Münsterbau-Verein <Freiburg, Breisgau> [Hrsg.]
Freiburger Münsterblätter: Halbjahrsschrift für die Geschichte und Kunst des Freiburger Münsters — 3.1907

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Abb. 1. Die beiden oberen Wasserspeier am fünften Pfeiler der Südseite.

Die Wasserspeier am Freiburger Münster.

Von

Professor Dr. Fritz Baumgarten.

er Wasserspeier ist keine Erfindung der Eber (Abb. 8), Pantherkatzen, und zwar nicht nur die

Gotik. Schon das Altertum kannte diese Köpfe, sondern auch schon halbe oder dreiviertel

Einrichtung. Ja, das älteste Exemplar Leiber (Abb. 7). Vereinzelt kommen selbst mensch-

*A dieser scherzhaften Gebilde, das sich zur- liehe Gesichtsmasken und Gruppierungen von Mensch

zeit nachweisen lässt, der Löwe vom Re- und Tier an antiken Traufen vor (Abb. 4 und 9),

Tempel beim unterägyp-
tischen Dorfe Abusir
(Abb. 2), gehört der 5. Dy-
nastie und damit der Zeit
um 2300 v. Chr. an1.
Bezeichnenderweise er-
scheint gleich dieser ur-
älteste Vertreter der Gat-
tung als Löwe: der Löwe
ist seitdem durch die
Jahrtausende das haupt-
sächlich zum Wasser-
speien verurteilte Tier
geblieben -. Allbekannt
sind die Löwenköpfe an den Trauf-
rinnen der griechischen Tempel
(Abb. 3), sowie an den Brunnenmün-
dungen künstlich gefasster Quellen
(Abb. 5). Aber neben den Löwen
verwenden die Griechen auch schon
Hunde als Wasserspeier (Abb. 6
und 7), desgleichen Delphine (Abb. 9),

Freiburger Münsterblätter III, 1.

Abb. 2. Wasserspeiender Löwe aus Basalt vom Re-Heiligtum

des ägyptischen Königs Ne-Woser-Re.
Das Wasser lief zwischen den Vorderbeinen des Löwen durch.

Abb. J. Traufrinne vom

Hekatompedos des Peisistratos

zu Athen. Nach Wiegand.

so dass also die mittel-
alterlichen Bildhauer eine
ganze Reihe ihrer be-
liebtesten Speiertypen
ohne weiteres den an-
tiken Vorbildern ent-
lehnen konnten !.

Die altchristliche, by-
zantinische und roma-
nische Baukunst hat für
den Wasserspeier kaum
Verwendung gehabt (vgl.
übrigens den Nachtrag).
Auch der Islam begnügt
sich mit schmucklosen Rinnen am
Gesimse. Ja selbst die Gotik kennt
in ihren Anfängen den Wasserspeier
nicht1. Erst ums Jahr 1220 lassen sich
an gotischen Domen Frankreichs die
ersten Speier nachweisen; hier in
Frankreich wurden dann die typischen
Formen dafür erfunden, hier wurden

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