Chronik der Stadt Heidelberg — 21.1913 (1915)

Page: 8
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/chronikhd1913/0014
License: Creative Commons - Attribution - ShareAlike Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
8

kamen die aus srüheren Jahren bekannten Klagen über persönliche
Zurückfetzungen einzelner Arbeiter und Angestellter, worauf Bürger-
meister Walz in maßvoller Sprache seine sachkundigen Antworten erteilte.
Eine parteipolitische Debatte entspann sich bei der Frage, ob die Klein-
kinderanstalten völlig in städtische Negie genommen werden, wie er
ein sozialdemokratischer Antrag wnnschte, den die Fortschrüttzparlei
unterstützte. Er fand keine Mehrheit, ein Redner des Zentrums
(Dr. Ulrich) war überhaupt gegen diese Art Anftalten, weil sre
hcrde der Kinderepidemien seren.

Zu 8 36 lag noch ein meiterer Antrag seitens der sozialdemo-
kratischen Fraktion vor, melcher lautet: Der Stadtrat wird beaus-
tragt, bei Vergebung ftä'dt. Arbeiten urtter sonft gleichen Lciftungen
und Bedingungen in erfter Linie nur solche Firmen zu berückftchtigen,
welche das Koalitionsrecht der Arbeiter und Angeftellten anerkennen
nnd inbezug aus Entlohnung und Arbeitszeit beslehende Tarifver-
träge respektieren, oder mo iolche nicht vorhanden ftnd, die am Ort
m den betresfenden Gemerbcn üblichen Lohn- und Arbeilsbedingungeu
anerkennen. Mit dieser Maßnahme dürften auch die ost horrenden
Unterbietungen bei Submisnonen ersolgreich bekämpft merdeiu

Der Antrag gab zu ausgiebiger Aussprache über Koalitions-
sreiheit der Arbeiter, Tarisverträge, Gewerkichastsfrage Veranlaffung,
wurde abcr schließlich abgelehnt, auch darum weil die Submisftons-
angelegenheit in Heidelberg andermeit und zur Zusrievenheit der Ge-
schäftstreibenden geregelt sei.

Bürgermeifter Pros. Walz gab übcr den Stand der Straßen-
b ahnfragen Bescheid, die Ausftchten der Wicslocher Strecke, die Bahn
nach Neckargemünd, deren Bau sür den Spätsommer in Ausftcht ge-
nommen mar, über die Bahnen nach Kirchheim, Wieblingen, Doffen-
heim. Er saßte die Absichten der Stadtverwaltung dahin zusanunen,
daß Heidelberg aus dem beften Wege sei, durch sein Straftenbahn-
netz als wirtichaftliches Zentrnm für die Drte der Umgebung in
Frage zu kommen. Für die H ei lig enb ergbahn konnte er die
Mitteilung machen, daß man das Gelände sür die Anlage sich ge-
sichert und Drrektor Wick ein Projekt ausgearbeitet habe. Darnach
solle durch Drahtseile die Vahn gehoben werden bis zur Mönchhos-
hütte, sür die werterc Strccke sei die Bahn als Anösichtsbahn gc-
loading ...