Ehmer, Hermann ; Stadtarchiv <Schwäbisch Gmünd> [Editor]
Geschichte der Stadt Schwäbisch Gmünd — Stuttgart, 1984

Page: 163
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Kirchen, Klöster und Spitäler

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ihren Wirkungskreis werden die weiträumigen personellen Beziehungen der Gmün-
der Augustiner sichtbar.105 Aus Gmünd stammte Petrus Ulmer, der in Heidelberg
Philosophie, in Erfurt Theologie studierte und 1430 bis 1433 Provinzial des Ordens
war. Anschließend ging er nach München, wo er Hofprediger der bayerischen Her-
zoge wurde, später avancierte er zum Weihbischof von Freising und Eichstätt.
Begraben liegt dieser bedeutende Augustinermönch, der am 29. Juni 1439 den neuen
Chor der Gmünder Klosterkirche einweihen konnte, in seinem Heimatkonvent
Gmünd.106
Wegen seiner schriftstellerischen Tätigkeit ist der im 15. Jahrhundert in Gmünd wir-
kende Augustiner Johannes Gayswegner oder Currifex zu nennen. »Er lebte in der
ersten Hälfte des Jahrhunderts in Schwäbisch Gmünd, wo er ausdrücklich für das
Jahr 1441 bezeugt ist. Er erfreute sich nicht nur großer Beliebtheit als Kanzelredner,
sondern hat auch für die Prediger seiner Zeit drei umfangreiche Bände mit Muster-
predigten herausgegeben: nämlich Predigten zu den Sonntagen des Kirchenjahres,
Predigten über alle Heiligenfeste und ein sog. Quadragesimale, d. h. Predigten zu
allen Tagen der Fastenzeit. Daß seine Werke geschätzt wurden, beweist ihre weite
Verbreitung.«107 Von der Klosterbibliothek der Gmünder Augustiner sind nur ganz
geringe Reste erhalten geblieben.108
Wie die beiden anderen Konvente besaß auch das Gmünder Franziskanerkloster109
zahlreiche Gönner aus Adel und bürgerlicher Oberschicht. Im Kreuzgang und der
Klosterkirche hingen noch im 16. Jahrhundert die Familienwappen und Gedächtnis-
tafeln der Stifter.110 Besondere Wohltäter waren die Geschlechterfamilie Wolf111 und
die Herren von Rechberg. 1470 übergab Ulrich von Rechberg dem Konvent die
Kaplanei zu Lindach.112 Von Ulrich von Alfingen hatten die Minderbrüder, denen
im 16. Jahrhundert elf Güter gehörten,113 am Ende des 14. Jahrhunderts das große
Hofgut Heisenberg bei Wasseralfingen erhalten.114
Kostbare Gegenstände wie ein vergoldeter Silberkelch, ein seidenes Meßgewand, ein
Perlengürtel und ein Samtmantel, die dem Kloster im 14. Jahrhundert von reichen
Gönnern geschenkt wurden,115 zeigen unmißverständlich, daß die Gmünder Barfü-
ßer nicht gewillt waren, sich der von dem observanten Ordenszweig geforderten
strengen Armut zu unterwerfen. Während der Rat die Klosterreform im Fall der
Dominikaner und Gotteszells förderte, scheint er hinsichtlich des Franziskanerklo-
sters keine Reform im Sinne der franziskanischen Observanz gewünscht zu haben.116
1495 fand ein Provinzialkapitel der Konventualen in Gmünd statt.117 1487 ist als
Gmünder Guardian ein führender Reformgegner bezeugt: der weltgewandte Jodo-
kus Wind aus Ingolstadt. Wind wurde »nach Studium und Lehrtätigkeit im Orden
im Jahre 1477 Guardian in Ulm, von 1480 bis 1482 war er dazu Custos in Schwaben,
ab 1482 Lektor und Klarissenbeichtvater in Würzburg«.118
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