Ehmer, Hermann ; Stadtarchiv <Schwäbisch Gmünd> [Editor]
Geschichte der Stadt Schwäbisch Gmünd — Stuttgart, 1984

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Der Untergang der evangelischen Gemeinde

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katholischen Glaubensbekenntnisses vor dem Stadtpfarrer. Eingaben an den Rat
führten ebenfalls nicht zum Erfolg, so daß sich das Brautpaar vom evangelischen
Pfarrer in Lorch trauen ließ, aber das Efochzeitsmahl in Gmünd hielt. Dies wurde
vom Rat mit einer Strafe von 50 Gulden belegt, die die Betroffenen gerne bezahlten,
da sie vermögend waren und weiterhin im Bürgerrecht bleiben konnten.
Sebastian Terzago und die übrigen Evangelischen waren freilich nicht gesonnen, dies
hinzunehmen. Die Sache wurde den evangelischen Reichsständen, insbesondere den
evangelischen Städten mitgeteilt. Erhalten ist die Bittschrift, die Terzago und seine
Genossen an Ulm gerichtet haben.13 In ihr werden die gesamten Bedrückungen, die
die Evangelischen in Gmünd leiden mußten, dargestellt. Daraufhin beschloß der
Ulmer Rat, die Beschwerden der Gmünder ihren Reichstagsgesandten zuzustellen,
damit diese sie den evangelischen Reichsständen bekanntmachten. Um seinem
Gesuch Nachdruck zu verleihen, weilte Terzago 1594 während des Reichstags selbst
in Regensburg, wo er von den Gmünder Gesandten selbstverständlich argwöhnisch
beobachtet wurde. In der Tat wurde die Bedrückung der Evangelischen in Gmünd
Gegenstand der Reichstagsverhandlungen, allerdings ohne Erfolg.
Als Terzago wieder nach Hause kam, wurde er unverzüglich ins Gefängnis gewor-
fen. Erst auf die Fürbitte einflußreicher Nachbarn, wie des Schenken von Limpurg,
wurde er aus der Haft entlassen. Allerdings mußte er eine Urfehde unterzeichnen,
eine Anerkenntnis seiner Schuld und das Versprechen, sich nicht am Gmünder Rat
zu rächen. Hierbei scheint es allerdings zu einem Betrugsmanöver des Gmünder
Rats gekommen zu sein, da man Terzago eine mildere Fassung der Urfehde vorgele-
sen hatte, dann aber eine schärfere unterschreiben ließ. Die Betrugsabsicht des
Gmünder Rats wird daran ersichtlich, daß man sich später weigerte, Terzago eine
Abschrift seiner Urfehde auszufolgen. Immerhin war damit für den Rat das Ziel
erreicht, den Evangelischen Terzago als Vertrauensmann zu nehmen. Damit war die
evangelische Gemeinde in Gmünd ihrer wichtigsten Stütze beraubt, und man muß
annehmen, daß sie sich in der Folgezeit aufgelöst hat. Belegt wird dies dadurch, daß
die Gmünder 1598 die Begründung einer ständigen Niederlassung der Jesuiten, für
die das Augustinerkloster ausersehen war, zu vereiteln wußten. Man konnte jetzt
erfolgreich behaupten, daß gegen die Rechtgläubigkeit der Gmünder keine Einwen-
dungen mehr zu machen seien.
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