Becker, Rudolf Zacharias
Unterricht- Noth- und Hülfsbüchlein für Bürgers und Bauersleute: Darinnen sie in den meisten Vorfällen des Lebens, beym Feldbau, bey der Viehzucht, und Hauswirthschaft, bewährte und nützliche Regeln, Anweisungen und Vortheile verzeichnet finden : Durch IX. Kupferstiche erläutert ([1]): Unterricht- Noth- und Hülfsbüchlein für Bürgers und Bauersleute — Bregenz: gedruckt und verlegt bey Joseph Brentano, 1791 [VD18 90767306]

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daraus worden. Ein schönes Gesicht, große Aayß
Äugen, geschnappige Antworten , schöne Kleider,
und wenns ans Tanzen gieng, stinke Füsse:
so war Wolfs Liserl; aber keine Suppe konntS
üe recht kochen, keine Kuh ordentlich melken ; und
von allen dem wußte sie nichts, was doch ein Mas
del , die einst eine gute Hausmuter werden soll,
umumgänglich wissen muß. Im Haus sahs bey iHv
aus wie im Saustall, ob sie gleich alle Tage aufs
niedlichste geputzt einher gieng. Sie war auf allen!
Kirtagen (Kirchweihen) in der Nachbarschaft dir er-
sie; und wo ein Tanz oder Schmaus war, da wav
Wolfs Liserl gewrß dabey. Die jungen Herren auS
der Stadt waren bey diesen Gelegenheiten Lmmev
hinreu und vorn um Jungfer Liserl her, und klopf-
ten dem alten Micke!, wenn er ihnen in die Queers
kam, auf die Achsel, und lobten seme schöne Tocdtev
überaus. Der alte Narr thar sich darauf Wundev
was zu gure, wenn ihn so ein städtischer Windbeu-
tel einen Herrn hieß, und gab seine Tochter dafüv
ihrem Willen vreis. Ein junger Offizier aus dev
Stadt, dessen elendes Geschäfte es war, junge, un-
erfahrne Mädeln zu verführen und unglt cklich zu
machen, gsrieth auch an die Lieserl und verführte siv
ebenfalls unter dem Verspruch, daß er sie heyrathm
und zur gnädigen Frau machen wolle; allein er mach-
te sie zur Hur, und kam nicht wieder, sich nach iHv
umzusehen. Das arme Mädel hefte und harrte sehn-
liehst, allein umsonst da sie nun sah, daß sie schänd-
lich betrogen und noch dazu schwanger war, wollte
sie fast verzweifeln. Durch ihr hochmüthiges Be-
tragen hatte sie sich alle Leute im Dorf zu Feiudett
gemacht, so daß sie niemand fand, dem sie ihr Leid
klagen und Trost finden konnte. IHv Vater war
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