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Ness, Wolfgang [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 10, Teil 1): Stadt Hannover — Braunschweig, 1983

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https://doi.org/10.11588/diglit.44751#0212
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Orangerie
Die nördlich parallel 1720—23 errichtete
Orangerie wurde nach dem Anwachsen des
Bestandes auf 600 Orangenbäume notwen-
dig. Nach Plänen von Johann Christian Boeh-
me entstand ein langgestreckter schlichter
Fachwerkbau mit Mittel- und Seitenrisaliten
mit Dreiecksgiebeln. Bereits 1739 mußte die
Nordwand durch Joh. Paul Heumann massiv
ersetzt werden.
1823 gestaltete G. L. F. Laves die Fassade
durch Verputz und rundbogige Fensterab-
schlüsse klassizistisch um.
Wasserkunst
Nach zahlreichen meist erfolglosen Versu-
chen das Problem der Wasserversorgung des
Großen Gartens zu lösen, entstand nach Be-
ratung durch Leibniz (1696) seit 1718 an
dem dafür neu ausgeschachteten Umflutka-
nal der Leine (Ernst-August-Kanal) die Was-
serkunst. Der aus England hinzugezogene
Benson baute eine Wassermaschine nach
dem Vorbild des Engländers Holland, die
nach Korrekturen des Bleirohrsystems 1720
die Große Fontaine auf 35 m ansteigen las-

sen konnte. Dieses technische Meisterwerk
wurde 1861—63 durch zwei Wasserräder und
vier Pumpenmaschinen der Fabrik Egestorf
ersetzt und ein neuer Bau dafür 1864 durch
Baurat Hagen errichtet. Heute dienen die
Maschinen zur Auffüllung der Graft, die
Fontaine wird seit 1956 durch eine elektri-
sche Umwälzpumpe bis auf 82 m Höhe ge-
bracht.
Fürstenhaus (Alte Herrenhäuser Straße 14)
Der 1721 für die Gräfin Delitz erbaute Fach-
werkbau wechselte seit 1726 häufig den Be-
sitzer und wurde 1836 vom Königshaus er-
worben. Seit 1865 Bezeichnung als „Für-
stenhaus". Wohl 1770 wurde das ursprüng-
lich neunachsige, zweigeschossige Lusthaus
erweitert und mit Mittelrisaliten und niedri-
geren Seitenflügeln versehen. Zu dieser Zeit
vermutlich auch die gärtnerische Gestaltung
des Hofes der U-förmigen Anlage. 1864
erhielt der Außenbau durch G. H. Schuster
einen gelben Rustikaverputz und hölzerne
Fenster- und Türrahmungen. Im Inneren
Vestibül und Mittelrisalit mit der ursprüng-
lichen Dekoration.

Seit 1866 befindet sich in dem Bau die Por-
trätgalerie des Hauses Braunschweig-Lüne-
burg. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde
das Herrenhäuser Museum eingerichtet.
Hardenbergsches Haus (Alte Herrenhäuser
Straße 10)
Der 1747 für den damaligen Gartendirektor
C. von Hardenberg nach einem Entwurf von
J. P. Heumann entstandene Massivbau dien-
te als „Hof-Bau- und Gartendirektors- Of-
fizialwohnung". Der verputzte,symmetrische
Bau unter hohem Walmmansarddach ist
durch einen übergiebelten Mittelrisalit mit
doppelläufiger Freitreppe betont.
Die übrigen zur Baugruppe Großer Garten
gehörenden langgestreckten Fachwerkbauten
dienten als Wohnräume für die Dienerschaft
und Bediensteten des ehemaligen Gestüts.
Das 1707/08 durch Brand Westermann er-
baute Pagenhaus mit Walmmansarddach und
offenem Dachreiter ist das älteste dieser Ge-
bäude (Alte Herrenhäuser Straße 6). Eben-
falls aus dem 18. Jh. stammt die ehemalige
Meierei (Alte Herrenhäuser Straße 7, mög-
licherweise von Herrmann).

Großer Garten, Blick über das Parterre


Großer Garten, Friederikenbrücke über die Graft,
1839/40, Architekt G. L. F. Laves


Alte Herrenhäuser Straße 10, 8


Großer Garten, Pavillons von Westen


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