Flechsig, Eduard [Editor]; Cranach, Lucas [Ill.]
Tafelbilder Lucas Cranachs d. Ä. und seiner Werkstatt: Text — Leipzig, 1900

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ERLÄUTERUNGEN

ZU DEN TAFELN

i. Dr. Johann Stephan Reuss, Pro-
fessor an der Universität Wien (1503).
Nürnberg, German. Museum.

Halbe Gestalt, halb nach rechts ge-
wandt. Er ist ganz rot gekleidet. Vor
ihm auf einer Steinbrüstung ein aufge-
schlagenes Buch, auf das er die Hände
gelegt hat. Hintergrund Landschaft. Ganz
oben fast in der Mitte steht
1503
VIXI • AN • 41

Holz; PI. 0,52, Br. 0,37 m*). — Cranach-Aus-
stellung Nr. 148. — Das Bild ist von derselben Hand,
wie das folgende, Christus am Kreuz von 1503 in
der Schleissheimer Galerie. Mit diesem wurde es bis-
her Matthias Grünewald zugeschrieben. Doch können
beide Bilder nur von L. Cranach gemalt sein. Diese
Ansicht, die zuerst Fr. Rieffei ausgesprochen hat, wird
z. B. auch von Wilh. Schmidt und Max Friedländer
vertreten. Die Persönlichkeit des Dargestellten liess
sich auf Grund einer späteren Blei3tiftinschrift auf
der Rückseite der Tafel genau ermitteln. Johannes
Stephani Rews de Constancia wurde 1499 in Wien
immatrikuliert, war 1500, 1504 und 1509 Dekan, im
Sommersemester 1504 Rektor und starb 1514 in Wien
als artium et utriusque juris doctor und lector Ordi-
narius juris Caesarei. Er war auch fiscalis camere
procurator famigeratissimus (Aschbach, Gesch. der
Wiener Universität II, 104). Das Bild ist auf jeden
Fall in Wien gemalt. Nach dem Zeugnis Scheurls von
1509 war L. Cranach vor seiner Übersiedelung nach

*) Die Angaben über die Holzart und die Grösse
der Malbretter sind zum grössten Teil dem Katalog
der Cranach - Ausstellung von Karl Woermann ent-
nommen.

Wittenberg, also vor 1504, in Österreich. Vergl.
Flechsig, Cranachstudien I, 284—287.

2. Christus am Kreuz mit Maria und
Johannes (1503). Schieissheim, Galerie.

Rechts das schräg gestellte Kreuz, an
dem Christus hängt. Links davor die
händeringende Maria, die zum Gekreuzig-
ten emporsieht, und Johannes, der ihren
linken Arm umschlungen hat und sie an-
blickt. Maria hat ein dunkelrotes Kleid,
dunkelblauen Mantel und bräunliches Kopf-
tuch, Johannes ein gelbes Gewand und
roten Mantel. Ganz links die Kreuze der
beiden Schacher. Hintergrund bergige
Landschaft. Ganz vorn in der Mitte ein
Zettel mit der Jahreszahl 1503.

Tannenholz; H. i ,36, Br. 0,98. — Cranach-
Ausstellung Nr. 147. — Das Bild stammt aus dem
Kloster Attel am Inn, südl. von Wasserburg. Es
kam 1803 bei der Klosteraufhebung in bair. Staats-
besitz. Nach dem Urteil sämtlicher Forscher von
derselben Hand, wie das Bildnis des Dr. Joh. Stephan
Reuss im Germ. Museum in Nürnberg. Vergl. die
Bemerkungen zu Nr. 1. Flechsig, Cranachstudien I,
71—77. 284.

3. Die Ruhe auf der Flucht nach
Ägypten (1504). München, Generalmusik-
direktor Hermann Levi.

Rechts sitzt Maria in rotem Kleid und
rotem Mantel und hält das auf ihrem
Schosse stehende nackte Kind, das nach
einem Erdbeerstrausse greift, den ihm ein
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