Becker, Rudolf Zacharias
Unterricht- Noth- und Hülfsbüchlein für Bürgers und Bauersleute: Darinnen sie in den meisten Vorfällen des Lebens, beym Feldbau, bey der Viehzucht, und Hauswirthschaft, bewährte und nützliche Regeln, Anweisungen und Vortheile verzeichnet finden : Durch IX. Kupferstiche erläutert ([1]): Unterricht- Noth- und Hülfsbüchlein für Bürgers und Bauersleute — Bregenz: gedruckt und verlegt bey Joseph Brentano, 1791 [VD18 90767306]

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auch verdorbenes Geräucherte- durfte nicht in ihre
Küche kommen.
Alles Zugemns wujch ne ganz rein ab, und brüh-
te es , daß es weniger blähen sollte. War der grü-
ne Köbl im Sommer mit Honigrhau überzogen, ss
weichte sie ihn etliche Stunden im Wasser ein, da-
mit sich die schädlichen Insekten, so gewöhnlich dran
hangen, davon loswnschen. Was schon vom Unge-
ziefer zerfressen war, gab sie den Schweinen Gur-
ken oder Cucumern, welche vom Mehlthau weiß und
verdorben waren , setzte sie ihren Leuten auch nicht
vor. Dürre Erbsen und Bohnen weichte sie den
Tag zuvor in kaltes Wasser, und goß eklichmal
frisches Wasser ans. D-'Sgleichtn setzte sie Erbsen ,
Bohnen, Linsen, Stockfisch und alles zähe Fleisch
allezeit mir kaltem, aber grüne Gewächse und junges
saftiges Fleisch mit siedendem Wasser zu. Dann ließ
sie alles genug, aber nicht zu lang kochen, daß es
auch Saft und Kraft behielt. Im Brey oder Mus
litt sie keine Klümpe (Knollen.) Klose oder Knö-
deln wußte sie fein locker zu machen : weil sie eben
die rechte Zeit im Kochen traf, nicht zu lang und
nicht zu wenig An Salz ließ sie es nirgends feh-
len , am wenigsten beym Fleischwerk, beym Einpö-
ckeln oder Einsätzen, und bey den Fischen.
Sie sah auch darauf, daß sie oft abwechselte mit
dem Essen, und nicht einerley Sveise vielmal nach-
einander auf den Tisch brachte, damit ihre Leute de-
sto mehr Lust zum Essen hätten. So wußte sie aus
den Erdäpfeln wohl zehnerlei) Gerichte zu machen,
wovon man immer eins lieber als das andere aß.
Mehl und Milchspeisen gab sie weniger , als andere
Weiber im Dorf und nur an Fasträgen; dafür
schäfte sie von dem aus dem Butter gelößten Geld
an
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