Becker, Rudolf Zacharias
Noth- und Hülfsbüchlein für Bauersleute oder lehrreiche Freuden- und Trauer-Geschichte des Dorfs Mildheim — Sulzbach in der Oberpfalz, 1789 [VD18 12674052]

Page: 399
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ihr könnt; baut recht viel Kartoffeln/ Möhren, Rü-
ben und dergleichen, daß ihr etwas zu essen habt,
Menn etwa das Getraide verdorben wird. Vom Heu
und Stroh schneidet so viel, wie möglich, zu Hecker-
ling : weil sich dieser nicht so leicht weg furaschiren laßt,
und weniger Raum einnimmk. Schlachtet mehr ins
Haus, als sonst: damit ihr etwas habet, den Feind
zu begütigen. Kommt er nun wirklich ins Land: so
seyd nicht mürrisch gegen die Soldaten, sondern recht
freundlich. Gebet ihnen willig, was ihr habt: sucht
ihnen zu Gefallen zu leben; wartet und pfleget ihrer,
wenn sie krank oder verwundet sind: so werden sie auS
Feinden Freunde, und schonen euch, wo sie können.
Denn es sind auch Christen, und haben oft gar große
Noch auszustehen. Seyd dabey vorsichtig im Lsteden
und Thun, daß sie keinen Argwohn gegen euch schö-
pfen. Vor allen Dingen aber laßt euch weder von
Feind noch Freund zu Verrathern oder Spionen ge-
brauchen. Ich lag im 7jährigen Kriege einmahl
14 Tage bey einem Bauer im Quartier, der ein wohl-
habender und braver Mann war. Wir wurden die
besten Freunde. Er hatte eine Tochter, die mir gefiel,
und als ich ihm erzählte, daß ich auch vom Bauern-
stände scy und ein kleines Gütchen zu Hause habe:
versprach er mir die Tochter zur Ehe, wenn cs Friede
würde und ich meinen Abschied erhielt. Wir weinten
wie die Kinder, als wir von einander scheiden muß-
ten. Nun stellt euch vor! 14 Tage darauf wurde von
unfern Husaren ein Spion gefangen, und das war
dieser ehrbare und brave Mann. Er hatte sich durch
das Versprechen einer Summe Geldes, womit er sei-
nen Kriegsschaden zu ersetzen gedachte, vom Feinde
verführen lassen, uns auszukundschaften, unter dem
Vorwand, als ob er mich besuchen wollte. Ich bat
kmeend bcym Gensral um sein Leben; aber cs half
nichts;
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