Becker, Rudolf Zacharias
Noth- und Hülfsbüchlein für Bauersleute oder lehrreiche Freuden- und Trauer-Geschichte des Dorfs Mildheim — Sulzbach in der Oberpfalz, 1789 [VD18 12674052]

Page: 427
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würdiger Gelehrter ist z. E. der hiesige Jude, Herr Mo-
ses Mendelssohn. Dieser hat viele Tage und Nächte
feines Lebens mit Gefahr seiner schwächlichen Gesund-
heit damit zugebracht, die schönen Lehren, daß die
menschliche Seele unsterblich sey, und daß ein weiser
Kore die "Welt regiere, wider die Zweifel zu verteidi-
gen, welche von einigen Gelehrten unter den Christen
darwider vorgebracht worden sind. Daben hat er von Ju-
gend auf so fromm und redlich gelebt,, und seine Seele ist
schon hier w gut worden, daß er gewiß hoffen kann, ein-
mahl in jenem Leben recht seelig zu seyn. Das Exempel
dieses Mannes und noch mehrerer braver, gelehrter und
geschickter Juden, hat mich noch mehr überzeugt, daß es
sehr gottlos und unchristlich ist, die Juden zu hassen, zu
verfolgen oder zu verspotten. -Denn sie sind unsre Brüder?
und Gott hat sie erschaffen, daß sie eben so glücklich seyn
sollen, als wir.
Hamburg. Ich erfahre immer mehr, daß jeder Stand
und jedes Gewerbe der Menschen, seine Leiden und Be-
schwerden, so wie auch seine besonder» Annehmlichkeiten und
seinen Nutzen habe. Der Kaufmann schafft Dinge, die in
Ostindien und 'Mestindien, in China und Amerika und
alter Orten in der Welt zu Hause sind, über Berg und
Thal, ja über das weite Meer herben, daß wir hier zu Lande
sie auch gebrauchen können: und dafür schickt er unser Bau-
holz, Getraide, Linnen, Lederwerk, Sämereyen und an-
dere Dinge, an denen wir Ueberfluß haben, in fremde Lan-
der. Der Kramer bringt allerlei Tücher und Zeuge von al-
len Farben zusammen in seinen Laden, damit jeder, der sich
einen Rock kaufen will, das Aussuchen habe. Und so stellt
der Gewürzkramer und Apotheker hunderterley nützliche Din-
ge in Schachteln und Büchsen beysammen, daß man nicht iw
zehn Hauser zu laufen und die Zeit zu verderben braucht,,
wenn man etwas nöthig hat, es sey was es wolle. Wofür
es denn auch recht und billig ist, daß diese Leute einen Ge-
winn davon haben, da sie ihr Geld in die Waare stecken,
und ihre Zeit mir dem Herbeyschaffen, Abmessen und Ab-
wiegen derselben beym Verkauf zubringen; zumahl da sie
auch Steuern, Zölle, Accise, Jmpost und andere Abgaben
auf ihren Handel erlegen, und Leute darauf halten müssen.
Es ist auch wohl nicht unbillig, daß ein Kaufmann an man-
cher Waare, wenn der Handel gut geht, viel auf einmahk
gewinne: weil er auch ost viele tausend Thaler auf einmahl
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