Becker, Rudolf Zacharias
Noth- und Hülfsbüchlein für Bauersleute oder lehrreiche Freuden- und Trauer-Geschichte des Dorfs Mildheim — Sulzbach in der Oberpfalz, 1789 [VD18 12674052]

Page: 224
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/becker1789/0232
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
LL4

Fremde, dke zu deiner Herrschaft kommen, bediene sorg-
fältig und freundlich, als ob du es der Herrschaft selbst chä-
test; und miß deine Freundlichkeit nicht nach dem Trinkgclde
ob, das sie dir reichen.
Gey zufrieden mit deinem Lohne, und murre nicht,
wenn ein andrer Dienftbothe mehr, als du, bekommt. Den-
Le, daß eS dein freyer Wille gewesen ist, und daß dir nicht
mehr versprochen worden.
Gegen dein Neben-Gesinde sey freundlich, aber nicht;«
gemein. Rede niemals gegen dasselbe Böses von dec Herr-
schaft ; und hast du Ursache es zu verklagen, so thue es nicht
hinter den Rücken: sondern bringe deine Beschwerden in sei-
ner Gegenwart an.
Sey gutes Muths: dieß ist halbe Arbeit. Bete fleißig,
und denke, daß vor Gott ein treuer Dienstbothe so werth ge-
achtet ist, als ein Herr: dieß macht guten Muth.
Von deinem Lohn spare so viel du kannst, für daS Alter.
Iß und trink nicht übermäßig, wenn dir die Herrschaft
Schrank und Keller offen laßt. Du möchtest dich sonst anS
Fressen und Saufen gewöhnen, und einmahl an deinem eig-
nen Tisch desto mehr darben müssen.
Hoffarth und Ueppigkeit steht einem Dienstbothen, wie
her Sau ein goldenes Halsband, oder dem Esel ein kostbares
Reitzeug."
Auf solche Art machte Herr Flink seinen Leuten
vorher bekannt, wie sie sich in allen Stücken aufzufüh-
ren hätten. Denn er meinte: was man von den Leu-
ten wolle gethan haben, darüber müsse man sie erst recht
verständigen, in der Hausordnung sowohl, als in Landes-
gesetzen und Rechten. Deshalb rief er auch alle Morgen
seine Leute und KÜider zusammen, und gab, nach einem
kurzen Gebete aus dem Herzen, jedem auf, was es den
Tag über fertig bringen müsse. Hernach wurde ein Vers
gesungen, und jedes gieng mit Freuden an seine Arbeit.
Des Abends hielt ers wieder so, und fragte jedes, wie die
Arbeit von Statten gegangen? Dabey gieng er,als Haus-
vater, zuletzt ins Bett, und zuerst wieder heraus.
Bey dieser Hausordnung waren nun Hr. Flink und
Leine Fran immer munter und vergnügt, erlebten viele
Freu-
loading ...