Becker, Hanna Luise; Altdorfer, Albrecht [Ill.]
Die Handzeichnungen Albrecht Altdorfers — München, 1938

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gesetzten Formen der Auf- und Abstriche. Es scheint, als wenn die
Zahl, auf ihr Verhältnis zur Fläche angesehen, an einer viel be-
stimmteren Stelle im Bildganzen stünde, als frühe Datierungcn
Altdorfers. Besonders in den frühen Zeichnungen „schwimmen“
diese im Grund der Fläche, wenn sie uicht einem Täfelchen oder
einem Stein eingeschrieben sind. 40 Die Schreibform der frühen
Datierungen bei Altdorfer ist eigentlich von einer unbefangenen,
fast primitiven Art im Vergleich zu dem bewußteren Schriftbild
derjenigen des Berliner Blattes.

Wenn die Liebespaar-Zeichnung als ein Werk Altdorfers abge-
Iehnt wird, so geht diese Ablehnung im wesentlichen aus von der
Erkenntnis der bisher bekannten Frühstufe Altdorferscher Zei-
chenkunst. Die Überlegung, daß eine gewisse Kultur der Zeich-
nung und eine Stilisierung des Strichs, wie sie auf der umstritte-
nen Zeichnung erscheint, nicht zugunsten einer primitiven, oft
derben und ungekonnten Art gänzlicb aufgegeben Avird, bestätigt
die natürliche Gesetzmäßigkeit jeder künstlerischen Entwicklung.
Sicherlich darf man gerade bei deutschen Meistern des frühen
16. Jahrhunderts eine große Wandlungsfähigkeit der Strichfüh-
rung annehmen und man ist wahrscheinlich oft zu selir geneigt,
das Bild einer Künstlerpersönlichkeit nach bestimmten Vorstel-
lungen allzusehr einzuengen. Ein Zeichner hat die Fähigkeit, von
einem breiten üppigen Stil zu einem einfachen und klaren zu fin-
den, dann aber liegt in der Abstraktion die gesteigerte Form be-

10 Auffallend ist, daß fast alle Datierungen Cranachs eine riolzsclmitt-
mäßige Druckschrift aufweisen.

Die Variation von Altdorfer-Zahlen ist noch zahlreicher als es die von
Winkler gegebenen Beispiele anzeigen. In den Datierungen der Holzsehnitte
findet sich eine, der Technik entsprechende, Verfestigung der Form, die
sich vereinzelt auch auf Zeichnungen überträgt (Marcus Curtius, Braun-
schweig; Kampf von Ritter und Landsknecht im Wald, Rotterdam, beide
1512; Beweinung Christi, Florenz, 1513. In diesen Zahlen kommt noch eine
vierte Form der „5“ vor; Winkler erwähnt drei). — Die von Winkler ange-
führte Datierung von 1525 befindet sich nicht auf einer Zeichnung der Samm-
lung Koenigs, Haarlem, sondern auf der Landschaftszeichnung in der Alber-
tina, Wien, auf der die Zahl jetzt ganz ausgelöscht ist (Alb.-Kat. S. 32 T. 7).
Übersicht über die Datierungen s. S. 63.

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