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Dörpfeld, Wilhelm; Reisch, Emil
Das griechische Theater: Beiträge zur Geschichte des Dionysos-Theaters in Athen und anderer griechischer Theater — Athen, 1896

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https://doi.org/10.11588/diglit.5442#0112
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II. ABSCHNITT.

GRIECHISCHE THEATER AUSSERHALB ATHENS.

Bei der Beschreibung des athenischen Theaters mussten oft die Ruinen an-
derer Theater zum Vergleich herangezogen werden. Einige seiner Entwickelungs-
stufen waren nur durch geringe Reste vertreten und würden kaum ganz verständ-
lich gewesen sein, wenn sie nicht durch andere Theater ergänzt und erläutert
worden wären. Die Kenntnis der letzteren ist daher notwendig, um die Entwicke-
lungsgeschichte des griechischen Theaters zu verstehen.

Es sollen deshalb in diesem Abschnitte die Pläne mehrerer Theater ausser-
halb Athens mitgeteilt und kurz besprochen werden. Wir beschränken uns dabei
auf die Theater von Griechenland und Kleinasien und wählen nur solche Bauten,
welche in den beiden letzten Dezennien ausgegraben und von uns selbst unter-
sucht worden sind. Die Theater von Italien und Sizilien werden wir dagegen nur
gelegentlich zum Vergleich heranziehen. Teils sind sie noch nicht ausgegraben,
teils liegen noch keine ausreichenden Aufnahmen vor 1).

Es sollen die griechischen Theater folgender Städte in annähernd geographi-
scher Reihenfolge besprochen werden: i. Piräus, 2. Oropos, 3. Thorikos, 4. Ere-
tria, 5. Sikyon, 6. Epidauros, 7. Megalopolis, 8. Delos, 9. Assos, 10. Pergamon
und 11. Magnesia am Mäander. An der Ausgrabung dieser Bauwerke sind neben
der griechischen Archäologischen Gesellschaft alle Nationen beteiligt, welche in
Athen archäologische Institute besitzen. Durch gemeinsame, auf das gleiche Ziel
gerichtete Arbeit ist binnen kurzer Zeit reichliches Material herbeigeschafft und
dadurch die Lösung der wichtigen Fragen, welche sich an das griechische Theater
knüpfen, wesentlich gefördert worden.

1. Das Theater im Piräus.

Im Piräus gab es im Altertum zwei Theater, das ältere und grössere am Fusse
des Munichiahügels, das jüngere und kleinere südlich vom Zea-Hafen. Jenes, schon
von Thukydides VIII, 93 erwähnt, ist nur seiner Lage nach bekannt; seine Reste
liegen noch unter der Erde begraben. Einige seiner Mauern, die 1880 ausgegraben
wurden, sind seitdem wieder verschüttet und überbaut. Das jüngere Theater,
vielleicht zuerst in einer Inschrift des II. Jahrhunderts vor Chr. genannt (C. I. A.

4) Wie ich aus einein Vortrage von O. Puchstein in der Juli-Sitzung der Berliner Archäologischen
Gesellschaft ersehe, hat dieser im Verein mit R. Koldewey eine grössere Anzahl italischer und sizi-
lischer Theater untersucht und aufgenommen. Durch die Veröffentlichung dieser Pläne wird eine fühl-
bare Lücke in sehr erwünschter Weise ausgefüllt werden.

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