Aurenhammer, Maria; Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Forschungen in Ephesos (Band 10,1): Die Skulpturen von Ephesos: Idealplastik I — Wien: Verl. d. Österr. Akad. d. Wiss., 1990

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des Staatsmarktes, wobei Octavian 29 v. Chr. den Bau eines Zwillingstempels für Divus
Julius und Dea Roma erlaubte und für 27 v. Chr. die Weihung eines Temenos sowie
einer Statue für Augustus bezeugt ist32. Andreaes Argumentation geht nun dahin, daß
ein so großer Tempel wie jener am Staatsmarkt kaum zwischen 29 und 27 v. Chr. errich-
tet worden sein kann, sondern mit einer etwa zehnjährigen Bauzeit zu rechnen ist.
Damit kommt für ihn als ursprünglicher Auftraggeber dieser typisch römischen Anlage
nur Marc Anton in Frage, der sich auch in Ephesos als Dionysos feiern ließ33. Zu einem
dieser Gottheit geweihten Tempel würde auch das Thema unserer — zeitlich entspre-
chenden — Gruppe passen, die außerdem mit dem grausamen Polyphem als Mittelpunkt
eine Anspielung auf den in Ephesos als „Rohverschlinger“, „Grausamwilder“ bezeichne-
ten Marc Anton enthielte34. Auch die mit der Polyphemgruppe gefundene Dionysossta-
tue in Baiae weist auf eine Verbindung des Gottes mit diesem Mythos hin35. Bei der
Schlacht von Actium war, so Andreaes These weiter, der Tempel noch nicht vollendet
und wurde dem neuen Machthaber umgewidmet36. Die offenbar nie in den Giebel ver-
setzten — weil an der Unterseite nicht verklammerten — Figuren seien erst mehrere
Generationen später am Pollionymphaeum in anderer Funktion wiederverwendet wor-
den37. Mit ihrer zeitlichen Stellung im Späthellenismus hätte diese Giebelkomposition
auch eine besondere Position in der griechisch-römischen Kunstgeschichte inne38. Daß
die ephesische Giebelgruppe mit ihrem Thema nicht allein steht, zeigt die Terrakotta-
gruppe aus Tortoreto (2./1. Jh. v. Chr.) mit Polyphem, Odysseus und zwei „Gefallenen“,
von denen einer zu Füßen des Riesen liegt39.
Zwei Arbeiten jüngerer Zeit befassen sich vor allem mit den beiden Figuren der
Sterbenden. Der Arzt A. Suppan erkannte in dem ausgestreckt Liegenden Nr. 6 nach
der charakteristischen Haltung einen an einer Tetanusinfektion Sterbenden, während
der zweite mit angezogenen Beinen Nr. 5 deutlich sichtbar an einer Bauchwunde
stirbt40. Suppan erinnert wieder an die Diskrepanz zum homerischen Text, weswegen er
eine Zugehörigkeit der Sterbenden zur Gruppe in ihrer ursprünglichen Aufstellung aus-
schließen möchte41. Letzteres befürwortet auch K. Kr
tion über die Mimik in den römischen Kampfdarstellu:
tation der Figuren als Barbaren wieder auf und will s
der Gruppe mit dem Polyphemabenteuer absprechen,
fei an deren hellenistischer Entstehungszeit Ausdruc

Fleischer, Polyphemgruppe. 153 ff.
Fleischer, Polyphemgruppe 153.156.
Fleischer, Polyphemgruppe 156 f. — 157 Anm. 70 a zum 1
Darstellung des Vorglühens des Pfahls.
Fleischer, Polyphemgruppe 155.163 f.164: Ein absoluter
erbracht werden. — Zu Polyphemköpfen vgl. B. Andreas, AntPl
Side: Inan, Side 175 f. Nr. 106 Taf. 72, 2.
7 Fleischer, Polyphemgruppe 157.
8 Fleischer, Polyphemgruppe 158 f. mit Abb. 32 (Urne in Fl
Stellungen des Polyphemabenteuers (1972) 39 f. BL 16 (Urne in Flore
Nr. 13.78 f. Abb. 30 f. (Sarkophagfragmente in Neapel): alle zur gh
9 Vgl. Fleischer, Polyphemgruppe 158 f. und hier weiter i
10 Fleischer, Polyphemgruppe 159 f.
11 Zur Ikonographie der beiden Episoden vgl. u. a. 0. Touc:
l’art antique (1968) 11 ff. — H. Lavagne, MEFRA 82, 1970, 673 ff.

1 Fleischer, Polyphemgruppe 137 ff.
2 Vgl. die Zusammenstellungen bei Fleischer, Polypha
Andreas, Odysseus 70.
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