Eggers, Friedrich [Editor]
Deutsches Kunstblatt <Stuttgart>: Zeitschrift für bildende Kunst, Baukunst und Kunsthandwerk ; Organ der deutschen Kunstvereine &. &. — 3.1852

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mals Karl V.), dem Kaiser Maximilian von den Niederländern
huldigen Hess. Zu Friedrich dem Weisen und zu dessen bei-
den Nachfolgern, Johann dem Beständigen und Johann Frie-
drich, stand er unausgesetzt in nahem persönlichem Verhältniss.
Bei dem Leichenbegängniss Friedrichs des Weisen, 1525, war
er, nebst einem Zweiten, beauftragt, die Sterbegroschen unter
die Armen zu vertheilen.

Ausser diesem sächsischen Fürstenhause waren es beson-
ders Personen des brändenburgischen Kurhauses, die seine
Dienste in Anspruch nahmen. Den bekannten Kardinal Albrecht,
den Bruder des brandenburgischen Kurfürsten Joachim I., hat
er häufig gemalt. Auf Erfordern des kunstliebenden Kurfürsten
Joachim IL befand er sich 1541 in der brandenburgischen Mark.
Besonders aber war ihm ein andrer Bruder Joachims I.,. der
Markgraf Albrecht, früher Hochmeister des deutschen Ordens
und seit 1525 Herzog in Preussen, zugethan1). Dann wird,
zum J. 1519, bemerkt, dass Cranach's Bilder auch in Frank-
reich Beifall fanden; die Mutter des Königs Franz I. erbot sich,
dem Kurfürsten Friedrich dem Weisen für die Uebersendung
s.olcher — Reliquien zuzuschicken.

Wichtiger noch erscheint Cranach's persönliches Verhält-
niss zu den grossen kirchlichen Reformatoren. Sein inniges
Freundschaftsverhältniss zu Luther ist bekannt. Sie waren ge-
genseitig Pallien ihrer Kinder; als Cranach's ältester Sohn ge-
storben war, ging Luther zu ihm und sprach ihm mit schönen,
festen Worten, die uns aufbehalten sind, Trost zu. Ebenso
stand er zu Melanchthon in nächster freundschaftlicher Bezie-
hung. Sehr ergötzlich ist es, zu finden, dass Melanchthon ge-
legentlich biblische Bilder entwarf und Meister Lucas dieselben
berichtigte und ausführte. So nahm er auch mit den ihm ver-
liehenen Waffen an dem grossen reformatorischen Kampfe Theil,
wie u. A. sein in Holz geschnittenes Passional Christi und An-
tichristi vom J. 1521, in welchem die Thaten Christi und die
des Papstes einander gegenübergestellt sind, bezeugt. Eben-
dahin gehört sein Holzschiiitlwerkchen, das Papstthum, vom J.
1545, das freilich, wie der Kampf wilder geworden war, auch
in wilderen Darstellungen sich erging, also dass selbst Luther
von einem der Blätter desselben sagen musste: „sed mester
Lucas est ein grober maierli.

Zahlreiche Dokumente, zumeist Quittungen über empfangene
Zahlung, enthalten die Nachricht über künstlerische Arbeiten,
die Cranach für seine fürstlichen Herren ausführte; doch lässt
sich nur in den seltensten Fällen aus diesen ein Bezug auf vor-
handene Werke seiner Hand entnehmen. Die Fülle der erhal-
tenen und die Fülle dieser nur urkundlich aufgeführten Werke
giebt solchergestalt schon das Bild einer fortlaufenden höchst
bedeutenden Thätigkeit. Aber damit war sein Thun keineswegs
abgeschlossen. Auch alles Handwerkliche, was in sein Fach
einschlug, lieferte er, ein wahres Factotum, für seine Herr-
schaft, und es ist völlig wahrscheinlich, dass er auch Jeder-
mann sonst, gegen die erforderliche Zahlung, als guter Hand-
werksmeister zu Diensten gewesen sei. Und noch manchen an-
dern einträglichen Handel, seinem Berufsfache selbst ziemlich
fern liegend, wusste er damit zu verbinden. So lieferte er,
1513, 'für ein fürstliches Hochzeitsfest elf Renndecken, drei-
zehn Stechdecken und zehn Helrazeichen (zum Turnier), sowie
eine Anzahl grosser und kleiner Wappen, mit denen die Tep-
piche versehen wurden. 1517 malte er u. A. zwei Schlitten.
1520 kaufte er die Apotheke zu Wittenberg, sie „mit seinen

1) Dem sonst so kritischen Verfasser ist, S. 151 ff-, das wunderliche
Versehen begegnet, den Herzog von Preussen mit dem Kurfürsten von Bran-
denburg zu verwechseln uud die preussischen mit den brandenburgischen
Verhältnissen durcheinander zu werfen.

Knechten" zu bestellen, und empfing zu deren Betrieb ein aus-
führliches Privilegium vom Kurfürsten. 1521 malte er die Or-
gel im Schloss zu Weimar. 1525 wird seines Buchladens, mit
welchem zugleich ein Papierhandel verbunden war, erwähnt.
In demselben Jahre malte er (oder liess er malen) im Rathhause
zu Wittenberg die Decke der neuen Weinstube und die Treppe,
und Hess die Fenster der obern Stube grün anstreichen. 1533
hatte er ein und dieselbe Kunstarbeit schockweise, also wie-
derum in völlig handwerklichem Betriebe, zu liefern, neinlich
60 kleine Tafeln mit den Bildnissen Friedrichs des Weisen und
Johanns des Beständigen, wofür er 109 Gulden und 14 Gro-
schen empfing.' 1534 gab es viel Arbeit am Schloss zu Tor-
gau; Cranach lieferte dazu Kunstarbeiten, wie Entwürfe zu Fen-
stermalereien, besorgte aber auch den grünen Anstrich des
„Hauses im Garten". 1537, wie auch früher und später, lie-
ferte er zahlreiche grosse Malereien auf Leinwand zu geringen
Preisen, ohne Zweifel in Leimfarbe ausgeführte Teppichdeko-
rationen, davon übrigens nichts auf unsre Zeit gekommen ist.
Wahrscheinlich im J. 1542, zum Wolfenbüttler Kriegszuge, hatte
er allerlei zur Ausrüstung Gehöriges zu beschaffen, eine un-
geheure Masse gedruckter Wappen, Heerbanner, Fahnen und
Fähnlein; auch liess er 40 Stück Hellebarden roth anstreichen
und firnissen. Im J. 1543 wieder Renndecken zur Fastnacht.
1545 wieder allerlei Handwerksarbeit zu Torgau. U. dergl. m.
— Nicht minder wurde er gründlich für Zwecke der städtischen
Verwaltung in Anspruch genommen. Bereits 1519 kommt er
in den Kämmereirechnungen als Rathsinann und Kämmerer vor.
1537 wurde er zum ersten Mal und 1540 zum zweiten Mal zum
Bürgermeister erwählt, welches Amt er dann bis 1544 verwal-
tete. Es ist, auch zum Verständniss von Cranach's künstleri-
scher Richtung, nicht ganz unwichtig, auf alle diese Dinge
einen Blick zu werfen.

Sonst kommen für ein etwaiges Hinaustreten Crahach's in
das öffentliche Leben keine sonderlichen Züge vor. Bei einem
tollen Studenten-Krawall im J. 1520 wird er von den Studenten
von Adel darüber verklagt, dass er sammt seinen Gesellen Waf-
fen trage, was ihnen zum grossen Hohn gereiche. Der Krawall
scheint arg genug gewesen zu sein, besonders durch Schuld
der akademischen Behörde, was u. A. Luthers lebhaftesten Un-
willen erregte. Cranach empfand es sehr übel, dass die Stu-
denten ihn bei dieser Gelegenheit duzten.

Seine häuslichen Verhältnisse erscheinen als die eines tüch-
tigen deutschen Bürgers. Er lebte in glücklicher Ehe und ver-
lor seine Gattin, eine geborne Brengbier aus Gotha, im J. 1541.
Zwei Söhne waren geschätzte Maler. Der ältere, Johann, starb
auf einer italienischen Reise, zu Bologna, 1536; der zweite,
Lucas, 1515 geboren und 1586 gestorben, ist der unter dem
Namen des „jüngeren Cranach" bekannte Künstler. Ich komme
auf beide im Folgenden zurück. Die Töchter Cranach's, drei
oder vier, waren an angesehene Männer verheiralhet; die eine
wird als ausgezeichnet schön erwähnt. Das Erbtheil der ein-
zelnen Tochter betrug 5000 Gulden, was, nach dem damaligen
Geldwerthe,. auf ein sehr ansehnliches und wohl verwaltetes
Vermögen Cranach's schliessen lässt. In Gotha besass Cranach
ein eignes Haus.

Eigentümlich bedeutungsvoll, wie im Allgemeinen bekannt,
sind- endlich Cranach's letzte Lebensjahre. Wenn die ersten
Jahrzehnte seines Lebens dem Biographen nichts Bestimmtes
bieten, so geben diese zu einer um so reicheren Schlussdar-
stelluug Gelegenheit. Der schmalkaldische Krieg war ausge-
brochen, die unglückliche Schlacht bei Mühlberg (24. April 1547)
führte den Kurfürsten Johann Friedrich in die Gefangenschaft
des Kaisers und nöthigte ihn zur Verzichtleistung auf die Kur-
würde; Karl V. stand mit seinen* Heere vor Wittenberg. Hier
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