Becker, Hanna Luise; Altdorfer, Albrecht [Ill.]
Die Handzeichnungen Albrecht Altdorfers — München, 1938

Seite: 62
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Bildstudien (vgl. die Entwürfe zum Heller-Altar). Der Grund
hat die Bedeutung, Gestalten und Gegenstände besonders greif-
bar werden zu lassen; durch weiße Schraffuren wird das Bild
plastischer; maßgebend ist bei ihm für fast alle Zeichnungen auf
Blaupapier ein besonders sorgfältiger Strich, der immer der Form
stark verbunden bleibt. Bei einigen grundierten Blättern, z. B. der
Grünen Passion (i5o4) hat die weiße Höhung eine bild-bewe-
gende Bedeutung. Sie ist der Bildkomposition eingefügt und gibt
durch die hellen Streifen oder Flecken am Horizont die Wirkung
einer „Beleuchtung“.

Yon eigenartiger Schärfe und Klarheit sind die Zeichnungen
Baldungs auf farbigem Grund. Seine Hexenzeichnung z. B.
(Wien i5i4) ist in der Komposition eine klar organisierte Bild-
füllung von Hexenleibern, die in dünnen Linien sehr scharf um-
rissen und durch eine fein schraffierte weiße Höhung körperhaft
plastisch modelliert sind. Gegenüber Altdorfer-Zeichnungen ist
das Yerhältnis zum Bildgrund ein anderes, neutraleres; die zeich-
nerische Form wird nicht so sehr vom Grund aufgesogen, wie bei
den ausgesprochenen ,,Helldunkel“-Blättern Altdorfers.

Die Zeichnungen der Schweizer, in gewisser Weise Baldung
artverwandt, geben auch bei den grundierten Blättern als wichtig-
stets eine in sich geschlossene Form. Urs Grafs Fahnenträger
(Basel) und eine Madonna mit Kind (Berlin) des Nikolaus Ma-
nuel Deutsch heben sich in einfacher Klarheit vom braun-
roten Grund ab; dieser scheint wie ausgespannt hinter den Figu-
ren; bei der sitzenden Maria an der Säule stehen als einzige nähere
Beziehung zwischen Figur und Grund zwei sich entsprechende
Ornamentformen auf der Fläche, die das Haupt der Mutter und
das des Kindes rahmend begleiten. — Hans Leu’s zeichnerischer
Stil kommt demjenigen Altdorfers am nächsten. Durch seine Ar-
bei in der WerkstattDürers ist er mit andern süddeutschen Künst-
lern — vielleicht mit Altdorfer — in Verbindung getreten. Der
überwiegend malerische Eindruck seiner meisten Blätter geht auf
Kosten einer durchsichtigen Strichtechnik.

Imrner läßt sich von den Zeichnungen Altdorf ers sagen, daß
sie von der Linie bestimmt und getragen werden und daß der

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