Becker, Rudolf Zacharias
Noth- und Hülfsbüchlein für Bauersleute oder lehrreiche Freuden- und Trauer-Geschichte des Dorfs Mildheim — Sulzbach in der Oberpfalz, 1789 [VD18 12674052]

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mit Strohwischen oder Lappen abtrockne. Auch dürfen
die Eisen beym Beschlagen nicht heiß aufprobirt, oder
heiße Asche in den Fuß gestreut werden. Davon verdirbt
der Huf über lang oder kurz. Hüte dich, ein Pferd, wenn
es erhitzt ist, ins Wasser zu reiten, oder saufen zu lassen,
und übertreibe es nicht in der Arbeit: davon kommen die
meisten Zufälle bey Pferden. Ist ein Pferd auf solche
Art verwahrloset, daß es sichverfangen, oder die Rähe-
krankheic bekommen will: so setze dich darauf und reite
es warm; alsdann reibe es in einem warmen zugemachten
Stalle mit Strohwischen, bis der Schweiß kommt. Ist
das Thier aber schon zu steif: so behänge es im Stalle mit
warmen Decken, und gieb ihm alle 2 Stunden ! Loth
Hollunder - Muß (Lattwerge) in warmen Bier ein
und reibe es fleißig mit Strohwischen und wollenen Lap-
pen, bis die Ausdünstung wieder kommt. Es ist auch
gut ein Dampfbad zu brauchen; indem man ein Gefäß
mit kochendem Wasser so unter die steifen Glieder stellt,
daß der Dampf daran schlägt, und dabey das Thier mit
Decken behängt, daß nur der Kopf frey bleibt.
Wenn em Pferd sich nach langen: Hunger über-
fressen, oder wenn es von der Wind-Rolik aufge-
bläht ist: so gieb ihm vor allen Dingen ein oder etliche
Kystiere von Rase-Pappel-Rram, Ramillen
md Bingelkraut, jedes einer Handvoll in 2 Nösel
Wasser einer Viertelstunde lang gekocht und ein Paar
Lössel voll Oehl darein gethan. Ueberhaupt thun Kly-
stiere in Nothfällen beym Vieh so gut, wie bey Menschen.
Wenn ein Pferd das Stallen übergangen, und nicht
stallen kann: so führe es in einen Scbafstall, und laß es
eine Viertelstunde darinne stehen. Auch ist es gut, ihm
Hehl aufs Kreuz zu gießen, und es stark einzureiben.
Das Rindvieh gesund zu erhallen ist es sehr
gut, ihm alle Morgen, wenigstens über den andern
Tag, das erste Futter mit Salz zu bestreuen. Ist ein
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