Becker, Rudolf Zacharias
Noth- und Hülfsbüchlein für Bauersleute oder lehrreiche Freuden- und Trauer-Geschichte des Dorfs Mildheim — Sulzbach in der Oberpfalz, 1789 [VD18 12674052]

Page: 431
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Vieh, daß ich komme. Mein kleiner Brauner macht mir
einen Kratzfuß/ wie ein Tanzmeister. Nun wird attge-
schirrt und dazu gepfiffen: wach auf mein Herz und
singe! Da singt die liebe Suse im Knhstalle auch dazu.
Die Hühner gackern darein/ der Hahn kräht/ die Kalber
blöcken, da ist lauter Leben. Nun gehts ins Feld: da
singt mir die Lerche entgegen, oder die Wachtel schlägt den
Tact zur Arbeit, und weil der Braune das Seinige or-
dentlich gekriegt hat, so zieht er den Pflug, daß es eine
Lust ist. Da guck ich denn so manchmahl den blauen Him-
mel an/ und denke an den lieben Gott, der alles so schön
eingerichtet hat, daß alle Thiere und Menschen leben und
sich freuen können, und daß immer eins dem andern Hilst;
und was ich sonst so hin und her denke. So verschwin-
det mir die Arbeit unter den Händen. Dann läutets Mit4
tag : da gehts links um nach der Krippe und nach der
Schüssel. Da steht meine Suse schon fix und fertig,
die Arme in die Seite gestellt, in der Küchenthür. Da-
giebts einen tüchtigen Schmatz. Die Kleinen klettern an
mir hinan und wollen auch ihren Schmatz haben. Der
Tisch ist gedeckt, und altes so rein und sauber, als Wenns-
geleckt wäre. Knecht und Magd sind auch bey der Hand
Nun schmeckt der Milchbrey oder das Sauerkraut, wie
Marzipan: wenn die vielen Hände alle nach der SchüsieL
langen und lauter freundliche Gesichter rund herum sind
Herr! dem gnädigen Fürsten müßt's gut schmecken, wenn
er mit uns äße. Auf den Abend gehts dann wieder so,
und wenn Kinder und Gesinde Gore gedanket haben und*
schlaffen gegangen sind: da wird noch ein Viertelstündchen
mit meiner Suse geheimer Rath gehalten, und alles über-
legt, was den andern Tag geschehen soll. Und da muß
ich gestehen, daß meine Suse ost den besten Rath weiß
So gehts alle Tage, die Gott werden läßt; nur einen dießl
den andern das. Was meint Er nun, junger Herr! Mir
welchen von den Stadtleuten soll ich wohl tauschen? vom
Höchsten bis zum Niedrigsten?— "Mit keinem, antwor-
tete ich ihm. Es sollte Mühe kosten, einen zu finden, der
so zufrieden wäre, als Er, mein lieber Christoph' Und-
was mir noch besonders dabey gefällt. Er ist auch nickt
hochmüthig auf sein Glück: sondern begegnet jedermann
steundlich, und erkennet alles für einen Segen des lieben
«ottes. Dabe» bleib er!
Aber
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