Chronik der Stadt Heidelberg — 21.1913 (1915)

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III

Kirche, Schule, LlniverfitLt, Akademie, Kunst.

1. Kirche.

Das kirchliche Leben war berührt von den großen Zeitbewe-
gungen und suchte sie in der Tiefe zu fassen und dem Gemüte zu-
zuführen. Der Opsermut und die Hingabe der Besreiungskriege vor
hundert Jahren, Ln denen so viel echtes ldottvertrauen und relLgiöfer
Sinn den Untergrund der tapseren Tat bildete, wurden der Gegen-
wart auch in der Kirche nahegebracht und in den großen Zusammen-
hang ewigen Weltgeschehens eingereiht. Wo im Gegensatz zu jener
Größe, die zu Freiheit und nationaler Selbftändigkeit geführt hat,
die Zweifelsucht und eine schrankenlose Genußsucht am Marke des
Volkscharakters zu zehren schien, wurden diese maßvoll bekämpst.

Die evangelische Kirche wahrte durchaus ihren Bestand,
17 Personen traten in Heidelberg zu ihr über, 33 Personen traten
aus, davon 13 zur neuapoftolischen, 6 zur Adventiftengemeinde, wäh-
rend 2 zur Freireligiösen Gemeinde gingen, 8 einen Anschluß über-
haupt nicht suchten. Jene Austnttsbewegung, die im sltorden im
Zusammenhang mit sozial-politischen Vorgängen steht, hat im Süden,
besonders in Heidelberg, keine Nachsolge gesunden.

Als Bauherrin war die Kirche in diesem Jahre nicht tätig:
aus ihr laften noch von den srüheren Bauten rund 255,000 Mk.
Schulden, auch waren sür die Jnstandsetzung der Providenzkirche
4000 Mk. zu zahlen. Ein schwerer Verlust tras die Gemeinde Neuen-
heim und mit ihr die ganze Diözese Heidelberg. Dekan Robert
Schneider, der 50 Jahre der Landeskirche, 48 Jahre der Ge»
meinde Neuenheim seine reiche Krast gewidmet hatte, schied sast 74-

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