Forrer, Robert [Editor]
Geschichte der europäischen Fliesen-Keramik: vom Mittelalter bis zum Jahre 1900 — Straßburg, 1901

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Fig. 184. Hj'draulische Rundtisch-Presse zur Herstellung gepresster und incrustirter Bodenfliesen.

Maschinenfabrik von Th. Groke in Merseburg.

und zeichnen sich die derart ausgeführten Fliesen ebenso durch die Güte ihrer Zeichnung, wie durch die
Haltbarkeit der Farben und die unverwüstliche Härte des Materiales aus. Durch die enorme Pressung, ver-
bunden mit dem unter hoher Temperatur erfolgenden Brande, erhält der Thon ausserordentliche Härte; die
Farben aber gewinnen ihre Unzerstörbarkeit insbesonders dadurch, dass sie nicht etwa auf die Oberfläche
der Fliese aufgemalt sind, sondern in ansehnlicher Dicke selbst die Oberfläche der Fliese bilden. Es ist das
dieselbe Technik, welcher ich bereits bei Besprechung der modernen Fliesenkeramik Englands (Jackfield Works)
gedacht habe. Dort beschrieb ich die Gewinnung und die Behandlung der dazu nöthigen Materialien bis zum
Momente, da die Farbthonpulver in die Ornamentform gelangen, um hernach gepresst zu werden. Hier
möchte ich nun, auf Grund eigener Anschauung dieser Fabrication in der mustergültigen Fabrik der Herren
Villeroy &• Boch, den Prozess in Kürze beschreiben, der aus den zur Modellirung bereiten Thonpulvern die
fertige lincrustirte, sogenannte Mosaikfliese» entstehen lässt. — Auf der eingefetteten Oberfläche eiserner Tisch-
platten ruht die Metallform mit glatt polirtem Boden (der das Hin- und Herschieben des Blockes erleichtern
soll)Diese Form besteht aus drei Theilen, dem unten glatt polirten eisernen « Untertheil», dem daraufliegenden
eisernen «Ring» und der in diesen resp. auf die einzufüllende Thonmasse zu legenden eisernen «Bolzen »-Platte.
Der «Ring» hat innen Form, Höhe, Breite und Tiefe der herzustellenden Fliese; falls deren Oberfläche reliefirt
sein soll, ist der Boden dieser Form entsprechend vertieft. Soll die Fliese nun zwei- oder mehrfarbig werden,
so legt man eine nach Art unserer blechernen Teigausstechformen aus Messingstreifen zusammengesetzte
Gitterschablone ein, deren Blechstreifen das Muster bilden, resp. die Contouren der einzelnen Farbflächen
abgrenzen. In diese verschiedenen Flächen werden nun mittelst spitz zulaufender Schöpfschaufeln die einzelnen
Farbthonpulver vertheilt. Dann hebt man sorgfältig die erwähnte Blechschablone heraus, überdeckt das Ganze
bis zum Rande der Eisenform mit gewöhnlichem Thonpulver und setzt die erwähnte Bolzenplatte auf. Der
Eisenblock, auf dem sich das abgespielt hat, wandert nun, indem man ihn auf der oben erwähnten einge-
fetteten Eisenplatte weiterschiebt, unter eine hydraulische Presse, wo unter colossalem Druck (bis zu 150
Atmosphären) das Thonpulver in der Form zu einer derart festen Masse zusammengepresst wird, dass die
Fliese, aus der Form gestülpt, nun nahezu fertig, d. h. compact und farbig gemustert, vor uns liegt. Der Prozess
wird dann noch dadurch vollendet, dass man die, aus dem etwas angefeuchteten Farbpulver gebildete Fliese

1 Andere Constructionen (so die Groke'sche Rundtischpresse Fig. 184) besorgen die Fortbewegung dieser Formen auf
kleinen Rollrädern, die in einem Schienenkreise die gefüllte Form zur Presse, dann, nach Entledigung des Inhaltes, zu neuer
Rundfahrt an den Ausgangspunkt zurückführen.
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