Becker, Rudolf Zacharias
Noth- und Hülfsbüchlein für Bauersleute oder lehrreiche Freuden- und Trauer-Geschichte des Dorfs Mildheim — Sulzbach in der Oberpfalz, 1789 [VD18 12674052]

Page: 234
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wicht: da er im Gegentheil blos auf die inneru Gedan-
ken siehet/und wer eine Garbe, eine Hucke (Bürde) Gras
oder Holz stiehlt, wer die hohe Obrigkeit um einen
Groschen Zoll oder Accise betrügt, so gut ein Dieb
vor ihm ist, als waren es Tonnen Goldes. Alle diese
sind nun sehr falsch berichtet vom Gewissen. Das
Gewissen ist nähmlich nichts anders, als die Mei-
nung, die wir selbst von unserm eignen Thun und Las-
sen haben, ob es recht oder unrecht, und Gott wohl-
gefällig, oder mißfällig sey? Dabey ist uns wohl zu
Muthe, wenn wir recht gethan haben, und es drückt
uns im Herzen, wenn wir unrecht gethan haben.
Und das heißt man ein gutes oder böses Gewissen.
Gott hat diese Einrichtung im menschlichen Herzen
mit großer Weisheit so gemacht: damit jeder desto
mehr auf seiner Huth seyn soll vor bösen Thaten. Es
ist aber ganz- und gar nicht nöthig, für das Gewissen,
als wäre es eine besondere Sache in uns, ängstlich
zu sorgen: sondern es kommt allein darauf an, daß
wir in allen Dingen, im Kleinen wie im Großen,
recht thun, unser Lebenlang. Auf solche Art behalten
wir immer von selbst ein gutes Gewissen, ohne daß wir
daran zu denken und uns damit zu ängstigen brau-
chen. So machte es unser seliger Mitbruder Wohl-
mann; und daher hatte er die schöne Gemüthsruhe, die
ihm recht aus den Augen lachte. Daher traf auch das
Sprichwort: ein guc Gewissen ist ein sanftes Aus-
sen, bey ihm aufs Haar ein. Er lag auf diesem Küs-
sen sein Lebenlang so ruhig, wie ein frommes Kind
an seiner Mutter Brust: und endlich, da er alt und
Lebens satt war, entschlummerte er auf demselben
ruhig in den Todesschlaf, und sah sterbend noch aus,
als ob er ein Kind anlächelte.

Des
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