördlichsten Längsbalken über-
schnitten den Holzkohlehaufen; der Rost kann also erst entstanden sein, nachdem die Scheiterhaufenreste zu-
sammengefegt worden waren. Die Hölzer hatten sich inkohlt gut erhalten und waren nur durch die Hügelschüt-
tung bis 10 cm Dicke zusammengepreßt worden. Möglicherweise hat man in dem „Rost“ nicht ganz verbrannte
Reste des Scheiterhaufens zu sehen.

In der Mitte dieser Balkenlage standen fünf größere Gefäße und zwei kleine Graphitschälchen, alle durch die
Hügelschüttung flach gedrückt. Der Leichenbrand lag in Gefäß 1 (Taf. 12,9), also in dem großen Kegelhalsgefäß
und nicht wie im allgemeinen in einer der Kragenrandschüsseln. Die Scherben des Graphitschälchens (Taf. 12,7)
lagen bei den Scherben von Gefäß 4 (Taf. 12,11). Die Gefäße 5 und 6 (Taf. 12, 8. 4) standen etwas abseits von
den übrigen. Als Abdeckung der Mündungen dienten kleinere Kalk- und Schieferplatten.

Bei der Urne wurden die Stücke eines halbmondförmigen Eisenmessers und ein leicht geschweiftes Stück Eisen-
blech gefunden, wahrscheinlich ebenfalls zu einem Messer gehörend (Taf. 12, 3. 6).

Um die Brandtenne herum streute die Holzkohle in kleinen Flecken bis zum Rand des nassen Lehms aus. Das
Grab lag nicht genau in der Mitte dieser Lehmfläche, sondern östlich von ihrem Zentrum.

Funde:

Do 58/228:1
(Taf. 12, 9)

o. Nr.

Do 58/229:1
(Taf. 12,12)

Breitschultriges, im Ton dunkel lederbraunes, schwach ergänztes Kegelhalsgefäß (Gef. 1,
Urne) mit kurzem, schwach gewölbtem Hals, rechtwinklig in leichter Rundung abbiegendem,
knappem Rand und hohem, in kräftigem Bogen zu dem schmalen, flach gewölbten Boden ein-
ziehenden unteren Gefäßteil. Das stark abgeriebene Gefäß trägt auf der Randinnen- und
-außenseite, dem Hals und der Schulter Graphitspuren; H. 30,8 cm, Randdm. 23,9 cm,
Bodendm. 10,4 cm.

Leichenbrand aus der Urne.

Mäßig ergänztes, gedrungenes, breitschultriges Kegelhalsgefäß (Gef. 2) mit niedrigem,
leicht gewölbtem Hals, knappem, kragenartigem, innen und außen graphitiertem Trichter-
rand, der rechtwinklig scharf vom Hals abknickt, mit weiter Mündung und kräftig in weichem
Bogen zu dem fast flachen Boden einziehenden unteren Gefäßteil. Die Schulter ist durch eine
flache Rinne vom Hals abgesetzt. Sie trägt ein umlaufendes, dreilinig geritztes Winkelband, in
dessen Zwickel dreilinig geritzte Winkel eingesetzt sind. Diese Winkel sind mit schrägen
Reihen sich verzahnender Stempeldreiecke gefüllt, je zwei Reihen durch paarige Ritzlinien
von den nächsten getrennt. Der Zwischenraum zwischen umlaufendem Winkelband und
oberen Winkeln ist graphitiert, zwischen Winkelband und unteren Winkeln rot grundiert.
In den Ritzlinien und Stempeldreiecken haben sich Reste von Weißinkrustation erhalten. Das
verzierte Schulterfeld wird nach oben und unten durch paarige Ritzlinien abgegrenzt;
H. 19,9 cm, Randdm. 21,9 cm, erg. Bodendm. 8,5 cm.

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