Ehmer, Hermann ; Stadtarchiv <Schwäbisch Gmünd> [Editor]
Geschichte der Stadt Schwäbisch Gmünd — Stuttgart, 1984

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Gmünd im Dreißigjährigen Krieg

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stungen und Repressionen angesprochen, antworten ließ, man sei »nicht auf Freund
Grund und Boden, man muß sich nicht anders als feindlich erzeigen«.9
Die Besetzung der Stadt und einiger umliegender Ortschaften - etwa Bargau10 —
dauerte drei Wochen; der unglückliche Kriegsverlauf für die Union in Böhmen wie
auch sanfter Bestechungsdruck von seiten des Magistrats ließ die Württemberger
endlich abziehen. Immerhin, die laufenden Kosten hielten sich gering, das württem-
bergisch Union-Volck verzehrte in den Ortschaften lediglich, wie ein Bericht penibel
festhielt, für 2085fl., 14 Batzen und 3 Kreuzer.11 Einer erneuten Teilbesetzung um
den 23. Oktober 1619 entging man schließlich nur durch aktive Bestechung,12 wollte
man nicht weiter riskieren, daß die Zufahrtsstraßen nach Gmünd blockiert blieben
und der Stadt so großer wirtschaftlicher Schaden entstand.13 Der auf rund 40 000
Gulden angeschlagene Gesamtschaden wurde — obwohl Schwäbisch Gmünd beim
Kaiser nachhaltig gegen die Verletzung seiner Souveränität protestierte und Recht
erhielt — von Württemberg nie bezahlt.14
Die Standfestigkeit und Treue, die die Reichsstadt der katholischen Liga und damit
dem Kaiser entgegenbrachte, machten sich in den nächsten Jahren bezahlt: Im Zeit-
raum von 1619 bis 1621 erneuerte Kaiser Ferdinand II. die Privilegien seines Vorgän-
gers Matthias wie die Belehnung mit dem Schultheißenamt, dem Faßzieheramt und
dem Blutbann,15 erlaubte am 3. November 1623 die Erhöhung des Weggeldes auf
den Gmünder Straßen16 — eine willkommene zusätzliche Einkommensquelle für den
Stadtsäckel — und steigerte im Jahr 1624 die erst 1605 angehobenen Diäten der Bür-
germeister und Ratsherren noch einmal, wenn auch nicht in dem geforderten
Umfang, erheblich.17
Obwohl die Flauptkriegsschauplätze im Zeitraum der Jahre 1624 bis 1630 vornehm-
lich im Norden und Westen des Reiches lagen, wurde Schwäbisch Gmünd nicht von
Einquartierungen, kaiserlich-ligistischer Truppen und zusätzlichen Kontributionen
verschont.18 Mehrmals — etwa 1625 — diente die Stadt sogar mehrere Wochen lang
als Musterungsplatz; Schutzbriefe, die der Magistrat sich von den jeweiligen Platz-
kommandanten wie etwa 1628 vom kaiserlichen Kriegsrat Oberst von Ossa ausstel-
len ließ, um Übergriffe gegen die Zivilbevölkerung zu vermeiden, waren oft nicht
das Papier wert, auf dem sie ausgestellt wurden. Mit einiger Chuzpe und Gewandt-
heit taktierte der damalige Ratsschreiber und nachmalige Bürgermeister Jakob Wert-
wein auf dem Regensburger Reichstag des Jahres 1630 und erreichte zumindest eine
nominelle Herabsetzung der Abgabenbelastung und, nachdem er zwei einflußreiche
Herren mit Wein »aktiviert« hatte, einen zusätzlichen Schutzbrief des kaiserlichen
Kriegsrats von Holck am 18. Juli 1630.19
Der Sieg des Kaisers über die Unionstruppen unter Führung Christians IV. von
Dänemark machte den Weg frei zu einer kirchlichen Neugestaltung, zur Restitution
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