Becker, Rudolf Zacharias
Noth- und Hülfsbüchlein für Bauersleute oder lehrreiche Freuden- und Trauer-Geschichte des Dorfs Mildheim — Sulzbach in der Oberpfalz, 1789 [VD18 12674052]

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ner in solchen Aemtern den Dörfern, Städten und gan-
zen Ländern thun können, ist wohl werth, daß man et- 7^
was leide; und ich habe hier an vielen Exempeln gesehen,
daß ein Diener des Landes, er sey Minister, Amtmann .
oder Schreiber, General oder Corporal, bey alten Arber-
ten und Verläßlichkeiten doch vergnügt und glücklich le-
ben kann: wenn er redlich, geschickt und klug ist, und sein
Amt von Tag zu Tage immer besser zu verwalten, da-
durch immer mehr Gutes zu stiften, und selbst immer '
besser zu werden sucht.
ÄerLin. Wozu dient es wohl, daß die Gelehrten den
ganzen Tag über den Büchern oder am Schreibepult sihen,
davon sie hypochondrisch werden, daß ihnen weder Essen
noch Trinken schmekt?— So fragte ich als Knabe meinen Dles u
Informator, und er gab mir zur Antwort: sie thäten es, M
um sich einen grossen Nahmen in der Welt zu machen, Geld ^lt M
durch ihre Schriften zu verdienen, oder durch ihre Gelehv- wi
samkeit zu hohen Aemtern befördert zu werden; so wie ev Mbu
durch sein Studiren noch ein Superintendent zu werden M G
hoffe. Nun habe ich hier mit einer großen Anzahl wahr- so
haft gelehrter Männer Bekanntschaft gemacht, und Habs Mer
gefunden, daß mein Herr Informator mich nicht recht bo- Äenu
richtet hatte. Unter den Gelehrten sind freylich viele, die önen i
um des Bauchs willen studiren, schreiben, lehren und pre- Wber
digen: so wie es Bauersleute genug giebt, welche blos um hgcka
des Bauchs willen das Feld bauen. Aber gleichwie brave ? Tetraj
Bauersleute bey ihrer Arbeit den Gedanken haben, daß sie Gze,
Menschen und Vieh dadurch Gutes thun, und daß sie DerK
selbst durch das Nachdenken dabey immer verständiger und jchnz
zum ewigen Leben geschickter werden: so giebt es auch Gck l
Gelehrte, welche ihr größtes Vergnügen daran haben, im-
rner mehr zu lernen, den Grund von allen Dingen zu Mch
erforschen, alles auszukundschaften, was den Menschen zum !Hause!
leiblichen Wohl und zur Zufriedenheit des Gemüths dient, Rain
oder allerhand nützliche Erfindungen zu machen, wodurch
andern das Leben erleichtert und des Elendes auf Er-
den weniger wird. Ich habe gefunden, daß viele Gelehrte ihre Z
diese schöne Absicht bey ihrem Studiren haben, und nicht Uders
eben dadurch nach Geld oder Ehre streben, und. dergleichen j^eue
würdige Männer verdienen damit herzlichen Dank bey
Hohen und Niedrigen, daß sie, um hes gemeinen Nutzens
willen, vieler Freuden des Lebens entbehren, und eine so
ungesunde Beschäftigung treiben. Ein solcher verehrungs-
würdiger
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