Becker, Rudolf Zacharias
Noth- und Hülfsbüchlein für Bauersleute oder lehrreiche Freuden- und Trauer-Geschichte des Dorfs Mildheim — Sulzbach in der Oberpfalz, 1789 [VD18 12674052]

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schlecht zu unterdrücken weiß. Ist aber einer so go«,
los, daß er die Freuden des Ehestandes auf unerlaub-
ten Wegen sucht, der ist noch schlimmer daran. Er
kommt dadurch auf den nächsten Weg zum Bettelstäbe,
Solche Sünden kosten oft heimlich vieles Geld, und
wenn sie an den Tag kommen, nicht weniger. Alles
Dickten und Trachten des Wollüstigen ist dann auf die
Erfüllung seiner bösen Lust gerichtet, daß er nicht mehr
weiß, was er thut, und daß seine Wirthsckaft bald
den Krebsgang geht. Giebt er sich mit lüderlichm
Weibsbildern ab: so bringen sie ihn um das Seiche
und er darf nicht scheel dazu sehen. Verführt er ein
ehrliches Mädchen: so fallen alle Seufzer und Thrä-
nen einer solchen Unglücklichen, alle Flüche und Ver-
wünschungen ihrer Eltern und Freunde auf seinen Kopf.
Vielleicht mordet sie in der schwarzen Stunde der Ver-
zweiflung die Frucht ihres Leibes: da ist er der Mör-
der vor Gott, wenn er auch hier nicht in des Scharf-
richters Hände fällt. Verführt er aber das Weib ei-
nes andern: so ist er Schuld an allen dem Unheil, das
daraus entsteht, wenn eine Frau die vor Gottes Altar
beschworne Treue bricht. Allen Zank und Streik, ja
oft Mord und Todschlag unter den Eheleuten, die Ver-
nachläßigung der Kinderzuchk, den Verfall der Witth-
schaft, sammt dem Unglück der Kinder uyd Kindes-
kinder eines solchen Hauses, hat der Verführer zu ver-
antworten. Und wie mag ihm einst ums Herze sepn,
wenn ihm auf dem Todtenbette vielleicht noch der Spruch
cinfällt: Hurer und Ehebrecher wird Gocc rich-
ten? Meine lieben Freunde! Es ist nicht gut, daß
der Mensch allein scy!"
Mik dieser Anrede ficng der Hr. Pastor Weiße
das Elasten - Examen mit den erwachsenen ledigen
Burschen an. Es war nemlich bcy ihm die Gewohn-
heit, daß nur alle 14 Tage und an hohen Festtagen
Vor-
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