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Heft 7



ſpiegel erhebt. Der größte Teil der Insel soll unter das Wasser hinabtauchen,
ſo daß die Plattform möglichſt ruhig liegt. Auch dieſe Insel soll auf dem
Meeresgrund verankert werden. Im ganzen will Armſtrong acht derartige
Inſeln schaffen, die sogar mit Hotels ausgestattet werden sollen. Gehen die
Flugzeuge auf jeder dieſer Inſeln nieder, so wird man in dreißig Stunden
von Neuyork nach Plymouth gelangen können. Würde man jedoch in einem
Eildienſt nur vier der Inseln anfliegen, um dort neuen Betriebſtoff ein-
zunehmen beziehungsweise das Flugzeug zu wechseln, ſo würde der Weg

ſchon in fünfzehn Stunden zurückgelegt werden können. Die Kosten für
die Anlage der acht Inseln würden ich auf rund fünfzig Millionen Dollar
ſtellen. Da sich dieser Betrag aber auf die zahlreichen Staaten verteilen
würde, die am Flugverkehr teilnehmen, so erſcheint es nicht ausgeſchloſsen,
daß die Herſtellung derartiger künſtlicher Inseln ſchon in Bälde in Angriff
genommen wird. Damit würde dann der Menſch in noch höherem Maße
als bisher das Gefühl verlieren, daß das Meer etwas Trennendes darstellt.
Durch die Jnſeln wird es zum verbindenden Glied zwiſchen zwei Erdteilen.

Die Reiſe um die Erde in vierundzwanzig Stunden

Ausblicke in die Zukunft / Von Prof. Dr. Richard Hennig

IV? früh mit der Sonne Ihr sattelt und reitet und ſtets sie in einerlei
Tempo begleitet" ~ wer kennt Jie nicht, die köſtlich humorvolle Ant-
wort des klugen Schäfers und P=sſeudoabtes Hans Bendix auf des Kaisers
Frage, wieviel Zeit er brauche, „die Welt zu umiagen, doch keine Minute
zu wenig und viel“! Wie viele haben in ihrer Jugend und ſpäter als
Erwachſene mit Vergnügen dies Herumjonglieren „mit Wenn und mit
Aber“ vernommen und die daraus abgeleitete Folgerung, daß man ,in
zweimal zwölf Stunden“ die Erde müsse umtreiſen können !

Und nun werden wir + wenn nicht alles täuſcht ~ in wenigen Jahr-
zehnten, ganz ſicher aber noch in diesem Jahrhundert so weit ſein, daß
Hans Bendix!’ kühne Phantasie Wirklichkeit wird, daß man wirklich in der
Lage ist, ſobald die Sonne am Himmel ſteht, ,„ſtets ſie in einerlei Tempo“
zu begleiten!

Freilich nicht auf dem Rücken des Pferdes, sondern natürlich mit Hilfe
des Flugzeuges wird der Menſch in Zukunft den Wettlauf mit der Sonne
wagen können, und zwar zunächſt in den nördlicheren Breiten der Erde,
wo ihr Umfang bedeutend kleiner als in den ſüdlicheren iſt. Aber es iſt
keineswegs ausgeſchloſſen, daß man dereinſt auch am Äquator in zweimal
zwölf Stunden die Welt wird umjagen können.

Noch sind wir natürlich nicht ſo weit. Als neulich die zwei japaniſchen
Flieger die etwa dreizehntauſend Kilometer lange Entfernung von Totio
nach Berlin in fünfundsechzig Stunden zurücklegten, war dies schon eine
außergewöhnliche Leiſtung. Ergab ſich doch dabei mit Aufenthalten und
Störungen eine Durchſchnittsſtundengeſchwindigkeit von rund zweihun-
dert Kilometer, was bei so rieſigen Entfernungen zurzeit noch eine ganz
hervorragende Leistung iſt. Aber was heute im Luftverkehr noch eine Aus-
nahme bildet, pflegt morgen ſchon die Regel und übermorgen überholt zu
sein. Wir brauchen nur einen Blick auf die erſtaunlich raſche Steigerung der
Schnelligkeitsrekorde von Flugzeugen in den letzten Jahren zu werfen, und
wir werden sogleich erkennen, daß wir uns mit Riesenſchritten dem Zeit-
punkt nähern, zu dem wir daran denken können, in unſeren mitteleuro-
päiſchen Breiten den Wettlauf mit der Sonne aufzunehmen.

Als die Brüder Wright am 17. Dezember 1903 den ersſten erfolgreichen
Flug mit einem Motorflugzeug unternahmen, erreichten ſie auf ihrem
nur wenige Minuten dauernden Wagnis eine Stundengeschwindigkeit von
einundfünfzig Kilometer. Als sie 1908 zum erstenmal öffentlich auftraten,
brachten sie es im Höchstfall auf eine Stundengeſchwindigkeit von sechsund-
sſiebzig Kilometer, ſo daß alſo damals die ſchnellſten Eiſenbahnen dem Flug-
zeug noch ſtark überlegen waren ~ ganz zu ſchweigen von den elektriſchen
Schnellbahnen, mit denen auf der Berlin-Zoſſener Verſuchsſtrecke ſchon
am 25. Oktober 1903 eine Stundengeschwindigkeit von zweihundertacht
Kilometer erreicht worden war. Dann aber nahm die Höchſtgeſchwindigkeit
der Flugzeuge von Jahr zu Jahr in immer ſchnellerem Tempo zu, und
zwar wurden erreicht im Jahr 1909 86 Kilometer in der Stunde, 1910

109 Kilometer, 1911 133 Kilometer, 1912 170 Kilometer, 1913 203 Kilo

meter, 1920 809 Kilometer, 1921 330 Kilometer, 1922 361 Kilometer,
1923 429 Kilometer, 1924 448 Kilometer in der Stunde. Der augenblick-
liche Rekord von vierhundertachtundvierzig Kilometer, der ſehr bald über-
holt sein wird, wurde von dem franzöſiſchen Flieger Bonnet am 11. De-
zember 1924 auf einem Ferbois-Eindecker erreicht. In vier Jahren iſt die
höchſte Schnelligkeit von dreihundertneun auf vierhundertachtundvierzig
Kilometer, alſo aufs Anderthalbfache, geſteigert worden: wo werden wir da

OD wundervolle Abendfſtundel

Die Lampe brennt, mein tiefstes Leben rinnt.
Ich hebe einen goldnen Kelch zum Munde
Und trinke Träume, die wie Blumen ſind.

A b e n d

DLiebste, komm, laß mich nicht länger warten,
Gib mir die treue, tagverhärmte Handl
Ich führe dich in meinen stillen Garten,
Sieh, über seiner Wipfel blauem Rand

FCA ICI CAI CA I CK I CA CK T CN D CK I CK I CA T CK I CA D CA D CA D CA D CA D C D C I C CA D CA CA CA CA CA CAD CAD Ä

um 1930 angelangt sein? Die Theoretiker haben berechnet, daß sich mit dem
Flugzeug eine Stundengeschwindigkeit von tauſend Kilometer in jedem
Fall, vielleicht gar bis zu zweitauſend Kilometer müse erreichen lassen, zu-
mal wenn die Flugzeuge ſich in ſehr großen Höhen bewegen, wo der Luft-
widerstand gering iſt, etwa in zehn Kilometer Höhe, wie es die Holländer
für ihren indiſchen Flugverkehr planen. Die Stundenhöchſtleiſtungen jind
bisher durchweg in den unterſten Atmosphärenſchichten erzielt worden und
können wohl schon heute unter günstigen Umständen in den Regionen
der Zirren bedeutend überboten werden. Obwohl in großen Höhen faſt
immer heftige Stürme wehen, werden ſie dem Flugzeug nicht ſoviel an-
haben können, denn die ſchwerſten Orkane, die man bisher mesſen tonnte,
erreichten nur ſiebzig Meter in der Sekunde; beim Flugzeug aber bedeutet
eine Stundengeschwindigkeit von rund vierhundert Kilometer bereits eine
Schnelligkeit von hundertelf Meter in der Sekunde. Die Tauſend-Kilometer-
Geschwindigkeit je Stunde, auf die wir unverkennbar losſteuern, bedingt ;
aber eine Sekundengeschwindigkeit von zweihundertsſiebenundsiebzig Meter!

Schon die von Bonnet erreichte Vierhundertachtundvierzig-Kilometer-
Geschwindigkeit würde, über lange Zeit feſtgeſetztt, ein Umrunden der Erde
am Äquator in neunundachtzig, auf fünfzig Grad Nordbreite in etwa drei-
undfünfzig Stunden gestatten. Der Umfang des Erdballs in der Breite
Deutschlands beträgt rund vierundzwanzigtauſend Kilometer. Wird alſo
dieTauſend-Kilometer-Geschwindigkeit in abſehbarer Zeit erreicht und einen
Taglang durchgehalten, ſo werden wir von irgend einem beliebigem Puntte
Mitteleuropas aus binnen vierundzwanzig Stunden „die Welt umjagen“"
und ,tets in einerlei Tempo“ die Sonne begleiten können. Außer zu ſport-
lichen Zwecken wird ein solches „Kilometerfresſen“ natürlich kein prattiſches
Interesse haben, und obendrein wird es ſich ganz unvernünftig teuer ſtellen.
Da wir nun in zwanzig oder höchſtens dreißig Jahren, vielleicht ſchon früher,
trotzdem so weit ſein werden, ſo müssen wir einige weitere merkwürdige
Folgerungen erwägen, die sich aus einer ſolchen Leiſtung ergeben würden.

Für den, der da künftig einmal ſein Flugzeug „mit der Sonne ſattelt

und reitet und stets ſie in einerlei Tempo begleitet“, ſteht zunächſt einmal

die Zeit still. Da für ihn während seines ganzen Fluges die Sonne in
gleicher Stellung über dem Horizont verharrt, ändert ſich für ihn während
der gesamten Vierundzwanzig-Stunden-Reise die Ortszeit nicht ein einziges
Mal. Fst seine Uhr beim Besteigen des Flugzeugs etwa zufällig ſtehen
geblieben, ohne daß er es merkte, ſo zeigt ſie ihm trogdem überall die
„richtige Zeit“! Ja, wenn die Fluggeſchwindigkeit wirklich, wie viele es
behaupten, noch über Tauſend-Kilometer-Stundengeſchwindigteit hinaus
gesteigert werden kann, ſo müßte eine „richtig gehende“ Uhr ſich ~ rück-
wärts bewegen, und der Flieger würde dann das Kunſtſtück sertigbringen
~ immer jünger zu werden, wenn nicht drüben im Stillen Ozean die
„Datumgrenze“ läge, die den ſcheinbaren Gewinn wieder illuſoriſch machte.
Schade, sonst hätten wir wirklich den „Jungbrunnen“ entdeckt, denn man
brauchte nur einige tauſendmal von Oſt nach Weſt um die Erde herum-
zufliegen, und man wäre wieder ein kleines Kind! Oder aber ein jugend-
friſcher Methusalem, wenn man in umgekehrter Richtung flöge !

Man ſieht, das allzu schnelle Fliegen kann einen im Kopf reichlich wirr
machen. Und dennoch, wie lange wird's noch dauern, daß „der Kaiſer und
der Abt“ modern umgedichtet werden und der Kaiſer ſich andere Fragen
ausdenken muß, wenn ihm nicht ſchon ein Kind mühelos ohne alles Wenn
und Aber richtige Antworten auf seine zweite Frage ſoll geben können!

Steigt schon das Heer der weißen Sterne,
Die grauen Sorgen schlugen ihre Schlacht.
Wir einen uns unendlich großer Ferne,

Und eine Geige singt die ganze Nacht.
Ludwig Büte
 
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